Anzeige

25.11.2011

Sabine Hengstberger: Appell an alle

Für Friseure, die nicht zur Weiterentwicklung bereit sind, hat die Niederösterreicherin und Wella Trainerin kein Verständnis.

Die Salonchefin mit 10 Filialen begann als mobile Friseurin und eröffnete 1998 ihren ersten Salon. Seit über zehn Jahren ist sie freie Trainerin bei Wella Professionals, ist aktiv in der Innung Niederösterreichs und regelt ganz nebenbei den Vertrieb umweltfreundlicher Wegwerf-Handtücher der Marke easydry in Österreich.
 

Fakten


10 Filialen
31 Mitarbeiter | 2 Lehrlinge


Sie haben vor 13 Jahren als mobile Friseurin begonnen und in den letzten 10 Jahren kontinuierlich einen Salon nach dem anderen eröffnet. Worauf stützt sich Ihr Erfolg?
Freude und Spaß an unserem Friseurberuf

Welches sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Weiterbildung und ein gutes Betriebsklima im Team

Sie sind freie Trainerin und Mitarbeiterin bei Wella. Wie sehen die Aus- und Weiterbildungsrichtlinien in Ihren Salons aus?
Ich schule zum Teil meine MA selbst oder ich schicke Sie zu Wella, damit Sie von der Atmosphäre im Studio bzw. von den Trainern bei Salonschulungen einen anderen Blickwinkel bekommen und so wieder neue Motivation haben.
Und das Wichtigste für mich ist – meinen MA Spaß an der Arbeit zu vermitteln.

Auf welche Stärken setzen Sie bei Mitarbeitern?
Das wichtigste in unseren Salons ist, das jeder selbstständig arbeitet! In unseren Salons gibt es keine Salonleiter, da ist jeder MA gleichberechtigt, um so keine Hierarchie aufkommen zu lassen, das führt natürlichen zu einem angenehmeren Betriebsklima bzw. es entsteht untereinander viel mehr Energie im Team und mehr Ideen!

Welche Aufstiegsmöglichkeiten bieten Sie?
Meine MA haben die Möglichkeit als Volanteur bei Wella mitzuarbeiten. Wir veranstalten auch Modeschauen und kleine Events für unsere Kunden, die meistens von mir und meinen MA - im Team gemeinsam - organisiert werden.

Nach welchen Kriterien werten Sie Bewerbungsunterlagen aus?
Bewerbungsunterlagen, ja das ist in der heutigen Zeit so eine Sache. Momentan verlange ich wieder handgeschriebene Unterlagen, da eine Handschrift vieles erzählt!
Für mich ist es wichtig bei einem zukünftigen MA die Form und Ordnung in einer Bewerbung zu sehen. Da bei uns alle MA Telefonanmeldungen entgegennehmen, sollte eine gewisse Ordnung und Lesbarkeit der Handschrift da sein.
Weiters möchte ich auch immer Diplome bzw. eine Auflistung der besuchten Seminare sehen. Da werden wir leider oft enttäuscht, da viele Friseur meinen, nach der Lehrabschlussprüfung sind Sie fertige Friseure und brauchen nichts mehr zu lernen. Leider schade. Ein Appell an alle – bildet euch weiter!

Ihre wichtigsten Fragen im Bewerbungsgespräch?
Haben Sie Spaß und Freude am Beruf?
Möchten Sie Seminare besuchen und sich weiterbilden – auch wenn die Seminare in der Freizeit stattfinden bzw. Sie 1-2 Std. Anfahrtszeit haben?
Können Sie im Team auch Verantwortung übernehmen?

