Ein Kritikpunkt an dieser Ausbildung ist oft der fehlende Salonalltag. Wie sehen Sie das?
AS: Wie an anderen Berufsbildenden Höheren Schulen haben unsere SchülerInnen acht Stunden pro Woche Praxisunterricht. Das ist natürlich weniger als in einer klassischen Friseurausbildung. Aber wir arbeiten sehr praxisnah: Unsere Praxisräume sind wie ein Friseursalon aufgebaut, jede Schülerin übernimmt regelmäßig im Turnus die Salonleitung und wir haben Modellbetrieb mit externen KundInnen. Oder sie arbeiten auf Großveranstaltungen, wo sie z. B. im Rahmen von Fashion Shows bis zu 200 Models auf Events vorbereiten, solche Erfahrungswerte hat man im normalen Friseursalon nicht. Zusätzlich erhalten unsere SchülerInnen eine umfassende Allgemeinbildung, unternehmerisches Denken und Kreativität in den Vertiefungen Make-up Artist und Fashion Stylist – alles Dinge, die relevant für die Branche sind.
Praktika in Friseursalons sollen die Praxis ergänzen. Wie läuft hier die Zusammenarbeit?
AS: Unsere SchülerInnen absolvieren zwischen dem 3. und dem 4. Jahrgang ein dreimonatiges Pflichtpraktikum in einem Betrieb. Das kann im Inland sein, in ihrer Heimatregion oder im Ausland mit geförderten Stipendien über Erasmus+.
Wir haben keine Probleme, Praktikumsplätze für unsere SchülerInnen zu finden. Es gibt Betriebe, die sich immer wieder freuen, PraktikantInnen von uns aufzunehmen. Natürlich kann es auch einmal vorkommen, dass jemand unzufrieden mit einer Praktikantin ist. Dann versuchen wir Lösungen zu finden. Hier stehen wir unterstützend zur Seite. Neben heimischen Salons haben wir auch Salons in Berlin und München bzw. gehen heuer 2 SchülerInnen nach Malta. Auch das sind Besonderheiten, die die klassische Lehre nicht bietet.
Welche Anforderungen gibt es an das fachliche Lehrpersonal?
AS: Grundsätzlich haben alle Lehrpersonen im Fachbereich eine Meisterprüfung und absolvieren berufsbegleitend ein dreijähriges Lehramtsstudium für die Sekundarstufe. Manche arbeiten zusätzlich in einem Friseursalon oder haben ein eigenes Geschäft mit fixem Kundenstamm. Ihnen ist wichtig, fachlich am Ball zu bleiben, sich weiterzubilden und die Praxis im Blick zu behalten.