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12.05.2011

Petra Unterberger: Was bedeutet eigentlich "Friseurexklusiv"?

Nach Matura und Lehre in Deutschland und bei Wallmeier in Wien ist Petra Unterberger seit einem knappen Jahrzehnt Unternehmerin im Niederösterreichischen Purkersdorf. Sie ist Intercoiffeurin und als Mitglied des Artistic Team Zentraleuropas gibt sie ihre Kompetenz in Trendseminaren, Fotoshootings und bei Trendkollektionen weiter. - Fakten: 1 Salon | 4 Mitarbeiter - Auszeichnungen und Preise beim Wettbewerbsfrisieren

Ihr Salon wurde zum wiederholten Male unter die Top 10 der österreichischen Intercoiffure-Friseurbetriebe gewählt. Was macht sie so besonders?
Jedem Kunden die uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken und dessen Gesamtbild erkennen. Der Faktor zuhören spielt eine große Rolle. Vielleicht ist es aber auch meine direkte und unkomplizierte Art, die es den Kunden erlaubt, ganz selbst sein zu können.

Mit welchen Begriffen würden Sie Ihre Unternehmensphilosophie beschreiben?
Das Leben ist zu kurz für einen schlechten Haarschnitt.

Auf welche Stärken setzen Sie bei Mitarbeitern?
Feeling für Menschen! Ein ehrlicher und herzlicher Umgang mit Menschen ist ganz, ganz wichtig. Das Handwerk kann erlernt werden.

Was imponiert Ihnen an Friseuren?
Dass unser Beruf so viel ergibt: Wir sind Handwerker, Künstler, Mediator, Lebenshelfer, Unternehmensberater, Auslagendekorateur…

Sie sind als Mitglied des Artistic Team sehr engagiert in der Coiffeur Mondial. Inwiefern beeinflusst dieses Engagement Ihre Arbeit als Salonunternehmerin?
Der Austausch über die Salongrenzen hinweg ermöglicht nicht nur das Kennen lernen neuer Strukturen und Arbeitsmethoden, sondern auch den Ausbau eines persönlichen Netzwerkes.

Worin liegen die Vorteile für Salon und Mitarbeiter, wenn die Chefin Coiffeur Mondial-Mitglied ist?- Teilnahme an den internationalen IC-Kongressen
- Die Chance auf aktive Mitarbeit bei Fotoshootings und bei Shows
- Teilnahme am „Fondation Guillaume-Award“
- Teilnahme am Intercoiffure-Mitarbeitertag
- Der ehrliche Erfahrungsaustausch und die Freundschaft mit den besten der Branche auf der ganzen Welt

Wie handhaben Sie die Aus- und Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter in Ihrem Salon?
Wir veranstalten ganz individuelle und persönliche Trainingseinheiten, die auch schon mal ganz spontan zwischen zwei Terminen stattfinden können.

Wie motivieren Sie Mitarbeiter?
Ich behandle meine Mitarbeiter respektvoll, sachlich in der Kritik, als auch lobend. Das Feedback bekommen sie dann von den Kunden und das wiederum ist motivierend.

Wie läuft ein Bewerbungsgespräch ab?
Beim Lehrling versuche ich heraus zu kristallisieren, ob seine Berufswahl ein Herzenswunsch war oder nur Plan B. Beim Stylisten prüfe ich die Fachkompetenz. Ich bitte denjenigen einen Abend zu mir zu kommen, um das Spektrum seines Wissens und Könnens abzuklären - beispielsweise in einem Rollenspiel: Kunde - Stylist.

Welche Aufstiegsmöglichkeiten bieten Sie Ihren Mitarbeitern?
Meine Mitarbeiter müssen alle Facetten des Berufes abdecken können: Dauerwelle, Aufsteckfrisuren, modernste Haarschnitte… Allround-Friseur sein auf hohem Niveau! Dann haben sie auch die Möglichkeit mein „zweites Ich“ zu werden. Derzeit bin ich diesbezüglich auf der Suche nach Verstärkung im Team, auf der Suche nach der „berühmten Nadel im Heuhaufen“.

Sie entwickeln Frisurenshows, Trendkollektionen und veranstalten Trendseminare. Ihre nächsten Pläne?
Ich mache keine Pläne. Ich entscheide mich gerne kurzfristig und spontan für neue Aufgaben, dann aber aus vollstem Herzen!

Welche übergreifenden Wünsche für die Branche haben Sie an Innungen und Industrie?
Zum Thema Lehrausbildung: Bei uns in NÖ geht ein Lehrling mittlerweile zehn Wochen am Stück in die Schule, d.h. ich brauche mindestens zwei Lehrlinge, um alternieren zu können. Warum?: Es wird der gleiche Lehrstoff in mehr Zeit gelehrt und im Salon fang ich dann nach zehn Wochen beim Lehrling wieder von vorne an, punkto: Höflichkeit und Freundlichkeit.
An die Innungen: Wieso glaubt die Öffentlichkeit eigentlich immer noch, dass es in unserer Branche keine Jobs gibt? Das ist nicht wahr! Wenn das so weiter geht, haben wir bald keine österreichischen Stylisten mehr, weil sich niemand zur Ausbildung bewirbt. Da muss mehr Transparenz her! Und das Image der Branche nach außen muss unbedingt gestärkt werden. Wir müssen dringend aus der Nische der dummen Friseurin heraus!
An die Industrie: Was implizieren sie eigentlich mit dem Wort „Friseurexklusiv“?


Juli 2010


Interview: Katja Ottiger