Wie erarbeitet man unternehmerische Flexibilität am besten?
SB: Wenn heute die Mitarbeiter nur noch vier Tage arbeiten wollen, muss ich über eine Veränderung der Arbeitszeitmodelle nachdenken, sonst habe ich irgendwann keine Mitarbeiter mehr. Wenn die vorhandenen Mitarbeiterkapazitäten zurückgehen, muss ich die Öffnungszeiten verändern. Wenn die Kosten und speziell die Lohnkosten steigen, muss ich die Preise erhöhen. Dienstleistungen, die sich nicht mehr rechnen, müssen aus dem Angebot gestrichen werden. Dienstleistungen, an denen ich besonders gut verdiene, müssen mehr beworben und intensiver angeboten werden. Wenn ich keine Auszubildenden mehr finde, muss ich überlegen, wie ich in anderen Bereichen arbeitsteilig arbeiten kann (z.B. über angelernte Farb-Assistenten). Dies sind nur einige Beispiele für Flexibilität und Agilität im aktuellen Salonalltag.
Ohne Empathie und Respekt wird das Mitarbeiterthema unlösbar bleiben.
SB: Die Veränderungen der Friseurbranche gehen Hand in Hand mit Veränderungen in der Gesellschaft. Der Friseurnachwuchs hat total andere Bedürfnisse an den eigenen Arbeitsplatz als die Vorgängergenerationen. Neben einer fairen Bezahlung werden mentale Gesundheit, eine ausgewogene Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeiten immer wichtiger. Nur wenn wir diesen individuellen Wünschen und Bedürfnissen mit Flexibilität, Respekt und Empathie begegnen, werden wir neue Leute gewinnen und bestehende Mitarbeiter langfristig an unsere Unternehmen binden.
Politisch ist aktuell viel in Bewegung. Was forderst du für das Friseurhandwerk?
SB: Von der Politik wünsche ich mir in erster Linie zwei Dinge: weniger Bürokratie und mehr Gleichbehandlung. Wer als Unternehmer seine Arbeitszeit analysiert, stellt schnell fest, dass er mehr als die Hälfte seiner Zeit in die Einhaltung von Vorschriften und Verordnungen (Berufsgenossenschaft, Arbeitssicherheit, Kassenvorschriften, Jugendarbeitsschutzgesetz, Gewerbeordnung, Pflichtmeldungen, etc.) steckt bzw. in sonstige administrative Tätigkeiten, wie die Steuererklärungen investiert. Für das Unternehmertum und die Frage, wie bringe ich den Salon und die Mitarbeitenden voran, bleibt da wenig Zeit.
Ich wünsche mir faire Rahmenbedingungen für die gesamte Branche. Wir haben weiterhin Barbershops ohne Meister, Kleinunternehmer ohne richtige Steuererklärung. Diese Unternehmen haben wenig bis keine Vorschriften, werden so gut wie nicht kontrolliert und müssen deutlich weniger Abgaben zahlen. Die Mitarbeiter beziehen Leistungen vom Staat und werden teilweise schwarz beschäftigt. Das führt zu deutlichen Wettbewerbsverzerrungen und Preisunterschieden. Gerade diese Preisunterschiede werden von den Kunden wahrgenommen.