Also arbeitet ihr auch mit Haarteilen?
TH: Wir versuchen immer, individuelle Lösungen zu finden. Einige Leute in unserem Team sind superaffin mit der Nähmaschine und nähen auch Haarteile auf Maß. Wir arbeiten mit 7 verschiedenen Extensions-Herstellern, denn jeder bietet unterschiedliche Qualitäten, die situativ benötigt werden. Das kann eine dünne Naht oder ein besonderes Knüpfverfahren sein, was zum jeweiligen Haar oder der Kopfhautstelle passt.
Wie hast du dich für diesen Bereich trainiert?
TH: Ich habe direkt nach meiner Friseurausbildung eine maskenbildende Ausbildung in der Abendschule angehängt. Das war overwhelming, einmal lernst du Tattoos abdecken, einmal Hartteile knüpfen und dann noch Special Effects. Das Ganze hat mich 15.000€ gekostet und danach wusste ich gar nicht, was ich damit anfangen soll, vor allem, wenn du keine Routine hast, um die Erfahrung auszubauen. Später war ich dankbar, denn das hat mir die Grundlage für den Haarteil-/ Perückenbereich gegeben.
Du sprichst von 7 verschiedene Extensionanbietern im Salon. Wie holt man sich all das individuelle Wissen?
TM: Learning by Doing und viele One-on-One-Classes, die ich mittlerweile Friseuren auf Anfrage gebe. Da lernt man nicht nur, sondern tauscht wertvolle Erfahrung aus. Der Markt ist ja voller Anbieter, Zweithaar ist in wie noch nie. Neben der Haarfarbe ist das meine größte Leidenschaft.
Stimmt, wir sehen viel Zweithaar bei Messen, aber in den Salons scheint es in der Breite noch nicht wirklich angekommen zu sein. Was empfiehlst du KollegInnen, die dahin wollen?
TH: Genau das ist der Punkt. Ich werde oft angesprochen: ‚Hey, wir würden nebenbei gerne Extensions anbieten, um extra Umsatz zu machen.‘ Da sage ich klar: Das ist nichts, was man nebenbei mal einfach so schnell macht. Wenn du das wirklich machen willst, dann nimm das Thema wirklich ernst. Eine Kundin in diesem Bereich will richtig beraten werden und ich finde, ihr steht es zu qualitativ hochwertig, mit Fachwissen bedient zu werden.
Also meine Empfehlung: Nehmt das Thema ernst und spezialisiert wenigstens einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin darauf, die dann wirklich auch dieses Wissen an die Hand gelegt bekommt. Schnelle Kohle ist nie nachhaltig und ich will ja auch, dass die Kundin zufrieden wiederkommt.
Im Zweithaarmarkt wird gefühlt stark separiert: Perücken für Alte und Kranke, Extensions für Fashion und Schönheit. Wie siehst du das?
TH: Genau das ist ja auch der Grund, warum wir uns klar definiert spezialisiert haben auf Einfärben und Schneiden von Perücken oder Haarteilen. Viele Kundinnen schreiben uns von ihrer Perücke und davon, dass der Farbton nicht richtig passt oder der Schnitt nicht gefällt. Das beheben wir, da ist es egal, weshalb man das Haarteil oder die Perücke hat, es ist der Grund, weshalb Menschen zum Friseur gehen, um sich wohl und hübsch zu fühlen.
In eurem Perückenstudio verkauft ihr auch Perücken und Haarteile. Wie wichtig ist es, das separat vom normalen Salonbetrieb zu haben?
TM: Da wir auch mit Krankenkassen abrechnen, sind wir dazu verpflichtet, einen Save Space zu schaffen, den man abschließen kann. Als Friseur begleiten wir hier unsere Kundinnen in einem sehr persönlichen, intimen Bereich mit großem Vertrauen. Aber es geht auch um Hygiene, wenn Kundinnen gerade in einer Behandlung sind, muss ein Infektionsrisiko minimiert werden.
Wie sieht der Umsatzaspekt für den Salon aus, wenn es um Perücken geht?
TM: Wenn wir keine Perücken mehr machen würden und im Salon am Kunden arbeiten würden, hätten wir jeden Monat deutlich mehr Geld in der Kasse. Man darf nicht vergessen, wie beratungsintensiv das ist, da gehen manchmal drei Stunden drauf, das kann man nicht weiterverrechnen. Aber es ist unser Herzensprojekt, hier gebe ich etwas weiter.