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Credit: @enawei, Verena Weiss

09.07.2026

„Streifen im Haar sind kein Fehler – sie sind der nächste große Farbtrend“

Raccoon Tail, Peekaboo, Ghost Roots: Aveda-Artist Fariz Sheik erklärt, warum Streifen im Haar salonfähig sind, worauf es technisch ankommt, und warum der Look längst nicht nur etwas für die junge Generation ist.

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Redakteurin Juliane Krammer im Interview mit Aveda Hair-Artist Fariz Sheik

Fariz, Streifen im Haar klingen für viele FriseurInnen erst einmal nach einem Albtraum. Bei dir ist das anders …
Fariz Sheik: Anfang des Jahres sah ich auf Instagram den Streifen-Look von Eiskunstläuferin und Olympia-Siegerin Alysa Liu, anschließend war die Technik auf Social Media, gefühlt, überall. Die Looks ließen mich nicht mehr los.

Du hast die Inspiration genutzt und auch gleich auf die große Bühne gebracht …
FS:
Ich hatte die Möglichkeit, bei der Top Hair in Düsseldorf on Stage zu arbeiten, und wollte dort etwas zeigen, das sich neu anfühlt. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass Streifen im Laufe des Jahres immer größer werden. Und so ist es auch: Manche nennen es Raccoon Tail, andere Stripes, Foxtail oder Color Blocking.

Sind KundInnen tatsächlich bereit für solche Techniken?
FS: 90 % der TrägerInnen sind eine jüngere Generation. Die erste Anfrage dafür hatte ich vor 1 1/2 Jahren von einer Kundin mit dem Wunsch „Ich hätte gerne ein paar Streifen.“ Damals war das noch eher ungewöhnlich. Heute ist der Trend viel präsenter. TikTok und Instagram spielen hier eine große Rolle. In Österreich dauert es oft ein bisschen, bis solche Techniken wirklich ankommen. Aber in den letzten Monaten bekomme ich deutlich mehr Anfragen, und zwar von KundInnen unterschiedlichen Alters.

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Wie alt war deine älteste Kundin, die nach Stripes gefragt hat?
FS: 51 Jahre. Aber nicht jeder Look passt zu jeder Person. Man muss vorher sehr genau besprechen: Wie auffällig darf es sein? Wie wild darf die Farbe werden? Wie stark sollen die Streifen sichtbar sein? Das ist ganz wichtig.

Du arbeitest auch mit Techniken, bei denen man die Streifen verstecken kann.
FS: Bei jungen KundInnen, die etwa Manga- oder Asian-Style mögen, dürfen die Streifen sehr präsent sein. Bei einer 51-jährigen Kundin würde ich anders arbeiten: weicher, dezenter, so, dass es zu ihr passt. Die Platzierung ist entscheidend.
Bei schulterlangem Haar kann man die Streifen im unteren Bereich setzen. Wenn die Kundin den Kopf nach vorne nimmt oder das Haar bewegt, sieht man den Effekt durchscheinen. Eine andere Möglichkeit ist, den Stripe in die Längen und Spitzen zu setzen. Dann sieht man ihn, wenn das Haar zum Pferdeschwanz gebunden oder halb hochgesteckt wird.
Für versteckte Stripes arbeite ich auch gerne etwas oberhalb der Ohren. Bei Bewegung oder Beach Waves blitzt die Farbe dann aus unterschiedlichen Winkeln hervor.

Was muss man technisch beachten?
FS: Zuerst muss festgelegt werden, wo die Streifen sichtbar fallen sollen, danach kommt die technische Umsetzung. Bei dunklem Naturhaar braucht man Blondierung. Ich verwende 6 % H2O2. Wichtig ist, dass das Haar wirklich bis zu einem blassen Gelb aufgehellt wird, bevor man es auswäscht. Sonst bekommt man am Ende einen orangenen Streifen.

Ich verwende 6 % H2O2. Wichtig ist, dass das Haar wirklich bis zu einem blassen Gelb aufgehellt wird, bevor man es auswäscht.

Wie mache ich einen Streifen-Look bei blondem Haar?
FS:
In diesem Fall setze ich dunklere Stripes in Tonhöhe 5 oder 6, gerne mit etwas Aschanteil. Der wichtigste Punkt ist Kontrast. Wenn die beiden Farben zu nah beieinanderliegen, sieht man am Ende den Streifen nicht richtig.
Alles in allem braucht die Technik Präzision. Ich arbeite sehr sauber mit Abteilungen und nutze ein Balayage-Board unter der Folie als Kontrolle.

 Kontrast ist wichtig. Wenn die beiden Farben zu nah beieinanderliegen, sieht man am Ende den Streifen nicht richtig.

