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Credit: Pascal Bünning

21.07.2026

„Gute Bezahlung im Friseurhandwerk ist überfällig“

Faire Gehälter, bis zu 32 Urlaubstage, bezahlte Weiterbildungen und ein Wochenende, das tatsächlich frei bleibt: Friseurunternehmer Nico Ickert schafft bei Kommheim in Berlin einen Arbeitsplatz, an dem Menschen gerne bleiben. Aktuell ist noch ein Platz im Berliner Team frei.

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Nico, du betreibst Kommheim sowohl in Berlin als auch im Tiroler Bichlbach. Wie unterschiedlich funktionieren die beiden Standorte?
Nico Ickert:
Das Konzept war ursprünglich auf Berlin ausgelegt. In Tirol hat es zunächst gedauert, bis es sich voll entfalten konnte, aber jetzt haben wir in beiden Salons unsere StammkundInnen.

Gelten jeweils die gleichen Preise?
NI:
Für mich macht es keinen Unterschied, wo meine KollegInnen arbeiten. Der Wert ihrer Arbeit ist derselbe. Deshalb bieten wir an beiden Standorten die gleichen Leistungen zu den gleichen Preisen an.

Du hast dich intensiv mit Kalkulation beschäftigt. Warum ist das für dich so zentral?
NI:
Weil wir im Friseurhandwerk sehr gerne nach links und rechts schauen und fragen: Was verlangt der andere Salon? Entscheidend ist aber nicht, was andere berechnen, sondern was der eigene Betrieb tatsächlich braucht.

In Tirol habe ich mich dazu intensiv mit der Wirtschaftskammer und Innungsmeister Clemens Happ ausgetauscht. Aus dem anschließenden Coaching mit Mike Zangerl entstand eine fundierte Berechnungsgrundlage, mit der ich auch meine eigene Kosten- und Leistungsrechnung geprüft habe. Ich bin sehr dankbar über den Support der österreichischen Innung, denn in Deutschland fehlen solche Ansprechpartner.

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Entscheidend ist aber nicht, was andere berechnen, sondern was der eigene Betrieb tatsächlich braucht.

Ihr sucht aktuell Verstärkung für Berlin. Was erwartet neue MitarbeiterInnen bei Kommheim?
NI:
Wir haben gemeinsam mit dem Team unser Handbuch für Salonkultur entwickelt. Darin steht transparent, wie wir arbeiten: von den Gehältern und Zuschlägen über Zusatzleistungen bis zu Weiterbildungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir sprechen offen über persönliche Wünsche, Ziele und Träume. Das sind für mich keine nebensächlichen Themen. Wer viele Stunden an seinem Arbeitsplatz verbringt, soll sich dort nicht nur irgendwie arrangieren müssen.

Wer viele Stunden an seinem Arbeitsplatz verbringt, soll sich dort nicht nur irgendwie arrangieren müssen.

Mit welchen Themen aus eurem Handbuch für Salonkultur beschäftigst du dich aktuell?
NI:
Mit dem Thema Teamkommunikation. Einige MitarbeiterInnen sind bereits seit zehn Jahren bei uns. Da entsteht viel persönliche Verbundenheit. Umso wichtiger ist es, trotzdem offen miteinander zu sprechen und berufliche Themen klar zu benennen.

Der Name Kommheim verspricht ein Zuhause-Gefühl. Wie lässt sich das in den Arbeitsalltag übersetzen?
NI:
Kommunikation ist das A und O. Häufig glauben wir, genau zu wissen, was ein Mensch denkt oder braucht. Das funktioniert aber weder in einer Beziehung noch im Team oder mit KundInnen. Lebenssituationen verändern sich. Deshalb müssen wir immer wieder miteinander sprechen und fragen: Fühlst du dich wohl? Was stört dich? Was läuft gut? Was brauchst du gerade?

Ist eine gute Bezahlung der Weg, um MitarbeiterInnen zu finden?
NI:
Eine gute Bezahlung im Friseurhandwerk ist schlicht überfällig. Ich verstehe nicht, warum FriseurInnen so wenig verdienen sollten. Sie beraten Menschen, tragen Verantwortung und beherrschen ein anspruchsvolles Handwerk. Warum soll eine professionelle Beratung bei einer Bank selbstverständlich Geld kosten, während eine fundierte Beratung im Salon ständig infrage gestellt wird?

Warum soll eine professionelle Beratung bei einer Bank Geld kosten, während eine fundierte Beratung im Salon ständig infrage gestellt wird?

