Wird uns das vom Barbershop abgrenzen?
MS: Ich bekomme inzwischen Seminar-Anfragen aus Barbershops, weil dort der Wunsch besteht, längere Haarschnitte besser umsetzen zu können — also nicht nur mit der Maschine zu arbeiten, sondern wirklich mit der Schere. Genau da liegt aktuell eine große Chance: Wir Friseure können uns über qualitativ gute Scherenarbeit und moderne, tragbare Haarschnitte abgrenzen. Klassische Cuts wie Pompadour, Bombage oder andere maskuline Schnittformen sollten dafür beherrscht werden. Aber genauso wichtig ist das Verständnis dafür, was gerade in Mode ist und wie man jüngere Kunden anspricht. Wer das versteht, wird im Männer-Segment langfristig erfolgreich sein.
Gibt es neue Techniken oder Entwicklungen, auf die sich Salons zukunftssicher einstellen sollten?
MS: Salons, die sich klar positionieren und ein echtes Konzept haben, werden weiterkommen. Es reicht heute nicht mehr, nur einen Haarschnitt anzubieten. Das gesamte Erlebnis muss stimmen. Der Kunde ist informierter als früher, gerade jüngere Männer wissen sehr genau, was sie wollen und haben Vorlagen dabei. Das bringt aber auch Verantwortung mit sich. Zu viele Friseure schneiden heute einfach das nach, was auf dem Handy gezeigt wird. Dabei wäre oft etwas anderes sinnvoller, je nach Kopfform, Haarstruktur oder Typ. Genau deshalb wird Beratung immer wichtiger. Man muss auch sagen können: „Das sieht gut aus, aber es ist nicht der richtige Look für dich.“ Diese Ehrlichkeit ist entscheidend.
Bei Frauen war Beratung und Erlebnis selbstverständlich, beim Mann musste es schnell gehen. Jetzt scheint sich das zu drehen. Wie sehen Sie das?
MS: Absolut. Der Mann ist heute deutlich offener für Service, Qualität und Beratung. Das sieht man auch auf der Straße. Die Ansprüche sind gestiegen, und das ist für unseren Beruf eine gute Entwicklung.
Wie sieht es beim Nachwuchs aus? Wenn man sich auf Herren spezialisiert, wie bildet man junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig aus?
MS: Ich bin kein Fan davon, in der Ausbildung zu früh zu spezialisieren. Eine gute Friseurausbildung ist die Grundlage für alles. Auch wenn jemand später im Männer-Bereich arbeitet, muss man die Basics beherrschen: Proportionen verstehen, längere Haare schneiden können, sauber arbeiten, Farbe korrekt auftragen.
Gerade heute, wo Männerhaare wieder länger werden und natürlicher fallen, ist Wissen aus dem Damenbereich notwendig, natürlich immer übersetzt in eine maskuline Form. Man könnte darüber nachdenken, nach dem ersten Lehrjahr in die Spezialisierung zu gehen.
Vielen Dank, Herr Salm, und alles Gute für die Zukunft!