Sie vertreiben in Österreich die umweltfreundlichen Wegwerf-Handtücher der Marke easydry. Was war Ihr persönlicher Indikator für dieses Thema?
Dieses Thema verfolgt mich schon seit meiner Lehrzeit. Ich fand es damals schon sehr schlimm immer im Salon fleckige Handtücher zu haben bzw. manche Kollegen aus unserer Friseurbranche nehmen es mit der Hygiene (frisch gewaschenes Handtuch bei jedem Kunden) nicht so ganz wichtig. (Siehe auch Ausschreibung von der Bundesinnung Friseur aktiv, Ausgabe 03/2011 – Hygiene im Friseursalon!).
Ich hatte es satt für meinen Salon Handtücher zu waschen und sah mich nach einer Alternative um. Ich entdeckte die Handtücher auf einer Messe und testete Sie ein Jahr lang in meinen Salons. Meine MA und Kunden waren anfangs sehr skeptisch, aber nach einigen Infos, sprich Hygiene, Kostenfaktor, Umweltfreundlichkeit (die Handtücher kommen in die Bio-Tonne und verrotten, da sie aus Holz bestehen) und Platzersparnis sind nun alle begeistert. Unsere Kunden kaufen die Hand- bzw. Manikürtücher sogar für zu Hause zum Putzen aus Umweltfreundlichkeit.

Womit wir beim Thema wären: Umweltverträglichkeit. Nachhaltigkeit. Besteht in den heimischen Salon noch viel Aufklärungsbedarf?
Ja finde ich schon.
Jeder Friseur sollte sich einmal die Zeit nehmen und eine Kostenaufstellung für den Aufwand der Handtuchpflege machen: Handtuchanschaffung, Waschmaschine- und Trockneranschaffung, Wartung der Geräte, Strom und Wasser, Waschpulver und Weichspüler, nicht zu vergessen die Mitarbeiterkosten für das Befüllen und Entleeren der Geräte und Zusammenlegen der Handtücher. Man könnte viel Geld sparen und zusätzlich für die Umwelt Gutes tun!!
Aber das Wichtigste ist Hygiene für unsere Kunden und weniger Arbeit für uns Friseure! Es gibt Wichtigeres im Salon zu tun als Handtücher zu waschen, sei es für die Chefs oder die Mitarbeiter und Lehrlinge.
Nachhaltigkeit gehört für mich auch zum Thema Mitarbeiter und Weiterbildung!

Wie setzen Sie Nachhaltigkeit in Ihren Salons um?
Regelmäßige Seminare und hygienisches Arbeiten.
Mitarbeiter sollen sich die Seminare auch selbst aussuchen um einfach dort jeden zu fördern, wo er selbst Spaß und Interesse zeigt.

Ihr Arbeitspensum klingt nach einem 24h–Job. Wie schaffen Sie Ihre persönliche „Work- / Life-Balance“?
Ich liebe und lebe meinen Beruf. Habe täglich Spaß an der Arbeit und bin glücklich mit meinen Mitarbeitern gemeinsam einen großen und glücklichen Kundenstamm zu haben.

Wünsche an die Branche?
LIEBE FRISEURE: Habt Spaß an der Arbeit und Weiterbildung, denn das ist meiner Meinung nach das Wichtigste an unserem Job.

AN DIE UNTERNEHMER, die Lehrlinge ausbilden: Wenn Ihr ausbildet, dann bitte gute Lehrlinge (die nicht nur putzen können)! Ich weiß, es ist derzeit äußerst schwierig gute Lehrlinge zu finden bzw. auch gutes Personal. Wir werden in den nächsten Jahren meiner Meinung nach einen Personalengpass haben und wir werden eine aussterbende Spezies sein. Was zur Folge hat, dass die Löhne der MA und auch die Preise der Friseurdienstleistung steigen werden.
Ermöglicht euren MA Seminare, motiviert Sie zur Weiterbildung. Wir haben so einen schönen vielseitigen Beruf, der einfach gelebt gehört.

Ja, auch MEIN WUNSCH AN DIE INDUSTRIE ist sehr, sehr groß! Mein Wunsch ist es, sich für das kleine Land Österreich mehr einzusetzen. Sei es beim Thema Weiterbildung oder zum Thema Betreuung der kleineren Friseure. Oder wie es bereits in Deutschland der Fall ist, auch beim Thema Lehrlinge.

Einfach unseren Friseurberuf wieder in das richtige Licht zu rücken und das Image des Friseurberufes zu stärken!

 

Dezember 2011

Interview:Katja Ottiger