Deshalb habt ihr einen eigenen internen Tarifvertrag entwickelt?
NI:
Genau. Da es für uns in Deutschland keine passende tarifliche Grundlage gab, habe ich eine eigene Gehaltsstaffel entwickelt. Das Einstiegsgehalt orientiert sich am jeweils kommenden gesetzlichen Mindestlohn und steigt mit der Betriebszugehörigkeit prozentual an. Der Vertrag wird jährlich angepasst. Dadurch wissen MitarbeiterInnen, wie sich ihr Gehalt entwickeln kann. Mir geht es um Transparenz und um die grundsätzliche Frage: Was braucht ein Mensch, um sein Leben zu finanzieren, vielleicht Kinder zu haben und eine Familie zu versorgen? Diese Diskussion wird gesellschaftlich viel zu selten geführt.

Wie lassen sich gute Löhne, Weiterbildung und ein wirtschaftlich gesunder Salon miteinander vereinbaren?
NI:
Der entscheidende Punkt ist eine korrekte Arbeitszeiterfassung. Man muss wissen, wie viel produktive Arbeitszeit tatsächlich zur Verfügung steht und welche unproduktiven Zeiten (Stehzeiten, Zeitaufwand für Weiterbildungen, ... ) entstehen. Moderne Online-Kalender liefern dafür sehr wertvolle Auswertungen. Vorausgesetzt, sie werden ordentlich geführt.
Wenn diese Zahlen bekannt sind, kann ein Salon sinnvoll kalkulieren. Dabei dürfen sich die UnternehmerInnen nicht vergessen. Sie brauchen ebenfalls ein Gehalt, Urlaub und eine Absicherung. Viele Betriebe berücksichtigen das nicht ausreichend.

UnternehmerInnen ... brauchen ebenfalls ein Gehalt, Urlaub und eine Absicherung. Viele Betriebe berücksichtigen das nicht ausreichend.

Welche Rolle spielen Gesundheit und Erholung bei Kommheim?
NI:
Überstunden gleichen wir grundsätzlich in Freizeit aus. Wer mehr gearbeitet hat, braucht Erholung, nicht nur zusätzliches Geld.
Auch Ergonomie ist wichtig. Unsere Rückwärtswaschbecken sind höhenverstellbar, sodass die MitarbeiterInnen sauber und in einer für sie passenden Position arbeiten können. Grundsätzlich gilt: Wer krank ist, ist krank. Gesundheit darf nicht erst dann wichtig werden, wenn gar nichts mehr geht.

Wie entscheidet ihr, wer welche Weiterbildungen besucht?
NI:
Typberatung ist für uns eine grundlegende Teamkompetenz, die jeder, erwerben sollte. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten zur Technik-Spezialisierung oder besonderen Beratungsschwerpunkten. Wir entscheiden gemeinsam und demokratisch: Wer hat Interesse und möchte das Thema übernehmen? Wer eine Weiterbildung besucht, wird danach zur Ansprechperson im Team. Es geht nicht darum, dadurch wichtiger als andere zu sein, sondern das erworbene Wissen weiterzugeben.

Was bietet Kommheim neben gutem Gehalt und Weiterbildung noch?
NI:
Je nach Alter bieten wir 26 bis 32 Urlaubstage, ein Provisionsmodell und freie Wochenenden.

Komm heim nach Berlin!

Du bist FriseurIn aus Leidenschaft, möchtest dich fachlich weiterentwickeln und suchst einen Salon, in dem faire Konditionen und ein menschliches Miteinander nicht nur versprochen werden? Dann könnte der freie Platz im Berliner Kommheim-Team genau deiner sein. 

Was zeichnet den Berliner Standort aus?
NI:
Wir sind in keiner lauten, ständig wechselnden Szenegegend. Das Viertel ist familiär gewachsen. Viele Menschen sind dort älter geworden, haben Kinder bekommen und leben schon lange in der Umgebung. Deshalb haben wir eine starke StammkundInnenkultur. Natürlich kommen auch neue KundInnen durch Empfehlungen oder als Laufkundschaft zu uns.

Wie groß ist das Team?
NI:
Der Berliner Salon ist für insgesamt vier MitarbeiterInnen ausgelegt. Aktuell sind wir zu dritt. Es ist also noch genau ein Platz frei.

Und welcher Mensch passt zu Kommheim?
NI:
Authentizität ist für mich eines der wichtigsten Themen. Ob jemand bunt, zurückhaltend, laut oder leise ist, spielt keine Rolle. Menschen sind unterschiedlich und sollen auch so bleiben dürfen. Entscheidend ist, dass man respektvoll miteinander umgeht und offen kommuniziert

Danke Nico für das spannende Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

Spaß kommt bei "Kommheim" definitiv nicht zu kurz

Credit: Kommheim

Spaß kommt bei "Kommheim" definitiv nicht zu kurz

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Credit: Kommheim

Spaß kommt bei "Kommheim" definitiv nicht zu kurz

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