Familie Leufen, Lutz & Maria hinten, Michaela, Junior & Aaron vorne | Credit H-Unity

11.12.2020

Lutz Leufen: Wir brauchen Maßnahmen, die dem Nachwuchs mehr Spaß am Friseursein vermitteln

Von Führerschein bis hin zu bezahlter Lehrabschluss-Reise, Lutz Leufen beklagt das mangelnde Verständnis auch von Unternehmern, sich an neue Gegebenheiten und Chancen anzupassen

Ein Kommentar von Lutz Leufen

Lutz Leufens Appell an ein neues Lehr-Verständnis für „New Stylists“

Wir kennen alle die schwachen Punkte in der Ausbildung, beklagen uns darüber, aber seit Jahrzehnten passiert nichts Grundsätzliches.
Die Lehrlinge sind, so die gängige Meinung, nicht mehr das, was wir von ihnen erwarten. Aber eigentlich haben wir UnternehmerInnen uns nicht an die veränderten Lehrlinge angepasst. So ist es nicht verwunderlich, dass es immer weniger Bewerber um Lehrplätze gibt.

Deswegen meine Vorschläge zu dringend notwendigen Veränderungen für unser alle Zukunft. Lehrabschluss-Matura-Reisen, Führerschein und andere Perspektiven sind Möglichkeiten, welche angeboten werden sollen.
Wir brauchen Maßnahmen, die dem Nachwuchs mehr Spaß am Friseursein vermitteln. Durch Erfolg für Azubis, Kunden/innen, und damit der Selbstständigen.

„Der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken“ – nicht von mir aber immer wieder gut. Wir wissen es doch auch!

Keine Ausbildung zur Ausbildung

Wir Lehrlinge waren ungebildet, wie die heutigen.
Wir wollten vieles, aber wussten nicht, wie wir was tun sollten.

Die vielen Ausbilder in den Betrieben haben (fast) keine Ausbildung zur Ausbildung bzw. Trainer (ein entsprechender Kurs ist nicht sinnvoll, sondern sinnlos und teuer). Häufig können sie zwar alle Techniken ausführen, diese aber nicht oder nur unvollständig erklären! Deswegen nehmen die Qualifikationen der (ungenügend) ausgebildeten Mitarbeiter in vielen Berufen ab und die Wahl zu einer Lehre fällt erst gar nicht.

„Große“ Friseurbetriebe und/oder sog. Ketten haben das Problem erkannt und bilden ihr Mitarbeiter selbst gezielter aus. Die Industrie hat dieses schon vor Jahren erkannt und agiert z.B. mit eigenen Lehrwerkstätten.

Immer mehr wird die Sinnhaftigkeit der dualen Ausbildung über 3 Jahre angezweifelt. 18 Monate (Lehrzeit) wären meiner Meinung mehr als genug und praktikabel.

Wenn die Berufsschulen-LehrerInnen praktischen Unterricht lehren, sollten dieses eine Trainer-Ausbildung voraussetzen, welche für alle Lehrer gleich sein müssen, nach Abstimmung und Ausbildung der Trainer in den Betrieben.
Wenn alle TrainerInnen/AusbilderInnen die gleiche „Sprache“ mit den Auszubildenden sprechen, wird das zu Lehrende für Alle gleich sein und damit einen Qualitätssprung machen, welcher den tatsächlichen Bedürfnissen unserer KundInnen entsprechen.

 

Verkürzte Lehre ohne Unterstützung

Der erste Versuch neue Möglichkeiten der verkürzten „Lehre“ durchzuführen haben wir mit 17 jungen Damen gestartet. 1 Dame hat nach der Hälfte, 7te Woche aufgegeben, alle anderen haben durchgehalten und wir waren zusammen froh, dass dieses Projekt nach 15 Wochen geklappt hat.

Die AK, Gewerkschaft, Eltern wussten was wir wann und wie durchführen wollten.

Die Berufsschulen haben ihre üblichen Werke getan, außer dass unsere Lehrlinge vom praktischen  Training der Berufsschule befreit waren. Wir wurden nicht einmal von der Berufsschule kontaktiert, die Lehrlinge haben das Lehrpersonal über unsere Art der Lehre informiert. Der damalige Wirtschaftslandesrat Dr. Leitl hat uns finanziell unterstützt, ebenso die Stadt Linz.

Die Wirtschaftskammer hat uns in keiner Weise unterstützt, auch nicht die Landesinnung.

 

Bezahlung der New Stylists

Die New-Stylisten haben für eine Arbeitswoche inklusive Berufsschulbesuch 34 Std. den ihnen zustehenden Lohn für „Hilfsarbeiter“ erhalten. Umgerechnet auf 40 W.St. entsprach das de, dreifachen Gehalt eines Lehrlings der damaligen Zeit.

Lehrlingsausbildung bei Leufen

4 Lehrlinge lernen bei uns in der ersten Woche Kommunikation, Umgang mit Menschen (KundenInnen, MitarbeiterInnen), was erwarten wir von Aussehen, Benehmen, Grüßen, was können sie von ihren KollegenInnen und ihren ChefInnen „bekommen“, Telefonieren, u.v.m..

In der zweiten Woche lehren wir sie die „3“ unterschiedlichen Haarschnitt-Techniken an Kundenmodellen welche wir zur Verfügung stellen. Zwangsweise lehren wir auch das Haarwaschen, Kämmen, Reingungs-, Care- und Finish Produkte, Styling-Fön-Techniken und vor allem KundenInnen Beratung –  immer zu Beginn steht die verbale Kommunikation, vor den Arbeitstechniken.

Ab der dritten Woche arbeiten sie unter ständiger Beobachtung der Trainer das Programm der zweiten Woche Schritt für Schritt weiter.

In jeder weiteren Woche kommen zusätzliche Techniken wie Farbveränderungen, Curl, Care, Lang-Kurz-Haar, Langhaar dazu. Jeden Tag an 3-4 KundenInnen,  Modellen. Kreativität entstand, mit Unterstützung der Trainer, durch die selbstständigen Tätigkeiten an ca. 70 Kundenmodellen

Es war einmal/und ist heute (fast) noch so!

Vor 60 Jahren bin ich, Lutz Leufen, als Sohn einer Friseurunternehmerfamilie begeistert/ weil ich musste, in den Friseurberuf eingestiegen. In der Zeit bis heute habe ich die Entwicklungen desselben in vielen Varianten mitgemacht. In Deutschland und Österreich habe ich mit Hilfe vieler Freunde, Feinde, Partner, Partnerinnen, KollegInnen, mehr Damen als Herren, in unterschiedlichen Städten, Ländern Betriebe geführt.

Sohn Aaron hat einen Friseurbetrieb in Linz und ist Trainer in seinem Beruf für Kollegen tätig.

Maria Leufen leitet eine Friseurschule, Aaron Leufen ist als Trainer dabei.