16.05.2011

Clemens Happ: Shampoo teuerer als unsere Arbeit?

Als erfolgreicher Marketing- und Businessstratege steht Clemens Happ in Seminaren, u.a.für Schwarzkopf, vor interessiertem Fachpublikum. Mit scheinbarer Leichtigkeit entwickelt er unerschöpflich spannende Salonideen, die auffallen. Die gesammelten Auszeichnungen des Friseur Happ Team sprechen für sich. - Fakten:1 Salon in Hall/Tirol, Familienbetrieb | 17 Mitarbeiter | 7 Lehrlinge - Auszeichnungen: KSV und Zeitschrift Gewinn:Bonitätsstärkster Friseur Österreichs; 2005 Salon des Jahres; 2006 Global Salon Business Award Winner, 2009 Top Salon

5 Begriffe die Ihre Unternehmensphilosophie beschreiben!
Motivierte und top ausgebildete Mitarbeiter, exzellentes Kundenservice, definierte Salonabläufe, Marketing- das immer wieder unsere Kunden überrascht, Wirtschaftlichkeit und Management

Welches sind die Stärken ihres Unternehmens?
Ist unsere Salonphilosophie, die von unseren Mitarbeitern (unser größtes Kapital) gelebt wird

Sie sind Gewinner des GLOBAL SALON BUSINESS AWARD und wurden von der Top Hair zum Salon des Jahres gekürt. Was macht Erfolg aus?
Vidal Sasson war der Erste, der ein Haarschneidekonzpet entwickelt und gelebt hat. Wir haben unsere Salonphilosophie, unsere Säulen und unser Unternehmensleitbild. Ich bin fest davon überzeugt, Friseure die in der Zukunft kein Unternehmenskonzpet haben, werden es in der Zukunft schwierig haben, erfolgreich zu sein.

Ein Tipp für die Mitarbeitermotivation?
Einen Mitarbeiter, der an seiner Arbeit keine Freude hat, kann ich nicht motivieren. Aber ich bin verantwortlich dafür, dass einem Mitarbeiter, dem die Arbeit Spaß macht, dieser Spaß erhalten bleibt!

Auf welche Stärken setzen Sie bei Mitarbeitern?
Die Leidenschaft zum Beruf!!!

Zwei Ihrer Mitarbeiterinnen präsentierten bereits eine eigene Frisurenkollektion. Welchen Einfluss haben solche kreativen Ideen auf das Team?
Andere Mitarbeiter werden motiviert, selber eine Friseurenkollektion zu entwickeln bzw. im Salonalltag kreativer zu sein.

Welche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten Sie Ihren Mitarbeitern?
Wir haben einen Salon, hier gibt es nicht so viele Aufstiegsmöglichkeiten. Je besser die Mitarbeiter ausgebildet sind, desto erfolgreicher können wir arbeiten. D.h. wir bieten sehr viele Weiterbildungen an.

Was imponiert Ihnen an Bewerbern?
Die Leidenschaft zum Beruf.

Nach welchen Kriterien werten sie Bewerbungsunterlagen aus?
Bei den Bewerbungsunterlagen haben wir Standards: Wie Lebenslauf, bisheriger Berufsweg etc. Ein wichtiges Kriterium ist für mich das Werkzeug. Ich lasse mir immer sein persönliches Werkzeug, vor allen die Haarschneideschere, zeigen. Die Leidenschaft zu seinem Beruf, sieht man am Werkzeug.

Ihre wichtigsten Fragen im Bewerbungsgespräch?
Das Gefühl.

Vor ein paar Jahren legten Sie die Prüfung zum Unternehmensberater ab. Was hat Sie zu diesem zweiten Standbein bewogen?
Ich war und bin ein sehr aktiver Seminarbesucher. Mich hat gestört, dass uns Branchenfremde immer zeigen wollten, wie unser Business funktioniert. Deshalb ist mein Motto aus der Praxis - für die Praxis.
Was ist das Geheimnis eines erfolgversprechenden Salonkonzepts? Das Geheimnis: Seine Werte und Vorstellungen zu leben. Es gibt für mich bei der Salonphilosophie nicht Richtig oder Falsch. Nur jeder kann für sich entscheiden, was richtig ist.

Sie wurden gerade erst zum Landesinnungsmeister von Tirol gewählt. Was bedeutet Ihnen diese neue Aufgabe?
Die Verantwortung für einen Salon liegt beim Friseurunternehmer, da darf sich niemand irgendwelche Wunder von der Innung erwarten. Was die Innung allerdings leisten muss: Sie muss ein starker Partner sein, sich um die Rahmenbedingungen kümmern und alles unternehmen, dass sich die Tiroler Friseurbranche in der Zukunft bestmöglich entwickeln kann. Ein weites Feld. Eine Aufgabe, die uns reizt.

Welche übergreifenden Wünsche für die Branche haben Sie an Innungen und Industrie?
An die Innung – die Begeisterung des Berufes wieder zu wecken und alles zu unternehmen, dass sich die Branche in der Zukunft gut entwickeln (schaffen von den Rahmenbedingungen) kann. An die Industrie – uns als Geschäftspartner zu sehen.

In Ihrem Salon werden saisonal spannende Marketingmaßnahmen umgesetzt. Wie wird Ihr Team geschult und wie steht es zu den immer wieder wechselnden Themen?
Die Marketing-Ideen kommen von mir (ist mein Geschenk in diesem Leben, dass ich kreativ denken darf) und ich frage dann die Mitarbeiter, wie wir die Ideen verbessern, erweitern, umsetzen, etc. können.

Was imponiert Ihnen an Friseuren und welchen Tipp haben Sie für junge Friseure, die sich für die Eröffnung einen eigenen Salon entscheiden?
Mich imponiert an uns Friseuren, dass wir tagtäglich mit so unterschiedlichen Menschen zu tun haben und mit allen kommunizieren können. Sich für eine Salonphilosophie zu entscheiden, und es mit Leidenschaft und Herz tun.

Was erfüllt Sie in unserer Branche mit Stolz?
Wenn ich tagtäglich sehe, welche tolle Arbeit wir Friseure leisten und dazu beitragen, dass sich Menschen wohler fühlen und dadurch glücklicher werden. Wenn ich an unsere Arbeit denke, wird mir so richtig warm ums Herz. Ich bin so stolz Friseur zu sein. Ich würde so gerne meinen Friseurkollegen. die dieses Gefühl nicht kennen, dieses gute Gefühl schenken. Vorallem den Friseurkollegen, die unsere wertvolle Arbeit unter dem Preis verkaufen. Für mich hat das etwas mit Selbstwertgefühl zu tun. Den Preis was ich für meine Arbeit verlange, sagt über die Wertigkeit meiner Arbeit etwas aus. Es darf doch nicht sein, dass ein Shampoo teurer ist, als unsere wertvolle Arbeit. Wir müssen auf unsere Arbeit stolz sein.

 

April 2010


Interview: Katja Ottiger