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20.07.2012

Stephanie Haidenthaler: Know-how fernab der Großstadt

Aufbauend auf ihre Karriere als Goldwell-Fachtrainerin und unzähligen Diplomen und Weiterbildungen im In - und Ausland gründete Stephanie Haidenthaler 2005 die "Haareformer", einziges Friseurunternehmen der 1.000 Seelen Gemeinde Gurten in Oberösterreich, internationales Know How inklusive. [i]Fakten:[/i] 4 Mitarbeiter | 3 Lehrlinge - u.a. Diplome International der Toni& Guy Academie, Klassic Cutting Ausbildung Aldo Coppola Florenz, Visagistenausbildung Wien, Master of Colors Wella, Fachtrainer Ausbildung Goldwell - Arbeiten für TV: Yorkshire Tyne Tees Television, "Willkommen Österreich" (Make-up)

In Gurten, einer 1.000 Seelen Gemeinde in Oberösterreich, haben Sie vor 7 Jahren Ihren eigenen Salon eröffnet und bieten dort ein umfangreiches Dienstleistungsspektrum, von Kosmetik & Make-up, bis zur Haarverlängerung & Colorationsexpertin. Sind Sie das einzige Friseurunternehmen vor Ort?
Ich bin das einzige Friseurunternehmen im Ort. Früher hatten Friseure schon einige Male versucht ein Unternehmen aufzubauen, aber es klappte nie wirklich.
Alle meine Friseurinnen sind Colorations Experten seit sie bei mir arbeiten, denn jede einzelne machte den Master of Colors um jeder Schwierigkeit im Arbeitsalltag gerecht zu werden. Und meine Angestellten sind sowohl Damen- als auch Herrenfriseurinnen, wobei jede ihre speziellen Vorlieben hat.

Was ist Ihr Erfolgsrezept, ihre Philosophie?
Meine Philosophie lautet: Den Menschen als Ganzes sehen, den Typ zu unterstreichen und hervorheben. Beratung ist das A und O eines erfolgreichen Stylings, und vor allem sollte auf die Wünsche des Kunden eingegangen werden um nicht nur das umzusetzen was gerade modern ist, sondern die Persönlichkeit des Menschen mit einem tollen Schnitt und einer harmonischen Farbgebung zu vervollständigen. Wichtig ist auch dass meine Mitarbeiter Spaß an ihrer Arbeit haben und kreativ und extravagant sein können.

Welche Unterschiede sehen Sie als Friseur-Unternehmerin zwischen Land und Großstadt?
Unterschiede liegen natürlich im Preis. Man kann nicht dieselben Preise verlangen wie in einer Stadt. Aber es ist dafür von den Mietbedingungen her günstiger. Auch das Parkplatzangebot ist besser ... man bleibt unmittelbar vor der Geschäftstüre stehen. Die Kunden nehmen weite Strecken zum Fahren in Kauf, weil ihnen einfach unser Preis- / Leistungsverhältnis sehr gefällt. Was natürlich am Land wichtig ist, jeder kennt jeden ... Wenn man etwas sehr gut macht, wird es sofort weitererzählt, man hat daher eine tolle Mundpropaganda. Das ist in den Städten schwieriger weil mehrere Friseure vor Ort sind, und es herrscht mehr Anonymität. Genauso, wenn jemand einen Haarschnitt möchte und es ist nicht sofort Zeit dazu dann wartet der Kunde eventuell eher als in der Stadt. Da fragt man möglicherweise gleich beim nächsten Friseur nach, wenn´s schnell gehen soll.

