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19.03.2026

"Und plötzlich waren wir Chefinnen!"

Carolina Wachs und Lillian Preiß sind seit Kurzem Mitinhaber im Frankfurter Szenesalon WWZ. Welche Vorbereitungen man braucht, mit welchen Gefühlen man kämpft und auf was zu achten ist, wenn man in die Selbstständigkeit geht …

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Raphaela Kirschnick im Gespräch mit Carolina Wachs & Lillian Preiß, Teilinhaberinnen bei WWZ Friseure in Frankfurt.

Sie sind mit jeweils 10 % in den Frankfurter Salon WWZ eingestiegen. Wie fühlt es sich an, plötzlich Mitinhaberin zu sein?
Lillian Preiß: Sehr gut – und vor allem stärkend. Es bestätigt mich in dem, was ich tue. Für mich ist es einfach der nächste Schritt.
Carolina Wachs: Bei mir ist es natürlich auch familiär geprägt und war immer das Ziel, auf das ich hingearbeitet habe. Aber diesen Schritt dann wirklich zu gehen, fühlt sich richtig gut an.

Wann wurde aus dem Gedanken „Vielleicht irgendwann“ ein konkretes „Jetzt unterschreiben wir“?
CW: Das ging überraschend schnell. Es gab ein bisschen Druck unserer Steuerberaterin, die meinte, zum Jahreswechsel ist es sinnvoller, da war es Herbst und am 19. Dezember lag der Vertrag da. Unterzeichnet haben wir dann wirklich „zwischen Tür und Angel“, mein Vater hat das sogar gefilmt und Fotos gemacht. Plötzlich war es Realität.

Wie lange hat der Entscheidungsprozess insgesamt gedauert?
LP: Wir kennen uns schon sehr lange, weil wir früher gemeinsam gearbeitet haben. In der Corona-Zeit trafen wir uns, um so eine Zusammenarbeit mal abzuklopfen und haben beschlossen: Wir funktionieren zusammen. Dann habe ich meine Meisterschule abgeschlossen und ab da wurde es konkreter.
CW: Als Lillian dann zu WWZ wechselte haben wir noch eineinhalb Jahre darüber gesprochen, bevor es offiziell wurde.

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Carolina Wachs

Credit: WWZ Friseure, Frankfurt

Mit welchen Emotionen geht man in so eine Übernahme – was war bei Ihnen am stärksten?
CW: Am meisten beschäftigte mich die Frage: Wie kommt das im Team an? Wie ist es, wenn man vom Teammitglied plötzlich in die Chefrolle rutscht?
Wir haben uns deshalb entschieden, es erst mal drei Monate nicht zu erzählen. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern um zu zeigen: ‚Es ändert sich nichts Grundsätzliches. Wir sind weiterhin Teil des Teams und wir lernen selbst Schritt für Schritt.‘ Als wir dann gesagt haben „Übrigens: Ihr habt es nicht gemerkt, aber wir sind Mitinhaberinnen“, war es für alle leichter, den Wechsel zu greifen.

Klar kommunizieren, Persönliches und Arbeit trennen, dann funktioniert es.

Gab es negative Reaktionen oder schwierige Momente?
LP: Wir hatten vorher wirklich Angst. Im Nachhinein war dies völlig unberechtigt. Es wurde einfach akzeptiert, ich denke, das hat auch mit Autorität zu tun. Wenn man eine gewisse Autorität mitbringt und bereit ist, die Führungsrolle anzunehmen, folgt der Rest.
CW:  Es gab keine Reibereien. Natürlich gibt es Situationen wie Mitarbeitergespräche, wo Freundschaft und Job zusammentreffen, das muss man sauber trennen. Ich habe eine enge Freundin im Team und wir haben ganz offen darüber gesprochen. Dazu muss man klar kommunizieren, Persönliches und Arbeit trennen, dann funktioniert es.

Was ist Ihr wichtigster Tipp für junge Menschen, die in so eine Rolle hineinwachsen?
CW: Ehrlich sein, im Team und im direkten Gegenüber. Und selbst klar unterscheiden: Das ist Privat, das ist Geschäft.

