Trotz 4. Lockdown gibt es bald einen zweiten KIRSTEN KUNZE Salon in Wien | C: Marcel González Ortiz

01.04.2021

Kirsten Kunze: Osterruhe – die Karotte vor der Nase

Lockdown-Routine in der Wiener Osterruhe: Urlaubstage abbauen und Kurzarbeit bei Verlängerung; Kundenentertainment mit Rufumleitung, Onlineshopping und Home-Kits.

Die verlängerte Osterruhe hat auch Positives. Ändern lässt sich das ohnehin nicht und den Kopf in den Sand stecken ist niemals eine Option, schon gar nicht, wenn gerade die Planung zur Neueröffnung des zweiten Salons läuft.

Im Telefoninterview mit Katja Ottiger
 

Kirsten, wie geht es dir?
Kirsten Kunze:
Mir geht es sehr gut! Ich stecke in der Planung für unseren zweiten Salon, den wir im Sommer am Rochusmarkt eröffnen werden.

„Verlängerte Osterruhe – das hat etwas von einer Karotte vor der Nase.“

Was denkst du über die Verlängerung der Osterruhe in Wien?
KK:
Dass die Verlängerung kommt, war eigentlich klar und ich kann das verstehen. Was ich schade finde, ist, wie die Kommunikation läuft. Das hat immer etwas von einer Karotte vor deiner Nase. Immerhin wurde die Verlängerung diesmal ein paar Tage vorher kommuniziert und nicht von Samstag auf Montag, sodass wir Kunden durchtelefonieren und den „Schaden“ vorher reinarbeiten können. Ich werde den neuerlichen Lockdown für die Planung nutzen und ich freue mich tatsächlich, dass ich ein paar Tage mit meiner Familie habe.

Das klingt entspannt…
KK:
Es ist alles schrecklich, unterm Strich muss ich als Unternehmerin schauen, dass ich meinen Salon betreiben kann. Manche stecken den Kopf in den Sand, ich mach einfach weiter. Wir haben das Glück einer großen Stammkundschaft und natürlich haben wir Umsatzeinbrüche, es gibt keine Bälle und keine Oper, aber der Großteil unserer Kunden hat ein normales Leben mit einem Job, der normal weitergeht.

Wie geht ihr mit der Verlängerung der Osterruhe aktuell um?
KK:
Wie wir das aus den anderen Lockdowns kennen, das bekommt ja schon Routine: Die Mitarbeiter bauen Urlaubstage ab, sollte die Verlängerung über den 11. April hinausgehen, gehen wir wieder in Kurzarbeit. Unsere Kunden betreuen wir telefonisch, eine Mitarbeiterin hat eine Rufumleitung eingerichtet und wird den ganzen Tag erreichbar sein. Zusammen mit unserem Online-Shop, der nach wie vor super genutzt wird, und unseren Home-Kits halten wir die Kunden bei Laune und haben damit im Lockdown sogar Neukunden gewonnen.

Wie das?
KK:
Dass wir für unsere Kunden erreichbar waren, hat uns großes Lob eingebracht und wir wurden an Bekannte und Freunde weiterempfohlen, die sich von ihrem Friseur nicht optimal betreut gefühlt haben.

„Mit Home-Kits verlierst du keine Kunden.“

Hattet ihr durch die Farb-Home-Kits einen Farbrückgang?
KK: Nein, überhaupt nicht, durch die Kits verlierst du keine Kunden. Die, die Kits verwenden, wollen jederzeit gut aussehen und sind die ersten, die wieder ins Geschäfts kommen.

Was versendet ihr an die Kunden?
KK:
Leicht mischbare Ansatzfarbe und alles, was Kunden dazu brauchen inkl. einer einfachen Beschreibung. Schwarzkopf war hier ein super Partner und hat Einwegumhänge zur Verfügung gestellt, aber auch Wasserstoff, Shampoo- und Pflege in kleinen Fläschchen.

„Wir haben unsere eigene Teststation.“

Wie läuft es mit der Testflicht?
KK:
Problemlos. Für die Kunden, die keinen Test haben machen können, haben wir unsere eigene Teststation.

Seid ihr zum Testen ausgebildet?
KK:
Ich habe 5 meiner Mitarbeiter über den Medizinischen Notfalldienst ausbilden lassen, dafür kam ein Arzt zu uns in den Salon. In 3 Stunden haben wir alles über Spuck-, Gurgel, Nasenbohrer-, Schnell- und PCR-Tests erfahren. Jetzt dürfen wir Kunden testen.

Testen als Zusatzdienstleistung?
KK:
Die Kunden, die den Test bei uns zu machen, genießen das und nehmen den Unkostenbeitrag von 25 Euro in Kauf. Ich verdiene nichts daran, ich verrechne lediglich meine Ausgaben weiter. Mittlerweile haben wir über 120 Tests gemacht.

Wie schaut das in der Praxis aus?
KK:
Wir bieten Spucktests an. Das sind fertige Sets, mit allem, was man braucht. Die Kunden gehen fürs Testen vor die Tür, denn ich möchte keinen Kunden anfassen, von dem ich nicht weiß, dass er negativ ist. Nach 2-3 Minuten ist die Auswertung fertig, der Kunde bekommt das Testergebnis aufs Handy und kann den für 48 Stunden verwenden, z.B. auch bei anderen Dienstleistern.

Wie hat das mit den Förderungen bei dir geklappt?
KK:
Da muss ich fast eine Lanze für die Politik brechen, auch wenn ich nicht mit allen Entscheidungen einverstanden bin. Alle Förderungen, die politisch versprochen wurden, habe ich immer sofort bekommen. Probleme gibt es mit den Zahlungen des Kurzarbeitergeldes. Das funktionierte im ersten Lockdown einigermaßen gut, auf das Geld vom November warte ich bis heute und habe die Löhne meiner Mitarbeiter komplett vorfinanziert.

„Ich bin ohne Altlasten in den ersten Lockdown gegangen.“

Du hast deinen Salon seit 4 Jahren, stehst unmittelbar vor einer weiteren Saloneröffnung. Wie machst du das?
KK:
Ich bin ohne Stundungen und Altlasten in den ersten Lockdown gegangen, das war ein guter Start. Ich koste Fristen nicht aus und zahle meine Rechnungen immer sofort. Die Gewinne nach dem ersten Lockdown habe ich gleich wieder verwendet, um Stundungen abzuzahlen.

Unternehmerin sein ist genau meines! Ich bin in die Selbstständigkeit eigentlich durch eine Impulsentscheidung hineingeschlittert. Ich hätte nie gedacht, dass mir das so liegt. Unternehmertum ist ein Spiel, das du verstehen musst und bei dem du strategisch vorgehen und alles im Blick haben musst. Ich kenne immer meine Zahlen und habe immer einen Plan B, D und F.
 

Über Kirsten Kunze

  • 1 Salon in Wien, 1. Bezirk, seit 4 Jahren
  • im Sommer 2021 weitere Neueröffnung geplant
  • 11 Mitarbeiter, davon 3 Lehrlinge
  • www.kirstenkunze.at