Sie blicken auf eine Karriere als Fachtrainerin für Goldwell zurück, die Sie unfreiwillig aus gesundheitlichen Gründen (doppelter Bandscheibenvorfall) beenden mussten. Wie sind Sie mit diesem persönlichen Rückschlag umgegangen?
Der erste Schock war für mich als ich erneut im Krankenhaus lag (innerhalb von 2 Monaten), und mir die Ärztin erklärte: „Frau Haidenthaler, Sie müssen sich überlegen ob Sie sich operieren lassen, falls Sie Ihre Trainertätigkeit nicht aufgeben sollten.“
Das stundenlange Autofahren von A nach B und die schweren Farbkisten, die wir zu jeder Schulung mitnahmen, waren einfach zu viel für mein Kreuz. Und operieren wollte ich auf keinen Fall ...
Seit ich selbstständig bin habe ich nun die Möglichkeit beim Schneiden zu sitzen und beim Föhnen zu stehen. Und meine Bandscheiben haben sich wieder beruhigt ...vorausgesetzt, dass ich regelmäßig meine Übungen mache.

Welche Erfahrungen aus der Zeit Ihrer Trainertätigkeit fließen in Ihr Unternehmen ein?
Toll für meinen Salon ist, dass ich perfekt in der Farbchemie ausgebildet wurde, so kann ich auch bei den schwierigsten Situationen eine Lösung finden, z.B. rückenlanges Haar von Schwarz auf Blond zu färben ohne das es dabei zu viel Schaden nimmt. Fehlfärbungen ordentlich korrigieren mit der richtigen Farbe, und vor allem sagen wenn eine Färbung auf keinen Fall möglich ist um den Kunden und seine Haare zu schonen.
Auch in Bezug auf meine Lehrlinge bringt meine Trainertätigkeit sehr viel, man entwickelt einfach Geduld und erklärt eben noch einmal, und noch einmal.

Bettina Sulzer, eine Ihrer Mitarbeiterinnen, gewann die nationale Color Zoom Challenge 2011 in der Kategorie Young Talent und durfte zum Goldwell Global Event nach Miami reisen – sicher eine tolle Sache für eine junge Stylistin. Wie setzten Sie sich als Unternehmerin für motivierte Mitarbeiter ein?
Zeitlich bleiben nur die freien Tage die wir haben oder abends, denn wir sind eigentlich immer ausgebucht, da muss schon eine Liebe zum Beruf vorhanden sein um nach einem anstrengenden Tag noch Freude zum üben zu finden. Motivation entsteht einfach dadurch, dass meine Mitarbeiter zwei bis dreimal im Jahr Seminare besuchen dürfen, bei den gaaanz großen Akademien, wie Toni& Guy, Vidal Sassoon und Tigi. Und dann gibt es schon mal eine extra Übernachtung von mir dazu, dass sie am nächsten Tag noch shoppen gehen können. Ich denke, meine Angestellten merken sehr wohl, dass ich Ihre Arbeit und Ihr Engagement zu schätzen weiß. Außerdem bezahle ich alle sehr gut und sämtliche Arbeitsmittel werden von mir zur Verfügung gestellt.
Und man sieht den Erfolg, denn dieses Jahr ist Eva Wernisch national unter die besten drei Friseure Österreichweit gekommen, und das bei 600 Teilnehmern.
Was auch noch sehr wichtig ist, sind Mitarbeiter Gespräche. Einmal im Monat haben wir Firmenbesprechung. Da geht es einfach um alle möglichen Dinge der alltäglichen Arbeit und dann wird darüber geredet wo man etwas verbessern oder den Kunden mehr Wohlfühlgefühl vermitteln kann. Oder wir gehen einfach nur miteinander essen und plaudern über alles Mögliche das schweißt auch zusammen, finde ich.

Wie nutzen Sie Mitarbeitererfolge für Ihren Salon? Es gibt ja auch Unternehmer, die Frisurbewerben generell skeptisch gegenüber stehen und meinen, man sollte doch lieber gescheit arbeiten und Geld verdienen.
Ich selbst bin der Überzeugung, dass man keinen Bewerb gewinnen muss, um ein einzigartiger Friseur zu sein. Man sollte immer versuchen das Beste in der Arbeit zu erreichen. Es wird wahrscheinlich immer Tage geben wo man einfach lieber zuhause bleiben möchte. Es ist immer traurig für mich mit anzusehen wenn junge Mädchen mit Leidenschaft den Beruf Friseur und Perückenmacher erlernen, und dann nach 3 Lehrjahren so geschädigt sind, dass sie nie wieder einen Kamm und eine Schere in die Hand nehmen wollen. Ihnen fehlt allen das Erfolgserlebnis dass Friseur ein wahnsinnig toller Beruf ist.
Ich biete meinen Lehrlingen immer an, dass sie auch bei Berufschul-Wettbewerben mitmachen können, jedoch finde ich, dass durch solche Wettbewerbe die Einzigartigkeit verloren gehen kann und eine gewisse Gleichschaltung im Frisierstil entsteht. Außerdem besteht die Gefahr wenn man nicht gewinnt zu glauben kein guter Friseur zu sein.

