War es leicht dahin zu kommen?
MT: Früher dachte ich, dass ich das schon schaffen werde. Und plötzlich hast du eine Reklamation, die dich über Monate begleitet, weil KundIn nicht zufrieden zu stellen ist. Das hält ein Team nur bis zu einem gewissen Punkt aus. Auch meine Rezeptionistin ist da geschult: Wenn eine E-Mail schon vier Seiten lang ist und sich schwierig anfühlt, laden wir erst einmal zur Beratung ein.
Ist die Beratung kostenpflichtig?
MT: 15 Minuten Beratung kosten 23 Euro. In dieser Zeit hat der Stylist oder die Stylistin bewusst Zeit. Manchmal ist einfach Unsicherheit bei KundInnen da, die wir ihr nehmen können.
Viele in der Branche sagen: Ich bilde nicht mehr aus, der Jugend von heute fehlt die Arbeitsmoral. Was machst du anders?
MT: Ich bin 33 und der Altersabstand zu meinen MitarbeiterInnen ist nicht so groß. Was mir wichtig ist, überschneidet sich sehr mit ihren Vorstellungen. Natürlich ist es mein Geschäft, und ich kann von MitarbeiterInnen oder Lehrlingen nicht dasselbe erwarten, wie von mir selbst. Aber ich möchte, dass respektvoll, mit einer gewissen Haltung und Ernsthaftigkeit gearbeitet wird.
UnternehmerInnen müssen trotzdem verstehen, dass wir Teil des Lebens unserer MitarbeiterInnen sind, aber wir sind nicht ihr Leben.
Die duale Ausbildung wird oft kritisiert. Wie siehst du das?
MT: Grundsätzlich finde ich die duale Ausbildung gut. Aber was die Praxis betrifft, hat sich seit meiner Lehrzeit nicht genug geändert. Niemand, egal ob Unternehmen, AusbilderInnen, Berufsschule oder Innung war bis jetzt aus meiner Sicht wirklich bereit etwas zu ändern. Deshalb sind wir jetzt da, wo wir sind. Es gibt keine klaren Regeln. Ist es wöchentlicher Unterricht oder Blockunterricht? Wie schaut die Prüfung aus? Gibt es eine Zwischenprüfung? Gibt es keine? Vieles ist gewurschtelt.
Willst du weitere Lehrlinge aufnehmen?
MT: Ja, ich suche eine größere Immobilie und möchte wachsen. Nicht, weil alles einfach ist. Die Wirtschaft spielt komplett verrückt. Es kommen aber laufend Bewerbungen. Diese Menschen müssen irgendwo arbeiten und auch KundInnen wollen Orte, die zu ihren Werten passen. Wenn wir transparent erklären, warum unsere Preise so sind, verstehen sie auch, was mit diesem Geld passiert. Sie wissen: Ich bilde in dieser Zeit aus, MitarbeiterInnen haben einen guten Arbeitsplatz und werden gut bezahlt. Genauso unterstützen sie ein frauengeführtes Unternehmen.
Ich bin auch im Team transparent, was Löhne angeht. Wie kommt das zustande? Wie viel müssen wir umsetzen, damit alles läuft? Wenn man das klar vor Augen hat, kann man überlegen, was man in Zukunft möchte. Und ich habe mir als Ziel gesetzt, der beste Ausbildersalon in Wien zu werden.