Gibt es noch konzeptionelle Lücken im Sortiment, die sie gerne befüllen würden?
HR: Hätten Sie mich vor 12 Jahren gefragt, ob ich ein Öl für Haare vermisse, dann hätte ich gesagt ‚Nein!‘, bis ich Moroccanoil kennengelernt habe. Zum heutigen Stand sind wir komplett. Aber vielleicht begegnet mir auf einer der nächsten Messen ein Produkt, von dem ich sage 'wow, das fehlt uns´.
Wie viele neue Marken verträgt denn der Markt?
HR: Der Markt ist übervoll an neuen Marken und wenn sie nach Bologna auf die Messe gehen, stellen sie fest, dass wir hier gerade mal die Spitze des Eisberges erreicht haben. Ich weiß nicht, wie viele Marken ein Markt verträgt. Fakt ist, dass sich der Markt immer mehr aufsplittet.
Als ich anfing, da gab es 5 starke Marken in Deutschland. Nischenmarken hatten keine Bedeutung.
Was hat sich geändert?
HR: Boutiquemarken werden stärker wahrgenommen. Das gibt Platz für Unternehmen wie uns. Gieseke ist Scout, der die Marken in der Welt findet, die für Friseure interessant sein könnten.
Haben Sie für Boutiquemarken einen eigenen Außendienst?
HR: Für unsere Exklusivmarken Moroccanoil, L’ANZA, Selective, CHI und artègo haben wir eigene Areamanager, die ausschließlich auf diese Marken geschult sind und unseren gesamten Außendienst unterstützen.
Was sind die nächsten strategischen Schritte bei Gieseke?
HR: Wir starten im April mit einer neuen Imagekampagne „Rückenwind für dein Geschäft“ und dann feiern wir in diesem Jahr groß unseren Geburtstag, denn Gieseke wird 40 Jahre alt.
Ansonsten versuchen wir, wie alle, die Herausforderungen so gut wie möglich zu kompensieren, um noch besseren Service bieten zu können.
Da freue ich mich ja auf eine schöne Feier, ich weiß, dass Gieseke gut feiern kann.
HR: (Lacht) Ja, das Feiern ist mit einer der Kernkompetenzen der Firma Gieseke.
Was erfreut Sie aktuell im Markt?
HR: Die Resilienz des Friseurmarktes, die beweist, dass man auf die Friseurdienstleistung nicht verzichten kann. Wir erfüllen ein Grundbedürfnis der Menschen. Das ist ein sehr schöner Aspekt, der uns in schwierigen Zeiten vor Augen geführt wurde.
Was ärgert Sie?
HR: Dass wir in Deutschland und Österreich zusammen 2,9 Mio. Arbeitslose haben und alle meine Kunden, so wie ich auch, krampfhaft Personal suchen und keines finden.
Was wünschen Sie sich?
HR: Dass endlich die Aufwertung der Dienstleistung Friseur stattfindet. Ich hatte gehofft, dass sich mit Corona das Ansehen des Friseurs verändert hat, leider war das aber nur ein kurzes Strohfeuer. Das Friseurhandwerk wird nicht wertgeschätzt. Das sieht man an den aktuellen Preisdiskussionen rund um Friseurdienstleistungen. Viele erwarten noch immer den 12,00 € Haarschnitt in einer halben Stunde, das ist eigentlich eine Frechheit.
Was muss passieren?
HR: Dass endlich ein Umdenken in den Köpfen stattfindet. Ich weiß nicht, ob das aus der Branche heraus stattfinden kann. Wenn wir es schaffen, dass wichtige Persönlichkeiten die elementare Wichtigkeit des Friseurhandwerks herausstellen, dann hätte das eine größere Strahlkraft als jede Imagekampagne.
Herr Rumpfkeil, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute zum Unternehmensgeburtstag