Dass Ihre Mitarbeiter abseits des Salonalltags erfolgreich sind, spricht auch dafür, dass Sie in Punkto Trends und Techniken up to date sind. Sind Ihre Kunden das auch, bzw. wie transportieren Sie Trends zu Ihren Kunden?
Goldwell bringt wie jede andere Farbfirma einmal im Jahr einen Trend heraus, der unter anderem immer von Mario Krankl mitentwickelt wird. Wir reisen jedes Jahr zu den Endausscheidungen dieser Color Zoom Bewerbe (Paris, Miami, Las Vegas, London) und sehen also schon im Vorhinein die Trends des nächsten Jahres. Wichtig ist, dass dann ein Seminar mit der Farb- und der Stilumsetzung folgt, damit auch der Kunde an uns und an den Fotokollektionen die wir dann herausbringen sieht was „in“ ist.
Man berät dann den Kunden und versucht den Trend typgerecht umzusetzen. Egal ob vom Land oder aus der Stadt. Es gibt dort und da klassischere oder flippigere Menschen.

Sie bieten Sie eine Menge in Punkto Weiterbildung und –Entwicklung ...
Wie gesagt, 2 bis dreimal im Jahr biete ich meinen Angestellten Fortbildungen an. Auch Salonschulungen sind wichtig. Entwicklung geschieht ständig, jeder verändert sich, wird reifer, kreiert einen neuen Stil und das gehört durch Seminare einfach immer wieder aufgefrischt und gefördert.

Momentan haben Sie 3 Lehrlinge in Ihrem Team. Gibt es etwas, dass Sie gern am derzeitigen Ausbildungssystem in Österreich verändern würden?
Für mich wäre es wichtig, wenn mehr praktische Arbeit in den Berufsschulen geschehen würde. Mehr Arbeit an Modellen und Endverbrauchern. Auch die Fachchemie sollte nicht nur theoretisch sondern praktisch in allen möglichen Facetten angewandt werden.
Ich denke, dass es auch für Berufsschullehrer gut wäre, wenn sie mehr Schnitt und Farbtechnik-Seminare besuchen könnten. Das ist wie bei uns im Salon, man stagniert einfach wenn man sich nicht immer wieder weiterbildet.

Aber wie können wir Interesse am Job bei den jungen Leuten transportieren und auch langfristig Lust darauf machen?
Indem man junge Talente nicht nur Waschen und Zusammenräumen lässt sondern sich ihre Ideen auch anhört und sie immer wieder üben lasst und lobt. Fordert, fördert und nicht Überfordert.
Wenn man immer nur gemaßregelt wird und nie eine Bestätigung erhält dass das gut ist was man tut, verliert man schnell die Freude.
Man sollte sich auch selbst immer wieder bei der Nase nehmen und Geduld im Umgang mit jungen Menschen üben, denn im Alltag geben der Stress und der Zeitdruck oft den Ton an.

Wünsche an die Branche?
Eigentlich keine. Ich hoffe, dass unser Beruf so toll, kreativ und farbenfroh bleibt wie er ist, und dass unsere Profession mehr Anerkennung findet als bisher. Denn wir sind nicht nur „Haareabschneider“, sondern Künstler, Philosophen, Psychologen, Beichtmütter und Maler... und wir machen Menschen glücklich!
 

August 2012

Interview:Katja Ottiger