Neben Stolz: Gab es auch Ängste?
LP: Selbstständigkeit ist ein riesiger Schritt. Und natürlich macht es stolz, wenn Eltern, Freunde und Umfeld das feiern. Gleichzeitig habe ich Respekt vor Aufgaben, die ich heute vielleicht noch gar nicht sehe, die aber über die Jahre kommen. Wir sind aktuell zu fünft in der Führung, und irgendwann werden Verantwortungen weiterwandern. Da denke ich schon: Kriege ich das hin, wenn andere nicht mehr da sind?

Bauchschmerzen bereiten mir Themen, die weit in die Zukunft reichen… Absicherung, Rentenfragen…

CW: Mich beschäftigten private Themen: Absicherung, Rentenfragen, langfristige Planung. Das macht mir Bauchschmerzen, weil es so weit in die Zukunft reicht. Ich habe bewusst erst mal ein Jahr geschaut: Was bleibt unterm Strich übrig, welche Abgaben kommen, wie läuft das steuerlich? Und erst danach setzt man sich ernsthaft damit auseinander, was man wie anlegt.

Gerade für selbstständige Frauen ist Absicherung ein großes Thema – Stichwort Mutterschutz, Karenz, Rücklagen.
CW: Genau. Das sind Themen, die die Männer vor uns so nicht hatten. Wir haben das angesprochen, und da kam zuerst eher ein „Dann schauen wir, wenn’s so weit ist“. Aber für uns ging das gar nicht, denn das muss man vorher sauber durchdenken.

Oft hört man: „Die junge Generation will keine Verantwortung mehr.“ Wie erleben Sie das?
CW: Ich sehe im Umfeld schon viele, die eher den Familienweg wählen und nicht den nächsten Karriereschritt. Aus meiner Perspektive stimmt das teilweise.
LP: Ich finde es schwierig, das zu pauschalisieren. Es hängt extrem davon ab, wie man aufwächst und was für ein Typ man ist. Verantwortung beginnt bei uns im Friseurberuf sehr früh: Du bist täglich verantwortlich für das, was du an jedem einzelnen Menschen tust.

Spüren Sie Erwartungen oder Druck von den drei bisherigen Inhabern?
CW: Druck nicht. Wir werden gut herangeführt. Die Herausforderung ist eher: Dinge passieren im Alltag oft schnell nebenbei. Dann wird etwas unabsichtlich erledigt, ohne uns mitzunehmen. Für uns wäre es hilfreich, öfter im Moment dabei zu sein: „Schau, so beantworten wir den Brief“ oder „so wird das abgelegt“.
LP: Wir haben wöchentliche Meetings und diskutieren alles zu fünft. Es gibt keinen Druck, aber natürlich die Erwartung, dass wir uns einbringen. Und das tun wir.

Was hat Sie an Chefaufgaben überrascht?
LP: Dinge, die plötzlich wieder aufpoppen. Zum Beispiel Corona-Rückzahlungen – man denkt, das Thema ist vorbei, und dann hängt ein kompletter Rattenschwanz dran.
CW: Personalthemen und die rechtlichen Absicherungen. Wir sind da oft mit einem Anwalt im Austausch. Ich war überrascht, wie viel Absicherung man als Arbeitgeber braucht und wie komplex das ist. Als Angestellte denkt man oft „Warum machen die das nicht einfach so?“ – als Unternehmerin versteht man dann, warum.

AVEDA, unsere Brand, unterstützt uns als Nachfolgerinnen sehr…

Wie bereiten Sie sich fachlich auf Unternehmerinnentum vor?
CW: Wir suchen gerade Seminare und sind im engen Austausch mit AVEDA, unserer Brand, die uns sehr als Nachfolgerinnen unterstützt. Es gibt viele Business Angebote, aber man muss die passenden Inhalte finden. Und klar: Die Erfahrung im Haus spielt eine große Rolle.

Es ist gut zu wissen, dass man jemanden hat, bei dem man kurz anklopfen kann.

