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Credit: KI (ChatGPT)

03.07.2026

Wenn Freundlichkeit zur Belastung wird

Diese Arbeit steht nicht auf der Preisliste: das Lächeln, das Zuhören, das Funktionieren. Susanne Drexel schreibt über Emotional Labour im Salon und darüber, warum Freundlichkeit manchmal mehr kostet, als man sieht.

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Kolumne von Susanne Drexel, Mentalcoach und ehemalige Friseurunternehmerin

Das Lächeln, das kostet

Stell dir vor, du kommst morgens in den Salon. Du hast schlecht geschlafen. Vielleicht hast du Schmerzen. Vielleicht läuft gerade privat etwas nicht rund.

Und trotzdem: Du lächelst. Du fragst, wie es der Kundin geht. Du hörst zu. Du bist präsent und funktionierst.

Das ist dein Beruf. Das weißt du. Und du machst es gut.

Aber hast du dich jemals gefragt, was das kostet?

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Emotional Labour: Eine Arbeit, die niemand sieht

Die Soziologin Arlie Hochschild hat dafür einen Begriff geprägt: Emotional Labour -Emotionale Arbeit. Die Arbeit, die geleistet wird, wenn man Gefühle managt, um nach außen eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Im Friseursalon ist das Alltag. Man ist müde und lächelt trotzdem. Man hat Schmerzen und steht weiter. Man hat selbst einen schweren Tag und hört trotzdem aufmerksam zu, wenn die Kundin über ihre Schwiegermutter klagt oder der Kunde seine Sorgen loswerden möchte. Diese Arbeit steht nicht auf der Preisliste, sie wird nicht berechnet und sie wird kaum je benannt.

Dabei ist sie real und sie kostet echte Energie.

Wenn Freundlichkeit zur Pflicht wird

Es gibt einen Unterschied zwischen Freundlichkeit, die aus Kraft kommt, und Freundlichkeit, die aus Angst kommt. Wer freundlich ist, weil er Menschen mag, weil ihm Begegnungen etwas bedeuten, weil er gerne gibt, der schöpft aus einer inneren Quelle. Das trägt.

Wer freundlich ist, weil er Ablehnung fürchtet, weil er gelernt hat, dass sein Wert davon abhängt, wie er auf andere wirkt, der zehrt sich aus. Schleichend. Oft ohne es selbst zu merken.

In meiner Arbeit als Mentalcoach begegne ich diesem Muster sehr häufig. Dahinter steckt oft ein Glaubenssatz, der tief sitzt und früh gelernt wurde: "Ich bin nur wertvoll, wenn ich freundlich bin, wenn ich gefalle und keine Schwäche zeige."

Dieser Glaubenssatz ist ein Trigger. In dem Moment, in dem eine Kundin unzufrieden

wirkt, in dem Moment, in dem jemand im Salon kurz die Stirn runzelt, läuft das Muster ab. Der Körper geht in Alarmbereitschaft. Man strengt sich noch mehr an. Man gibt noch mehr. Man lächelt noch breiter. Und das Nervensystem bleibt dauerhaft unter Strom.

Was das im Salonalltag bedeutet

Der Friseurberuf ist körperlich fordernd. Das weiß jeder. Aber die emotionale Erschöpfung, die durch das permanente Managen von Gefühlen entsteht, wird selten ernst genommen. Dabei ist sie einer der häufigsten Gründe, warum Menschen in diesem Beruf irgendwann nicht mehr können. Nicht weil sie schwach sind, sondern weil sie über Jahre hinweg mehr gegeben haben, als sie sich selbst erlaubt haben zurückzunehmen. Der Körper speichert das alles. Er vergisst nichts und irgendwann schickt er eine Rechnung.

Stress hat eine Geschichte. Auch diese hier. Wer früh gelernt hat, dass er nur dann wertvoll ist, wenn er lächelt, der wird im Salonalltag täglich mit diesem alten Muster konfrontiert. Ohne es zu wissen.

Was hilft

Der erste Schritt ist keine Technik und kein Ratschlag. Der erste Schritt ist Ehrlichkeit. Die Frage: "Kommt meine Freundlichkeit gerade aus Kraft oder aus Erschöpfung?" Diese Frage ist keine Kritik an sich selbst. Sie ist eine Einladung, sich selbst wirklich wahrzunehmen.

Freundlichkeit, die aus einem vollen Inneren kommt, ist ein Geschenk. An die Kundinnen und Kunden, an das Team, an den Beruf. Aber dieser Topf muss auch gefüllt werden. Wer nur gibt, ohne je nachzufüllen, gibt irgendwann aus dem Leeren. Und das spüren alle, am meisten man selbst.

Über Susanne Drexel

Susanne Drexel ist Mentalcoach, Achtsamkeitslehrerin nach Maren Schneider und Fachkraft für Stressmanagement (IHK). Sie arbeitet mit Methoden der positiven Psychologie nach Dr. Seligman. Als ehemalige Friseurunternehmerin hat sie selbst erlebt, was passiert, wenn ein System keine Prävention kennt. Heute begleitet sie Salonteams und Betriebsinhaber auf dem Weg zu mehr mentaler Stärke, Resilienz und echter Freude am Beruf.

Kontakt

Trainer-Speaker-Coach Susanne Drexel
info@susannedrexel.de

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