Redakteurin Juliane Krammer im Interview mit Anke Spiekermann, Salonunternehmerin und Coach
imSalon: Frau Spiekermann, Sie führen einen Salon in der Nähe von Stuttgart und sind zusätzlich Persönlichkeits-Coach mit Fokus auf Beratung. Wie kam es dazu?
Anke Spiekermann: Ich war Trainerin auf großen Bühnen und bei Seminaren im Farb- und Schnittbereich. Entscheidend war für mich, dass der Mensch und nicht die Masse zählt. Als ich mich 2010 selbstständig gemacht habe, haben viele gefragt: „Wer braucht das?“ Heute kann ich sagen: Ich habe 15 Jahre Vorsprung in einem Thema, auf das jetzt viele aufmerksam werden.
Heute wirkt es so, als würden viele auf das Thema Color & Style Coaching aufspringen. Worin unterscheidet sich Ihr Ansatz?
AS: Ich mache keine klassische Farb- und Stilberatung, bei der man etwas über einen Menschen stülpt. Bei mir geht es um den ganzheitlichen Menschen. Natürlich spielen Farbe, Form, Proportionen und Stil eine Rolle. Aber entscheidend ist: Wer ist dieser Mensch? Wie möchte er wirken? Was soll seine Optik unterstützen?
Das gilt auch für FriseurInnen.
Wie meinen Sie das?
AS: Viele sind fachlich sehr gut, bekommen ihre Expertise aber nicht richtig an den Kunden übertragen. Dann wird geschult und geschult, aber beim Kunden kommt es nicht an. Meine Arbeit setzt genau dort an: Ich schaue nicht nur auf die Dienstleistung, sondern auf den Menschen, der sie ausführt. Welche Ausstrahlung hat er? Welche Präsenz hat er vor dem Kunden?
Im Salonalltag geht es oft um Tempo. Beratung kommt schnell zu kurz. Wann ist der Zeitpunkt, dass FriseurInnen zu Ihnen kommen?
AS: Mit den Salons, mit denen ich arbeite, ist fachlich meist schon sehr viel passiert. Sie haben viel Geld in Seminare investiert und merken jetzt: Der Kunde hat einen anderen Anspruch. Er will nicht einfach nur Haare geschnitten oder gefärbt bekommen. Er möchte gesehen und begleitet werden.
Ich arbeite nicht mit Salons, die auf Masse und Schnelligkeit setzen, sondern mit UnternehmerInnen, die sagen: Ich möchte meinen Salon zukunftssicher machen.