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Credit: Henning Becker, @henryfiasko

18.08.2026

„Für meine Preise wurde ich online massiv beleidigt und sogar bedroht“

Ein Reel über faire Preise brachte Barber Felix Hohleich nicht nur Zuspruch, sondern auch Beleidigungen und Drohungen. Im Interview spricht er über den Hass im Netz und warum er trotzdem weiter für faire Preise und gute Gehälter einsteht.

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Redakteurin Juliane Krammer im Interview mit Barber Felix Hohleich

Felix, du hast in einem Reel erklärt, wie sich deine Preise zusammensetzen. Was ist danach passiert?
Felix Hohleich:
Die Posting-Kommentare haben sich plötzlich in eine ganz merkwürdige Richtung entwickelt. Ich wurde unter dem Video und auch in privaten Nachrichten massiv beleidigt, teilweise sogar bedroht. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich. Eigentlich dachte ich, es sei etwas Positives, wenn sich jemand vor die Kamera stellt und sagt: Wir kommen aus einem Niedriglohnsegment. Ich möchte das verändern, nehme mir als Unternehmer lieber selbst etwas weniger und zahle meinen Angestellten ein gutes Gehalt. Sie sollen sich ebenfalls einen schönen Urlaub oder ein gutes Auto leisten können.

Du sprichst schon länger offen über deine Preise. Warum sind die Reaktionen dieses Mal so eskaliert?
FH: Viele Kommentare kamen offenbar von Menschen, die sehr niedrige Preise gewohnt sind. Sie schrieben, dass sie anderswo Komplettpakete für 17 Euro bekommen und alles darüber für überzogen oder sogar kriminell halten. Sobald man aber nachfragt, unter welchen wirtschaftlichen und arbeitsrechtlichen Bedingungen solche Preise überhaupt möglich sind, spielt das für einige keine Rolle mehr. Hauptsache, die Leistung ist möglichst billig. Genau da haben wir in unserer Branche ein großes Problem.

Hattest du den Eindruck, dass die Hasskommentare organisiert waren?
FH: Darüber habe ich tatsächlich nachgedacht. Ich habe mir die Profile jedoch angesehen: Die Personen waren nicht miteinander vernetzt und kamen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es war also offenbar keine organisierte Gruppe. Es waren vielmehr Menschen mit einer sehr ähnlichen Haltung zum Thema Preis.

Du hast auch Drohungen gegen dich und deine Familie erhalten. Ziehst du rechtliche Schritte in Betracht?
FH: Im Moment habe ich die Sache erst einmal beiseitegelegt. Sollten weitere Drohungen oder Nachrichten kommen, werde ich definitiv rechtliche Schritte einleiten. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Ich glaube auch nicht, dass einer dieser Menschen in mein Geschäft kommen und mir das persönlich ins Gesicht sagen würde. Dann könnte man schließlich ein normales Gespräch führen. Einige Kritiker habe ich sogar eingeladen, gemeinsam mit mir die Zahlen und Unterlagen anzuschauen. Darauf kam allerdings wenig bis gar keine Reaktion.

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Viele Salon-UnternehmerInnen sind unsicher, wenn es um höhere Preise geht. Verstärkt eine solche Hasswelle nicht zusätzlich die Angst?
FH: Ich sehe mich als Schutzschild und fange jetzt die erste große Welle ab. Gleichzeitig gab es unter dem Video auch sehr viel Zuspruch von KundInnen, KollegInnen und Menschen, die ich vorher gar nicht kannte. Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass faire Preise notwendig sind. Andere können diesen Rückenwind nutzen und mitziehen. Ich halte gerne den Kopf hin, damit es für die nächsten UnternehmerInnen leichter wird.

Würdest du trotz der Reaktionen weiterhin zu einer klaren Preispositionierung raten?
FH: Auf jeden Fall. Menschen, die eine Friseurdienstleistung ausschließlich nach dem niedrigsten Preis auswählen, sind nicht automatisch unsere Zielkundschaft. Wir stehen für Qualität, Beratung, Service und verantwortungsvolles Unternehmertum. Dazu gehört auch, dass MitarbeiterInnen fair bezahlt werden und ein Betrieb wirtschaftlich gesund arbeiten kann. Wer diese Haltung nicht teilt, muss nicht zu uns kommen.

Im September stehst du auf der Bühne der Stopperka-Hausmesse in Hamburg. Was können die BesucherInnen von deinem Auftritt erwarten?
FH: Ich schneide auf der Bühne natürlich Haare, aber das Handwerk ist bei meinen Auftritten nie das einzige Thema. Ich erzähle auch davon, wie ich meinen Betrieb führe, wie ich Preise kalkuliere und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe. Viele KollegInnen haben mir bereits erzählt, dass sie Tipps von mir umgesetzt haben. Genau diese Mischung möchte ich auch bei Stopperka zeigen: handwerkliche Techniken, Preisgestaltung und ehrliche Einblicke in meinen unternehmerischen Alltag. Natürlich werde ich auch über das Reel und die Reaktionen darauf sprechen. Mir ist wichtig zu zeigen, dass Barbershops nicht grundsätzlich schwarze Schafe sind. Es gibt Betriebe, die ihre Steuern zahlen, ihre MitarbeiterInnen gut bezahlen und bewusst einen anderen Weg gehen. Genau dafür möchte ich stehen.

Danke für das Gespräch!

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