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Credit: Markus Schmidt

06.11.2018

Stuhlmiete verstehen: Leitfaden für Stuhlvermieter

Fans auf der Einen - Abwehr auf der Anderen! Für die einen ein erster Schritt in die Selbstständigkeit, für die anderen der Weg zur Schwarzarbeit. Wir haben für Sie recherchiert...

Im Vergleich zu Amerika, wo Stuhlmiete ein sehr beliebtes und weit verbreitetes Unternehmes-Modell ist, tun sich InteressentInnen von Stuhlmiete bei uns trotz steigender Nachfrage häufig schwer. Wir haben für euch die wichtigsten „Good to Know“-Punkte gesammelt.

Stuhlmiete – was ist das, was kann das?

Aus Stuhlvermieter-Sicht (Salonbesitzer):

Grundsätzlich kann jeder Salonunternehmer, der Platz im Salon hat, seine Räumlichkeiten besser nutzen oder keine zusätzlichen Mitarbeiter aufnehmen möchte, Stühle alias Bedienplätze vermieten.

Vorteile:

  • Sichere Einnahmen durch monatliches Mieteinkommen
  • Bessere Raumnutzung
  • Keine Verantwortung für Mitarbeiter
  • Ausweitung der Öffnungszeiten

Nachteile:

  • Sie haben nun Konkurrenz im Salon
  • Abstimmungsbedarf, was Öffnungszeiten, betriebliche Änderungen, Laufkundschaft, Markenverwendung, Azubinutzung etc. betrifft

Auswahlverfahren

Bevor Sie einen Stuhlmieter auswählen, ist es ratsam über essentielle Grundlagen, die Ihnen im Salon wichtig sind, zu sprechen. Dazu gehören zum Beispiel, welche Produkte der Stuhlmieter nutzt und ob Sie eventuell mit einer fremden Marke im Salon „leben können“. Außerdem wäre für Sie wichtig zu wissen, ob der Stuhlmieter in Ihr Preisschema passt und wer wo seine Preisschilder im Schaufenster montiert. Auch die Logos beider Parteien im Salon müssen klar ersichtlich vor dem Salon angebracht werden.

Und Sie sollten über einen Probemonat sprechen.

Eine „Klären Sie vorab“-Checkliste:

  • Reden Sie über die Öffnungs- und Arbeitszeiten
  • Besprechen Sie die Preispositionen
  • Ihr Stuhlmieter braucht einen Schlüssel für den Salon
  • Sie sollten wissen mit welcher Marke Ihr Stuhlmieter arbeitet
  • Klären Sie den Mitbenutzungsumfang Ihrer Azubis
  • Wie wird der Produktverbrauch geregelt
  • Wer kümmert sich um das Service, Kaffee, Wasser, Tee etc. und den Einkauf?
  • Wie wird Laufkundschaft gehandhabt?

Vertragliches

Haben Sie einen Partner gefunden, mit dem sie dieselbe Arbeitsauffassung teilen und die Konzepte harmonieren, geht es darum, Mietpreis, Nebenkosten, Kündigungsfrist, Produktein- und Verkauf, WLAN, Reinigung, Öffnungszeiten und Nutzungsumfang der Saloninfrastruktur zu regeln und in einem Vertrag schriftlich zu fixieren. Der Stuhlmieter sollte in seinem unternehmerischen Handeln nicht eingeschränkt werden. Als Stuhlvermieter müssen Sie Ihrem Mieter gestatten, seine Öffnungszeiten und freie Zeiten selbst festzulegen, ebenso wie Preise, Aktionen, Werbung und ähnliches. Gleichwohl soll er sich in die Gemeinschaft einfügen und in Grundsätzlichem Einstimmigkeit herrschen.

Steuerrechtliches

Die Einnahmen aus der Vermietung werden unter Sonstige Erlöse aufgeführt. Sie brauchen einen sogenannten Arbeitsplatznutzungsvertrag. Der Materialverbrauch des Mieters muss ebenfalls in der Bilanz aufgeführt sein, allerdings müssen diese extra dargestellt werden, damit dem Finanzamt der größere Materialverbrauch bei gleich bleibendem Umsatz erklärt wird. (Stichwort Schwarzarbeit) Der Stuhlmieter erhält vom Stuhlvermieter eine monatliche Rechnung über Miete, Nebenkosten und Materialverbrauch zuzüglich Umsatzsteuer.

Vorwurf Scheinselbstständigkeit

Was ist Scheinselbstständigkeit?

Scheinselbstständigkeit tritt dann in Kraft, wenn die Trennung zwischen dem Stuhlvermieter und –mieter nicht strikt vollzogen wird und sich daraus ableiten lässt, dass es sich um ein Angestelltenverhältnis des Stuhlmieters handelt zum Zweck Sozialversicherung zu sparen und Schwarzarbeit zu verschleiern.

Wie verhindere ich Scheinselbstständigkeit?

Wichtig ist die 100 prozentige Trennung und Anmeldung der beiden Unternehmen. Zur Trennung, die von außen ersichtlich sein muss, gehört auch die Anbringung der Logos Ihres bzw. aller Stuhlmieter vor dem Salon. Ebenso unterliegen Stuhlver- und -mieter der korrekten Einzahlungspflicht der Sozialversicherungsbeiträge, sowie Steuern und es besteht die Erfordernis über eine individuelle, ordnungsgemäße Buchführung.

Was kann passieren, wenn ich als „scheinselbstständig“ geoutet werde?

