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Credit: Zur Verfügung gestellt von Hohenauer.com

29.06.2012

Horst Hohenauer: mehr Lebensqualität durch Mehrarbeit

Nach 6 Jahren als Salonleiter und Ideenentwickler im mütterlichen Salon hat sich der spätberufene Friseur und Goldwell-Fachtrainer 1993 mit eigenem Salon- und Schulungskonzept selbsständig gemacht. Mittlerweile umfasst das Unternehmen "Team Hohenauer" mehrere Salons, Kosmetikstudios, die junge Salonlinie "Hairline" und das Schulungszentrum "Style Academie". [i]Fakten:[/i] 60 Mitarbeiter | 20 Lehrlinge | 8 Filialen - Mode Haircules 2008 - Nominierung Austrian Hairdressing Award Damen West 2007

Mit 24 Jahren waren Sie beruflicher Späteinsteiger. Was haben Sie vorher gemacht und wie sind Sie auf den „Geschmack“ gekommen Friseur zu werden?
Mit 10 Jahren wusste ich genau, was ich werden wollte: Brückenbauer! Ich bin dann auf die auf die HTL gegangen, hab mich beim Hochbau angemeldet, um später festzustellen, dass die Brücken eigentlich zum Tiefbau gehören… Dann habe ich Maschinenschlosser gelernt, später ein Jahr bei der Züricher Versicherung gearbeitet. Friseur zu werden war für mich nie ein Thema, obwohl meine Mutter Friseurin war und ein eigenes Geschäft hatte. Als ich einmal im Spaß zu ihr sagte: Vielleicht hätte ich doch Friseur werden sollen, machte sie sich ohne meines Wissen kundig, wie man das mit 24 Jahren noch werden kann, und legte mir überraschend die Fakten auf den Tisch gelegt: 2. Bildungsweg, alles selbstständig lernen und danach die Prüfung ablegen. Ich fragte mich, was will ich: Ich will in Zukunft mit Menschen arbeiten… Mode interessiert mich… warum also nicht Frisurenmode machen? Ein Jahr später hab ich begonnen, Friseur zu werden.

Und später Salonunternehmer und Seminaranbieter…
Von Anfang an war mir klar, dass ich als Friseur weiterkommen möchte. Nach einem Jahr hatte ich eine Salonidee und meine Mutter war davon begeistert. Sie hat mir freie Hand gelassen und mich unterstützt. So konnten wir einen neuen Salon eröffnen, das „Hit Hair Studio“, der sehr erfolgreich lief. Nach 6 Jahren war es dann endlich an der Zeit die Gesellenprüfung und die Meisterprüfung zu machen.
Und dann hat Lutz Leufen über Goldwell ein Franchise Konzept für Schulungen angeboten. Ich hab zu dem Zeitpunkt mit Goldwell zusammengearbeitet. Ich hab das als Chance gesehen und gewusst, dass ich das jetzt machen muss.

Mittlerweile bieten Sie mit Ihrer „Style Academy“ Salonschulungen an, seit mehreren Jahren auch als Partner von Wella. Immer mehr Salonunternehmer, teils sehr junge, möchten in eigenen Akademien am „Seminarkuchen“ mit „naschen“. Warum tut man sich das heute noch an?
Eine gute Frage! Mein erstes Seminar hatte ich nach 3 Monaten in der Ausbildung. Meine Mutter schickte mich auf ein 3-Tagesseminar ins Wella-Studio nach Wien. Erst im Zug fiel mir auf, dass es sich um ein Topstylisten-Seminar mit Lutz Leufen und Kurt Hämmerle handelte, dabei konnte ich noch nicht einmal die Schere richtig halten.
Aber das Seminar hat mir extrem getaugt und für mich war klar: Ich will auch mal Seminare machen. Das hatte zwei Gründe: Zum einem ist es gut fürs Image. Als Friseur, als Mann, hast du jetzt nicht das Mega-Image. Und zweitens, wenn ich dann ein gutes Image habe, werd ich schließlich auch die besseren Mitarbeiter bekommen!

Thema Mitarbeiter: Wie viel Weiterbildung bieten Sie ihnen übers Jahr?
Jede Woche werden zwischen 4-6 Mitarbeitern von verschieden Salons zusammengenommen und geschult, d.h., im Jahr kommt jeder Einzelne auf ca. 5-6 Schulungen.

Haben Sie Mitarbeiter, die im Schulungsbetrieb mitarbeiten?
Ich habe 4-5 interne Trainer, die abwechselnd die Schulungen für die Mitarbeiter machen. Und wir haben eine Mitarbeiterin, die speziell für die Lehrlingsausbildung zuständig ist.

