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02.04.2012

Erika Rainer: Lehrlinge verdienen mehr Wertschätzung!

Seit beinahe 25 Jahren ist Erika Rainer Salonunternehmerin und Lehrlingsausbilderin in Attnang-Puchheim. Mit ihrem persönlichen Engagement fördert und prägt sie seitdem den Branchenachwuchs, ob als Vorsitzende bei den Lehrabschlußprüfungen im WIFI und Vorsitzende bei den Meisterprüfungen, ob als aktives Mitglied im Innungs- und Lehrlingsausschuss oder als Vortragende für die Lehrabschlußprüfungen in der Berufsschule Wels. Für ihren Einsatz bei der Ausbildung und Förderung von Lehrlingen wurde sie 2008 mit dem "Haircules“ ausgezeichnet. [i]Fakten:[/i] - 11 Mitarbeiter | 3 Lehrlinge - 1 Filiale

Momentan laufen wieder die Lehrlingswettbewerbe in den einzelnen Bundesländern. Sie sind als Salonunternehmerin und Lehrlingsausbilderin sehr aktiv in dieser Causa, trainieren alljährlich mit Ihren Lehrlingen, investieren viel Zeit und Geld. Was macht den Reiz für Sie aus?
Erfolgreich zu sein, Spaß daran zu haben die Lehrlinge zu motivieren.
Gut ausgebildete Lehrlinge sind die Friseure der Zukunft.

Nicht wenige Ihrer Lehrlinge haben bereits Preise gewonnen. Wie motivieren Sie diese?
Durch Freude am tun.

Wie laufen die Vorbereitungen für die einzelnen Bewerbe ab? Was investieren Sie?
Jeder Bewerb erfordert ein bestimmtes Training. Normalerweise trainieren wir immer unter der Arbeitszeit. Sollte es mal nicht anders gehen und es für beide Seiten kein Problem sein, dann auch mal nach Geschäftsschluss. Man muss sich für die Lehrlinge ausreichend Zeit nehmen und ihnen die Zeit geben, die sie brauchen. Und sie benötigen Produkte, die man kostenlos zur Verfügung stellt.

Was erwarten Sie im Gegenzug vom Lehrling?
Gute Leistungen und Begeisterung für die Arbeit, die sie machen.

Was imponiert Ihnen an Lehrlingen, die an Bewerben teilnehmen?
Einfach dabei sein zu wollen und die Begeisterung in ihren Gesichtern, wenn sie erfolgreich sind.

Böse Zungen behaupten, dass es für eine Preisfrisur keinen guten Friseur braucht, sondern nur ein langes Training. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?
Jeder kann für dich selbst entscheiden, ob er an solch einem Wettbewerb teilnehmen möchte oder nicht. Natürlich erfordert so ein Bewerb viel Training. Der eine trainiert 4 Wochen dafür, der andere 6 Wochen oder länger. Trotz alledem gehören aber auch handwerkliche Fähigkeiten und Fingerfertigkeit, Kreativität und Selbstbewusstsein dazu.

Finden die Lehrlingswettbewerbe ausreichend Beachtung in der Branche?
Leider viel zu wenig! Bei Lehrlingswettbewerben heißt es oft, da gewinnen doch eh immer nur dieselben und das kostet viel Zeit. Lehrlinge verdienen überhaupt viel mehr Wertschätzung, nicht nur auf die Bewerbe ausgerichtet, sondern ganz allgemein.

Womit wir beim Thema Motivation und Branchenachwuchs wären. Wie könnte denn die Begeisterung in der Jugend für einen doch recht krisensicheren Job in der Friseurbranche geweckt werden?
Wir müssen das Berufsbild aufwerten, bessere Aufstiegschancen ermöglichen. Und wir müssen unbedingt die Lehrlingsentschädigung anheben!

Haben Sie das Gefühl, dass sich die Arbeit mit den Lehrlingen in den letzten Jahren verändert hat?
Ja, auf jeden Fall. Die Lernbereitschaft hat nachgelassen, oft fehlt es an Hausverstand. Vieles wird als Selbstverständlichkeit angesehen und es mangelt leider viel zu oft auch an Respekt vor Mitarbeitern und Lehrausbildern.

Welches sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Gute Ausbildung und fachlich gut und regelmäßig geschulte Mitarbeiter.

Nach welchen Kriterien werten Sie Bewerbungsunterlagen aus?
- Auftreten
- Selbstbewusstsein
- Kreativität
- Lernbereitschaft

Ihre wichtigsten Fragen im Bewerbungsgespräch?
Warum möchten Sie in diesen Beruf arbeiten?
Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?
Was bewegt Sie in unserem Betrieb zu arbeiten?

Wünsche an die Branche?
Wir müssen das Image heben! Und das, indem wir die Lehrlingsentschädigung anheben und die Qualität die wir unseren Kunden entgegen bringen.


April 2012


Interview:Katja Ottiger