Bei einer Steuerprüfung durch das Finanzamt oder Überprüfung durch die Krankenkasse, die in den meisten Fällen die Kontrollorgane darstellen, werden die Finanzen des Salons genau unter die Lupe genommen. Stichwort: Schwarzarbeit! Ein erstes Indiz für Scheinselbstständigkeit ist, wenn sich zum Beispiel eine Differenz zwischen dem tatsächlichen Materialverbrauch und dem in Ihren Aufzeichnungen ergibt. Gefährlich wird es, wenn es sich eigentlich um ein Angestelltenverhältnis des Stuhlmieters im Salon handelt und Sozialversicherungsbeiträge seitens des Stuhlvermieters unterschlagen wurden, denn dies hätte erhebliche Auswirkungen für Stuhlvermieter UND -mieter. Im schlimmsten Fall könnte man zur Zahlung bis zu 5 Jahren rückwirkend belangt werden.

Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder meint: „Es muss als Stuhlmieter klar ersichtlich sein, dass man ein eigenes Unternehmen ist. Das beginnt schon bei grundlegenden Dingen, wie zum Beispiel der Anmeldung, der selbstständigen Buchführung und Einzahlung seiner Sozialversicherungsbeiträge, dem selbstständigen Produkteinkauf usw. Auch die klar ersichtliche Präsentation nach außen hin mit eigenem Logo ist sehr wichtig. Die Mitbenützung der Infrastruktur hingegen ist im Mietpreis inkludiert, muss aber vertraglich abgeklärt sein.“

Thema: Produkte

Szenario 1: Produkte des Saloninhabers mitbenützen – geht das?

Wenn sich Ihr Stuhlmieter mit Ihrer Salonmarke identifizieren kann, besteht die Möglichkeit, dass er die Produkte des Salons mitzubenützt.

Dabei gibt es aber vieles, das Sie unbedingt beachten bzw. gemeinsam mit dem Stuhlmieter bereden müssen (am besten vor der vertraglichen Fixierung, damit es zu keinem unschönen Erwachen kommt):

  • Wie wird die Verrechnung geregelt: Zahlt der Mieter die Produkte pro verwendeter Flasche oder verrechnen Sie ihm/ihr einen Pauschalpreis? Gibt es eine Stichliste für verwendete Produkte? Wird die  verwendete Farbe abgewogen?
  • Herrscht eine gewisse Vertrauensbasis zwischen Ihnen und  Ihrem Mieter? -> Diese ist bei einer Strichliste nämlich unumgänglich!
  • Wie verrechnen Sie den Produktpreis an den Stuhlmieter? Einzelhandelskaufpreis? Rabatte? Mit oder ohne Aufschlag?
  • Wichtiger Punkt: Produktlager? Gibt es ein gemeinsames Lager? Haben Sie einen extra Raum für Ihren Mieter zur Verfügung? Versperrmöglichkeiten für den Mieter?
  • Produktverkauf an Kunden: Wie wird verrechnet?

imSalon-Tipp:

Für eine akkurate Produktverrechnung vom Wiener Salonbesitzer Bertram K.: „Ich habe wirklich einmal geschaut, wie viele Pumphübe sich aus einer Shampoo- oder Conditionerflasche ausgehen und dann habe ich den Preis eines Pumphubes berechnet. Anhand einer Strichliste über die Pumphübe der einzelnen Produkte habe ich mit meinen Stuhlmietern einmal monatlich die Produkte abgerechnet.“

Szenario 2: Meins, meins, meins – Der Stuhlmieter möchte seine eigenen Produkte verwenden

Kann sich Ihr neuer Mieter mit Ihrer Salonmarke überhaupt nicht anfreunden oder ist er einfach schon zu sehr an seine eigenen Produkte gewöhnt, dann kann der Stuhlmieter die gewohnten Produkte auch in Ihrem Salon verwenden. Wenn Sie das vorab miteinander geklärt haben und Sie beide d’accord sind, dürfen Sie Ihrem Stuhlmieter Ihre Produkte im Nachhinein nicht aufzwingen. Fragen Sie sich, ob eine weitere Marke zu Ihrem Salon passt?

Auch bei diesem Szenario gibt es einige Punkte, die Sie nicht außer Acht lassen dürfen:

  • Wie regeln Sie die Logistik der beiden Produktlager?
  • Gibt es einen eigenen, absperrbaren Abstellraum für die Produkte des Stuhlmieters?
  • Wie organisieren Sie die Visualisierung der beiden Marken im Salon?
Goldwell

 

 

imSalon Tipp:

Wenn Ihr Mieter eine sichere Aufbewahrung seiner Produkte möchte, empfehlen wir einen abschließbaren Trolley!

Folgendes Modell haben wir für euch gefunden:

Teilweise absperrbarer Kunststoff-Arbeitswagen von Goldwell:

► Erhältlich über Goldwell oder Friseureinrichtung la max

 

Meinungen seitens Innung:

„Man kann als Stuhlmieter die Produkte des Saloninhabers mitbenützen, aber es müssen exakte Aufzeichnungen über die verwendeten Waren erfolgen, um diese dann auch abrechnen zu können. Der einfachste Weg ist also, wenn man den Wareneinkauf selbst tätigt und seine eigenen Rechnungen bezahlt,“ rät Innungsmeister Eder.

Idealerweise hat also der Stuhlmieter und -vermieter seine eigene Warenwirtschaft und sein eigenes Warenlager. Wenn das aus Platzgründen nicht möglich ist, sollten die Vorräte eindeutig dem jeweiligen Unternehmen, also dem Stuhlmieter oder -vermieter zuzuordnen sein. Nur dann ist die jährliche Inventur korrekt möglich.