Wie setzen Sie das im Salon um?
SP: In unserer Upgrade-Beratungsstruktur arbeiten wir mit einem Analysetool der Firma Schwarzkopf. Mit diesem messen wir vor jeder Beratung die Haarstärke und die Haargesundheit der Kundin, können so den Haaraufbau von innen sehen und ermitteln, welche Verbesserung des Haarzustandes wir durch Pflege erzielen. Die Kundin binden wir in den digitalen Prozess mit ein und schaffen ein Erlebnis, das sie zur "kleinen" Expertin für ihr Haar macht. Auf dieses bauen wir die Beratung auf. Aber Vorsicht: So großartig das Analysetool als Grundlage ist, so wichtig ist es, die Beratung mit unserer eigenen Expertise zu füllen. Der Gedanke, dass ich ihr etwas verkaufen möchte, kommt gar nicht auf, denn sie sieht selbst die Notwendigkeit, etwas für ihr Haar tun zu wollen. Geringe Aufmerksamkeitsspanne, Digitalisierung und Emotion so in einen Dreiklang zu bringen und damit ein Erlebnis zu schaffen, ist für mich eine spannende Sache.
Seit wann praktizieren Sie ihr Upgrade Konzept im Salon und was war für Sie hier der Gamechanger?
SP: Vor vier Jahren habe ich erstmals mit der Unternehmensberaterin Christiane Geuting zusammengearbeitet. Dort ging es nicht um Zahlen, Daten, Fakten, sondern um den Unternehmenswert Mensch. Ich habe mich unter anderem zur „Trinität der Persönlichkeit“ (Managementtraining, Anm.) ausbilden lassen und ich habe einen zwanzigjährigen Sohn. Aus diesen Erfahrungen und Lernprozessen profitiere ich und habe neue Strukturen, wie unser digitales Onbording-System entstehen lassen. Hier geht es nicht darum, neue Mitarbeitende auszufragen, sondern um sie zu verstehen und Arbeitsstrukturen zu schaffen, die auf sie zugeschnitten sind.
Welche Strukturen sind überaltet?
SP: 90 % der Friseure wurden in den letzten Jahren darauf trainiert, Termine abzuarbeiten: 60 Minuten Waschen, Schneiden, Föhnen, vielleicht noch eine kleine Stylingberatung, ein Produkt verkaufen und Tschüss! Wenn ich heute nur mit Waschen, Schneiden, Farbe an den Start gehe, bin ich sehr schnell austauschbar. Vor ein paar Jahren war eine Spezialisierung auf Blond noch etwas Besonderes, mittlerweile ist jeder zweite Blondspecialist. Den Mehrwert für Kunden sehe ich in einer ganz simplen Frage: Was macht die Person, die vor mir sitzt, schöner und warum? Die Kundinnen kommen zu uns, weil sie schöne Haare haben wollen. Wenn ich diese frage: „Haben Sie Interesse zu hören, was ich für Sie das Beste finde?“, sagt niemand, Nein.