Auf welche Stärken setzen Sie bei Mitarbeitern?
Am Wichtigsten in der Dienstleistung am Kunden sind die zwischenmenschliche Beziehung und beste Beratung. Gute Kommunikation und Ausstrahlung sind das um und auf.
Von der Qualität her kann ich heute eine Friseurin relativ schnell gut aufstellen, denn alle neuen Mitarbeiter werden bei uns zu Beginn ausführlich eingeschult, aber wenn jemand ein Problem mit Freundlichkeit hat…

Sie beschäftigen einen eigenen Buchhalter. Inwiefern bereichert dieser zusätzliche Vollzeit-Mitarbeiter Ihr Unternehmen?
Für mich sah ich in ihm die Chance, mich zu entlasten. Er war bei mir bereits während seines Wirtschaftsstudiums geringfügig angestellt, zu dem Zeitpunkt hatte ich 5 Geschäfte. Aber er wollte gerne bleiben. Also hab ich überlegt, wie ich mir einen Akademiker leisten kann. Ich hab 15 Jahre lang sehr viel gearbeitet, die Geschäfte aufgebaut, Seminare ausgearbeitet, abends bis 22:00 und auch an den Wochenenden gearbeitet. Meine Familie hat nicht viel von mir gehabt.
Da stellte sich dann die Frage: Soll ich mich verkleinern oder vergrößern? Unter diesem Gesichtspunkt hab ich 3 neue Geschäfte dazu genommen. Solch einen Mitarbeiter zu haben funktioniert eben erst ab einer bestimmten Größe. Ich habe durch ihn zusätzliche Unterstützung in der Buchhaltung und Kostenoptimierung, bei Mitarbeitergesprächen und in der Filialbetreuung. Er ist meine rechte Hand und hatte als Visionär schon Ideen, die wir gemeinsam umsetzen konnten.

Was ist Ihre Unternehmensphilosophie?
Im Vordergrund steht die Qualität. Das ist unsere Basis und unser Image. Alle Mitarbeiter arbeiten einheitlich nach unserem eigenen Farb- und Schneidekonzept und nach denselben Abläufen.
Im Mittelpunkt steht der Kunde. Der Kunde zahlt die Löhne, das wissen die Mitarbeiter.

Sie bieten in Ihren Salons die geometrische Gesichtsanalyse am Computer an. Das klingt auf den ersten Blick sehr technisch. Erzählen Sie uns davon. Wie nehmen Ihre KundInnen dieses Service an?
Die geometrische Gesichtsvermessung kann nicht nur mit dem Computer gemacht werden. Es gibt ja keine 2 gleichen Gesichtshälften. An und für sich ist das alles nicht ganz neu, bereits die Ägypter, rasierten Haaransätze und schminkten sich, um so mehr Symmetrie zu schaffen und wussten über die Lehre der Symmetrie Bescheid. Genauso Leonardo da Vinci. Als er die Mona Lisa malte, arbeitete er nach den Erkenntnissen der Geometerie.
Durch die genaue Analyse bzw. Vermessung der jeweiligen Kunden können wir maßgeschneidert die zum Typ passende Frisur vorschlagen. Wir gleichen mit der „Geometrischen Typberatung“ Asymmetrien aus und tragen so mit unserer Arbeit zum Wohlbefinden unserer Kunden bei. Schließlich geht es um den optimalen ersten Eindruck.
Wir bieten in unserer Style Academy auch Seminare zur Ausbildung zum Schönheitsberater an, wo die Geometrische Typberatung geschult und trainiert wird.

Sie zeichnen mitverantwortlich für die aktuelle Frisurenkollektion der Innung, welche auf der Austria Hair erstmals präsentiert wurde. Was nützt es Ihnen im österreichischen Modeteam dabei zu sein und wie nutzen Sie das für die Kundenansprache?
Ich habe Interviews und PR Einschaltungen in der lokalen Presse gehabt. In der Kundenansprache wurde es sehr wenig kommuniziert. Ist wohl eine meiner Schwächen.

Was können wir alle tun, um dem Berufsbild des Friseurs in Österreich mehr Ansehen und Gewicht verleihen zu können?
Ich denke es muss jeder für sich seine Hausaufgaben erledigen. Schöne saubere Salons, gestylte Mitarbeiter, professionelles Auftreten gegenüber dem Kunden, professionelle Ausdrücke verwenden, ständig weiterbilden !!!!!! Wenn ein Sportler aufhört zu trainieren, wird er sehr schnell keine Topleistungen mehr bringen können. Wir können uns nur durch ständige Weiterbildung fit halten.

Juli 2012

Interview:Katja Ottiger