Welche Farbtrends siehst du außerdem?
FS:
Da gibt es einiges. Die neue Generation kommt ständig mit neuen Looks und neuen Namen. Neben Raccoon Tail, Stripes und Foxtail gibt es zum Beispiel Peekaboo.

Was ist Peekaboo?
FS: Peekaboo ist eine Two-Tone-Color. Meist wird eine sehr kräftige, helle oder neonartige Farbe mit einer dunkleren Farbe kombiniert. Wenn man das Haar nach vorne zieht, sieht man die starke Farbe. Trägt man das Haar glatt und offen, ist sie eher versteckt. Es ist also eine Hidden Color.
Das funktioniert nicht nur mit Neonfarben. Bei blondem Haar kann man zum Beispiel statt einer klassischen Balayage mit natürlichem Braun und einem sehr starken blonden Face Framing arbeiten. Auch das kann als Peekaboo interpretiert werden.
Ein weiterer Trend, der sicher populärer wird, sind Ghost Roots.

Ghost Roots?
FS: Ja. Das ist vor allem bei kurzen Damenhaarschnitten spannend. Dabei werden nur die ersten zwei bis drei Zentimeter am Ansatz aufgehellt. Man kann sie blond lassen oder mit Blau, Grün, Rot oder einer anderen Farbe tönen. Der Rest des Haares bleibt zum Beispiel schwarz oder in einer anderen dunkleren Farbe. Was ich außerdem sehr spannend finde, ist Pixel Hair.

Bitte beschreibe diesen Look!
FS: Das sind keine Stripes, sondern Muster, die mit vielen unterschiedlichen Farben gesetzt werden. Man muss extrem exakt arbeiten, fast so, als würde man Pixel setzen. Das Spannende ist: Es kann so platziert werden, dass man bei glatt gekämmtem Haar kaum etwas sieht. Wenn man das Haar aber anders scheitelt oder bewegt, kommt plötzlich ein farbiges Muster zum Vorschein.

Ich bin gespannt, ob sich dieser Trend bei uns durchsetzen wird.
FS:
Was man bei Raccoon Tail oder Pixel Hair auch machen kann: Man arbeitet das Muster auf Clip-in-Extensions. Das ist eine Lösung für KundInnen, die den Look nicht dauerhaft im eigenen Haar haben möchten.

Clip-in-Extensions sind eine Lösung für KundInnen, die den Look nicht dauerhaft im eigenen Haar haben möchten.

Du arbeitest in einem Salon in Wien. Wann bleibt Zeit für Avantgarde-Arbeiten?
FS:
Ich arbeite in einem Umfeld, das mir erlaubt, mir für kreative Arbeiten die Zeit zu nehmen. Das ist nicht selbstverständlich. In vielen Salons ist es schwierig, solche Looks umzusetzen, weil man keine Assistenz hat oder nur zwei bis drei Stunden pro Termin eingeplant sind. Für manche kreativen Farben braucht man aber deutlich mehr Zeit. Kürzlich hatte ich einen Termin, der 6 Stunden dauerte, inklusive Content Creation.

Wie kalkuliert ihr solche aufwendigen Farbtermine im Salon? Was zahlt eine Kundin für 4, 5 oder 6 Stunden Farbe und Schnitt?
FS:
Wir bieten Paketpreise: Color Experience Medium (3-4 h) für 296 Euro oder Color Experience Large (4-5 h) für 370 Euro. Haarschnitte sind hier inkludiert.

Was ist deine persönliche Geschichte? Du bist in Singapur geboren und lebst seit vielen Jahren in Österreich. Warst du schon in Singapur Friseur?
FS: Nein, ich hatte in Singapur einen komplett anderen Beruf. Als ich vor 17 Jahren nach Wien gezogen bin, war mein Partner Stylist und auch Trainer. Damals stellte sich für mich die Frage: Was mache ich hier? Also habe ich bei Headquarters, eine privaten Friseurschule, meine Ausbildung gemacht. So hat meine Reise in der Friseurwelt begonnen. Am Anfang war alles neu für mich. Ich war neugierig und wollte sehen, wie weit ich in diesem Beruf kommen kann. Natürlich gab es in den Jahren auch Herausforderungen, vor allem mit der Sprache. Aber heute bin ich immer noch dabei.

Vielen Dank, Fariz, für das Gespräch und alles Gute für deine Zukunft!

Über Fariz Sheik

Fariz Sheik wurde in Singapur geboren und lebt seit 2009 in Wien. Nach seiner Ausbildung bei Headquarters fasste er Fuß als Friseur in der österreichischen Hauptstadt. Fariz ist Aveda Ambassador und schaffte es mit seinen Einreichungen 2025 unter die Top 5 der Digital Hair Awards. Der Blond & Color Specialist ist im Wiener Salon One of a kind angestellt.

@mowgligizmo

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