Credit: Wiener Hinterhof | Katriina Janhunen

24.06.2020

Blockunterricht in Wien. Das denken Wiener Friseur-Lehrlinge

Der Blockunterricht wird spätestens im Herbst für alle Friseurlehrlinge Wiens Realität. Während die ersten Lehrgänge längst drin sind im Block, ist es für die der 2. und 3. Lehrgänge noch philosophisch. Wir haben uns in der Berufsschule für Schönheitsberufe in Wien auf Stimmenfang begeben.

So sehen Wiener Friseurlehrlinge den Blockunterricht

PRO:

  • Mehr Zeit für Hausübungen
  • Man lernt besser, auch in der Praxis
  • Jeden Tag andere Lehrer
  • Bessere Konzentration
  • Schneller mit der Schule/dem Semester fertig

CONTRA:

  • Man ist nicht im Salon
  • Man kann einiges verlernen bzw. vergessen
  • kein Trinkgeld
     

So sehen Wiener Friseurlehrlinge den wöchentlichen Unterricht:

PRO:

  • Man ist öfter im Salon, hat mehr Abwechslung
  • Regelmäßiges Trinkgeld

CONTRA:

  • Keine Zeit zum Lernen - Lernen immer am Abend nach dem Salon
  • Keine Zeit für Hausübungen, die muss man dann schneller erledigen
  • weniger Freizeit, weniger Ruhe
  • Keine Konzentration
  • Stress mit den Schulsachen
     

Die Statements der BerufsschülerInnen

„Ich finde, dass der Blockunterricht gerade bei Friseuren nicht gescheit ist. Im besten Falle lernt man in der Schule etwas, das man im Betrieb gleich umsetzen kann. Schritt für Schritt.
Mit dem Block wird uns sehr viel Stoff in viel zu kurzer Zeit vermittelt, um alles verarbeiten und verstehen zu können.

"Fünf Wochen ohne Trinkgeld ist schwer. Fast alle Friseure 'leben' auch von ihrem Trinkgeld."

Fünf Wochen ohne Trinkgeld ist ebenfalls schwer. Fast alle Friseure „leben“ auch von ihrem Trinkgeld, unter anderem ich. Ich habe eine Wohnung, um die ich mich kümmern muss und verdiene an Gehalt gerade mal 578 €. Auch wenn ich mir die Wohnung mit meinem Freund teile, gerade mal 600 € sind nichts, wenn man auf eine Wohnung schauen muss.

Die Abwechslung zwischen Schule und Arbeit ist ebenfalls sehr angenehm und im Blockunterricht nicht mehr gegeben. Ich finde genau mit dieser Abwechslung, die man anfangs hat, gewöhnt man sich leichter daran, irgendwann nur mehr zu arbeiten und nicht mehr in die Schule zu gehen.
Einmal wöchentlich in der Schule zu sein, wäre besser - und wie ich das mitbekommen habe, finden das sowohl die Schüler als auch die Lehrer.

Mein Fazit: Ich bin vom Blockunterricht überhaupt nicht begeistert und würde mir wünschen, dass alles beim Alten bleibt und wir einmal die Woche in die Schule gehen!“
Lara, 1. Lehrjahr

„Ich finde den Blockunterricht gut, weil es eine Abwechslung vom Arbeitsalltag ist. Trinkgeldverlust sehe ich nicht so, denn ich denke, man bekommt alles wieder rein, vor allem dann, wenn man Stammkunden hat.“
Friseurlehrling, 1.Lehrjahr

„Blockunterricht ist besser, weil man Zeit zum Lernen hat und nicht alles so schnell vergisst, wie wenn man einen Tag in der Woche arbeitet. Der wöchentliche Unterricht ist für die Betriebe besser, weil die Lehrlinge im Salon gebraucht werden und man als Lehrling auch mehr Kunden übernehmen kann.“
Friseurlehrling, 1.Lehrjahr

"Ich finde den Blockunterricht besser. Beim Unterricht 2x in der Woche kann man sich nicht so gut auf Schule und Arbeit konzentrieren und man hat weniger Zeit zum Lernen. Trinkgeldverlust stört mich weniger, weil mir bessere Noten wichtiger sind. Natürlich ist es nicht toll, aber mein Gehalt bekomme ich ja trotzdem.
Ich finde den Blockunterricht für den Betrieb besser, da der Betrieb seinen Lehrling für 6-8 Wochen durchgehend hat und er nicht 1-2x in der Woche ausfällt."
Friseurlehrling, 1.Lehrjahr

"Es ist aber auch gut, dass 1. Semester gleich nach 5 Wochen erledigt zu haben."

„Ich persönlich finde den Unterricht ein- oder zweimal in der Woche besser. Wenn ich 1x in der Woche Schule habe, ist das super, da ich dann auch etwas von der Schule abschalten kann.
Fünf Wochen Schule heißt, kein Trinkgeld und keine Abwechslung. Allerdings es ist auch gut, dass 1. Semester gleich nach den 5 Wochen erledigt zu haben.“
Klaudia, 2. Lehrjahr – bisher Normalunterricht, ab September im Block

„Ich finde Blockunterricht nicht toll und würde mich damit nicht gut fühlen. In den fünf Wochen bekommt kein Trinkgeld, nach diesen fünf Wochen muss man dann fünf Wochen durcharbeiten und kann in der Zwischenzeit alles wieder fast vergessen. Nicht nur, dass ich unbegeistert bin vom Blockunterricht, mein Betrieb wäre es auch, weil ich als Einzige im 3. Lehrjahr alles fast alleine machen kann, vom Färben bis zur Dauerwelle.“
Friseurlehrling, 2. Lehrjahr – bisher Normalunterricht, ab September im Block