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02.04.2012

Friseurweltmeisterin Gudrun Leitner

Sie ist Friseurin und Unternehmerin in dritter Generation. Sie sammelte im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Titel im Preisfrisieren, wurde mit gerade mal 21 Jahren Weltmeisterin im Team und war über 13 Jahre Topakteurin für Goldwell. Nach einer privaten Pause stand sie jüngst wieder im Rampenlicht als Botschafterin der österreichischen Frisurenkollektion. [i] Auszeichnungen:[/i]- Weltmeisterin - Landes-, Bundes- und Staatsmeisterin - Grand Prix Siegerin - Jugend-Europameisterin

Du stehst seit vielen Jahren als Akteurin auf der Bühne und präsentierst die Trends, aktuell die österreichische Frisurenmode der Innung. Was ist dein Erfolgsrezept?
Vielleicht sind es die Gene über mehrere Generationen? Auf alle Fälle aber sind es die Liebe zum Beruf, Fleiß und Einsatz.

War deine genetische Vorbelastung der Grund für deine Berufswahl?
Nein. Mit 13, 14 Jahren wollte ich eigentlich Jus studieren. Aber das hat meine Eltern nicht so gefreut. Der Plan war, dass ich später das Geschäft übernehme. Meine Mutter hat dann angefangen, mich mit auf Modeveranstaltungen zu nehmen und mich dafür zu begeistern. Schließlich hab ich mir gesagt: ok, aber wenn ich Friseurin werde, dann aber auch Weltmeisterin!

Wie bist du auf die Bühne gekommen?
Bei der Preisverleihung der Weltmeisterschaft 1990 in Rotterdam ist Goldwell auf unser Team zugekommen und fragte, ob wir für Goldwell arbeiten möchten? Wir sind dann mal ein Jahr lang gemeinsam unterwegs gewesen und danach haben wir Einzelverträge bekommen. Ich hab mich bei Goldwell immer sehr wohl gefühlt und bin bis 2003 dabei geblieben. In der Zeit, in der es eigentlich am schönsten war, hab ich mich freiwillig zurückgezogen. Wenn du 25 Shows hast im Jahr, dann heißt das Shows an 25 Wochenenden. Die anderen 25 Wochenenden brauchst du zum Vorbereiten der Shows. Also Privatleben ist da gleich Null. Da muss man irgendwann mal erkennen, was ist mir wichtig, wer bin ich, definier ich mich nur über die Bühne oder gibt’s mich als Mensch eigentlich auch noch? Also hab ich mich ohne Wehmut zurückgezogen, mich wieder mehr auf meine Arbeit als Friseurin und Unternehmerin und auf mein Privatleben konzentriert. Und jetzt hab ich einen 2-jährigen Sohn, der herumläuft.

Gemeinsam mit Horst Hohenauer, Alexander Moser, Norbert Grabnegger und Peter Schaider jun. zeichnest du für die Entstehung der österreichischen Frisurenkollektion 2011 und 2012 mitverantwortlich. Wie kam´s dazu?
Im letzten Jahr kam ein Anruf von Peter Schaider. Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte bei der österreichischen Frisurenkollektion mitwirken zu wollen. Es hat mich natürlich sehr gefreut, und auch, dass er jemanden aus der „Provinz“ gefragt hat, dass er eben gern auch eine Frau im Team dabei haben wollte. Und als Patriotin hab ich das natürlich gerne gemacht.

Wie war die Zusammenarbeit mit den doch recht unterschiedlichen Kollegen?
Die war insofern sehr angenehm, weil jeder wirklich ein Profi ist und jeder weiß, was er tut. Wichtig war der Innung dabei, dass ein breiter Mix zustande kommt. Jeder von uns konnte sein persönliches Feeling hineinbringen und dadurch ist ein schöner Querschnitt durch die Mode entstanden.
Mit der Kollektion möchten wir uns als Friseure so positionieren, dass der Kunde merkt, wir haben das Know-how. Wir können umsetzen und realisieren.