Gibt es MentorInnen?
Lillian Preiß: Für mich sind es die drei Herren im Haus und mein Vater als Sparringspartner, auch wenn er nicht selbstständig war, so hat er als Geschäftsführer ähnliche Erfahrung gesammelt.
CW: Ich habe eine Tante, die selbstständig ist. Mit ihr habe ich viel gesprochen, gerade aus Frauensicht. Sie hat mir ganz ehrlich gesagt: Bestimmte Ängste bleiben! Aber es ist gut zu wissen, dass man jemanden hat, bei dem man kurz anklopfen kann.

Finanzierung ist für viele der größte Brocken. Wie sind Sie das angegangen?
CW: Ich bin in der Situation, dass ein Teil übers Erbe abgedeckt ist. Beim Rest kann ich in einem Jahr mehr sagen.
LP: Es gibt im Handwerk gute Förderungen, gerade für Erstgründungen. Ich habe davon rund um meine Meisterzeit viel in Erfahrung bringen können. Und ich habe früh begonnen zu sparen. Corona war für mich ein Wake-up-Call: Wenn man plötzlich weniger Einkommen hat, merkst du, wie schnell es eng werden kann. Seitdem habe ich konsequent Rücklagen aufgebaut. Den Rest löst man über einen Kredit.

Welche zusätzlichen Absicherungen haben Sie getroffen?
CW: Vor allem für den Krankheitsfall habe ich mich abgesichert. Ein Teil ist über den Firmenvertrag abgedeckt, den Rest haben wir über Versicherung geregelt. Zusätzliche Berufsunfähigkeitslösungen haben wir aktuell nicht.

Man muss sich festlegen, nicht nur beruflich, sondern auch räumlich und privat.

Was war der schwierigste Teil an der Übernahme?
LP: Die Emotionen, sich festzulegen, nicht nur beruflich, sondern auch räumlich und privat. Man versucht, Arbeit und Leben zu trennen, aber am Ende ist das Teil deines Lebens und das ist auch gut so.
CW: Ich gehe davon aus, dass das hier in Frankfurt meine Zukunft liegt, sonst könnte ich nicht mit voller Überzeugung reingehen. Und diese Festlegung ist als junger Mensch ein großer Schritt. Dazu kommen viele Entscheidungen, die man vorher nie treffen musste.

Themen wie Arbeitszeitmodelle … Da müssen wir offener werden und wir haben Lust darauf.

WWZ ist seit Jahrzehnten geprägt von Aveda, Sassoon-Schule, Qualität und Ästhetik. Was bleibt und was entwickelt sich?
LP: Das Fundament bleibt, daran rütteln wir nicht.
CW: Qualität und Haltung bleiben genauso. Aber es gibt viel Entwicklungspotenzial, gerade bei Themen wie Arbeitszeitmodellen und modernen Erwartungen. Da müssen wir offener werden und wir haben Lust darauf.

Was wünschen Team und junge Generation heute konkret?
LP: Flexibilität, vor allem in den Arbeitszeiten! Dieses klassische „Nine to Five“ will niemand mehr. Ein freier Vormittag für Sport, Arzttermine, etc., das wäre für viele ein Gewinn. Natürlich gibt es die Terminkrux im Salon. Aber der Wunsch ist klar und wir freuen uns schon neue Lösungen zu finden.
CW: Gleichzeitig muss es wirtschaftlich funktionieren. Es muss die Waage halten: Was ist möglich, ohne dass das Modell kippt? Und wir müssen offen sein, weil Mitarbeitergewinnung in Zukunft sonst noch schwieriger wird.

Sie haben sehr viele Auszubildende (7). Welche Bedeutung steckt für Sie in der Ausbildung?
CW: Über Auszubildende können wir Menschen von Anfang an an unsere Qualität, unsere Philosophie und unsere Arbeitsweise heranführen. Quereinsteiger oder Menschen aus anderen Salons tun sich oft schwer zu verstehen, warum wir so arbeiten. Die Azubis sind außerdem ein wichtiger Teil im Alltag: Sie ermöglichen Abläufe und damit auch uns Zeit am Kunden.

Lillian Preiss

Credit: WWZ Friseure, Frankfurt

Was verändert sich, wenn zu drei Männern zwei junge Frauen in die Führung kommen?
LP: Ganz klar die Kommunikation. Man merkt sofort, wie sich die Gesprächskultur verändert, wenn Frauen dabei sind. Und es gibt oft mehr Empathie und Grundverständnis für Themen, die in einem überwiegend weiblichen Team eben real sind.
CW: Aber es ist nicht nur „weich“. Die Mischung ist entscheidend. Nur Verständnis reicht nicht, manchmal braucht es auch klare Kante. Genau diese Kombination stärkt uns aktuell.

Frauen wird oft nachgesagt, sie würden sich bei Preisen schwerer tun. Wie ist das bei Ihnen?
LP: Ich erlebe eher das Gegenteil: Ich bin schnell bei „Wir müssen die Preise entwickeln“. Wenn gebremst wird, hat das bei uns mehr mit Erfahrung zu tun als mit Geschlecht.
CW: Wir sprechen darüber, wägen ab, aber das ist kein Frauenthema. Eher sind wir manchmal impulsiv und lernen gerade, Dinge erstmal sacken zu lassen.

Sie kommen beide aus Umfeldern, in denen Verantwortung und Leistung präsent sind. Was möchten Sie bewusst anders machen als die Generation vor Ihnen?
CW: Ich wünsche mir, besser auf mich zu hören. Dieses „Selbstständig sein heißt selbst und ständig, nicht krank sein dürfen, und so weiter“, das sitzt tief. Ich möchte lernen, rechtzeitig Stopp zu sagen.
LP: Und da ergänzen wir uns gut. Ich bin eher die, die sagt: Gesundheit zuerst. Gleichzeitig pusht Caro mich, wenn es etwas durchzuziehen gilt. Das ist eine gute Balance.

Worauf freuen Sie sich in den nächsten Jahren am meisten?
LP: Darauf, irgendwann zurückzuschauen und zu sehen: Was haben wir entwickelt, was ist gewachsen, was haben wir geprägt? Erfolg sichtbar zu machen, braucht Zeit, genau darauf freue ich mich.
CW: Auf den nächsten Schritt, wenn Aufgaben komplett bei uns liegen und wir merken: Wir schaffen das. Und ja: auch auf die ganz praktischen Dinge, die bisher andere übernommen haben. Diese Selbstverständlichkeit, dass man es dann eben selbst löst.

Niemand muss alles von Anfang an können. Fang an, der Rest kommt mit den Aufgaben.

Und zum Schluss: Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die vor der Selbstständigkeit stehen?
LP: Wenn du wirklich hinter dem stehst, was du machst, aus Leidenschaft, nicht aus Statusgründen, dann spricht nichts dagegen. Ob groß oder klein: Entscheidend ist, dass du es willst und dafür brennst.
CW: Sei ehrlich zu dir selbst: Bist du der Typ für Organisation, Verantwortung, Geldthemen? Wenn ja, ist dieser Freiraum, kreativ zu gestalten und Dinge aufzubauen, etwas sehr Wertvolles.
LP: Und man wächst hinein. Niemand muss alles von Anfang an können. Fang an, der Rest kommt mit den Aufgaben.

WWZ ist ein etablierter Salon. Hätten Sie auch den Weg „von null“ gewählt?
CW: Bestimmt, weil es das ist, was wir wollen. Aber es ist ein Privileg, dass wir nicht bei null starten müssen. Ich sehe bei meinem Bruder, der sich selbstständig gemacht hat, welche Ängste und welche Last am Anfang mitkommt. Dafür bin ich dankbar. Gleichzeitig wissen wir: Irgendwann kommt der Moment, wo wir alleine überzeugen müssen, dass wir es genauso gut oder sogar besser können. Das ist ein Schritt, auf den wir uns vorbereiten.

Vielen Dank für das spannende und offene Gespräch. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg in der Selbstständigkeit.

Wachs & Wachs & Zians

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