Was glaubst du, warum wir auf den heimischen Bühnen immer so viele männliche Akteure zu sehen bekommen?
Ich denke, der Grund ist immer noch dieser, dass wir Frauen einfach von der Biologie her die Kinder bekommen, und deshalb eine zeitlang still gelegt sind. Die Männer sind nicht schwanger und machen keine Babypause. Sie können ihre Arbeit durchziehen und haben keinen Knick dazwischen. Und nach diesen Pausen dann wieder Fuß zu fassen, ist nicht so einfach.

Wie motivierst du den Lehrlingsnachwuchs in deinem Salon fürs Lehrlingsfrisieren?
Das ist nicht schwierig. Die jungen Leute sind doch motiviert. Sie lernen ja Friseurin, weil sie etwas tun wollen. Sie wollen ja nicht nur Haare waschen und Boden fegen. Sie wollen ja Haare machen und das geht am besten wenn sie früh mit Haare machen beginnen, sprich, sich ihre Lorbeeren beim Preisfrisieren verdienen. Die Lehrlingswettbewerbe heutzutage sind eh so angenehm, sie haben ja nichts mehr mit Preisfrisieren zu tun. Da werden tragbare Frisuren verlangt. Und es macht den Lehrlingen dann auch Spaß, damit zu arbeiten. Außerdem, der Erfolg gibt uns recht: Wenn wir mittun, dann haben wir auch immer Stockerlplätze, wenn nicht sogar wirklich Siegerinnen und das motiviert natürlich auch das nachfolgende Jahr daran wieder anzuknüpfen.

Und dass die Chefin den Weltmeistertitel inne hat, motiviert natürlich auch?
Ja, das sicherlich auch.

Inwiefern können sie dabei auf deine Hilfe zählen?
Sie brauchen natürlich Unterstützung. Sie wissen ja nicht, wie es abläuft beim Lehrlingswettbewerb. Sie müssen trainieren, das Outfit muss stimmen, das Make-up muss passen.

Wie viel Training braucht es?
Wir beginnen etwa 4 Wochen vor dem Bewerb, trainieren dann 2-3x in der Woche. Jeder trainiert, wenn er die Zeit dazu findet, bzw. auch mal abends. Wenn Sie meine Hilfe brauchen, dann geht das in den meisten Fällen eben erst am Abend, aber das ist für beide Seiten kein Problem.

Die Liste deiner persönlichen Erfolge ist lang. Glaubst du, dass diese Titel auch
ein Auswahlkriterium bei der Lehrstellensuche sind?

Bestimmt sogar. Allerdings entsteht manchmal vielleicht auch etwas Schwellenangst. Ich hatte vor einigen Jahren mal in einem Zeitungsinserat geschaltet, dass ich eine Stylistin suche. Ich habe nichts von mir dazu geschrieben, keine Telefonnummer, keine Salonnamen. Sie hat sich dann bei mir beworben und wir sind uns einig gewesen. Später hat sie mir dann gesagt, hätte sie gewusst, wer ich bin, hätte sie sich nicht beworben, weil sie geglaubt hätte, dass sie nicht gut genug wäre. Es kann also auch ein Hindernis sein. Aber grundsätzlich ist es schon ein Vorteil.

Dein härtestes Training?
Ein Jahr Schlafentzug (Babypause).

Welcher Friseur hat dich inspiriert?
Trevor Sorbie.

Dein pinkfarbenes Haar ist dein Markenzeichen. Wer macht dir eigentlich die Haare?
Meine Mutter am Wochenende, die Strähnen mach ich mir immer selbst.

Wie findest du als Friseurin und Unternehmerin, Bühnenakteurin und Mutter deine persönliche Worklife- Balance?
Ich schaff´s einfach.

Wünsche an die Branche?
Das Image der Friseure könnte noch besser werden, obwohl es in den letzten Jahren schon etwas besser geworden ist. In der Schule ist es eben leider immer noch so, dass man hört: Naja, dann wirst du eben Friseurin, oder dass man Leute mit Mitte 20 trifft, die einem sagen, dass sie eigentlich gern Friseur geworden wären, aber die Eltern meinten, sie sollen doch einen richtigen Beruf machen. Wenn junge Leute den Drang haben Friseur zu werden, dann hören sie leider eben immer noch zu oft solche Argumente.

April 2012


Interview:Katja Ottiger