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30.09.2014

Ufuk Küstür ist Schnittphilosophisch

Für kreative Lösungen und gutes Business ist auch auf kleinem Raum Platz, um genau zu sein: auf 41 m2. Das beweist der gebürtige Tiroler mit türkischen Wurzeln in seinem PONY&FREUD Salon in Wien 6.

Ob bei Salondesign oder Werbemitteln, philosophischen Gesprächszugängen oder schlichter Handwerkskunst: Stil und (Lebens-)Qualität haben ihren Preis und sind letztlich das Geheimnis der idealen Kundschaft.
Ufuk Küstür war Stylist und Salonleiter bei Sturmayr, Trainer bei chaos hairconcept und hat sich nach seiner letzten Station bei Bundy Bundy zur Selbstständigkeit entschlossen. Kurz nach der großen Eröffnung trafen wir ihn in seinem Arbeits(t)raum.


imSalon.at: Jetzt ist es ganz offiziell. Du hast, nachdem du in deinem Salon bereits seit 4 Monaten werkst, deine große Eröffnung hinter dich gebracht. Wie war es?
Ukuk Küstür: Toll! Es waren 90 Leute da, hauptsächlich Kunden und Freunde. Wir hatten Live-Musik mit einer Jazz-Sängerin, ein großartiges Catering, Handmassagen, einen Fotografen und Wandprojektionen. Der Höhepunkt war eine Live-Stylingshow; mein Lieblingsmodell eine Hochsteckfrisur, in die ich mein Logo PONY&FREUD gesteckt habe. Es war schon ein cooles Event.
 

"Es zahlt sich aus, für Qualität Geld auszugeben"



imSalon.at: Dafür hast du viel Geld in die Hand genommen. Und nicht nur dafür. Auch bei deinen Werbemitteln, beim Logoentwurf, beim Interior waren ausschließlich Profis am Werk, für die Mitarbeitersuche gibst du Geld aus… Manch einer könnte meinen, das ist leichtsinnig, wo du doch jetzt erst am Anfang stehst.
Wenn schon, denn schon. Friseure gibt es viele, da muss man schon ein bisschen auftrumpfen.

imSalon.at: Also klar kalkuliert?
Es zahlt sich aus, für Qualität Geld auszugeben, weil Kunden die Originalität und das Schöne wertschätzen. Man kann natürlich auch einen besseren Preis einfordern, wenn die Qualität nicht nur beim Schnitt passt, sondern auch bei allem drum herum. Zu mir kommen z.B. viele, die gern Kunst haben, Grafiker, kreative Menschen, weil sie neugierig sind. Die finden die ganze CI (Corporate Identity, Anm.) toll, lassen sich auch von mir inspirieren.

imSalon.at: Du schaffst dir damit deine eigene Kundenschicht?
Ja, auf jeden Fall.

imSalon.at: PONY&FREUD. Freud, der Psychoanalytiker oder die Freude? Ein Wortspiel?
Ironischerweise sagt man ja: Erzähls deinem Friseur, wenn man der Person grad nicht zuhören will.
Freud, der Psychologe, steht für mein empathisches Auftreten dem Kunden gegenüber, dass ich eben zuhören kann, ein offenes Ohr habe. Und es steht für regen Austausch, für „story telling“.

imSalon.at: Wie bist du auf den Namen gekommen?
Das war meine Agentur Schrofmann. Sie haben mir verschiedene Sachen vorgestellt. PONY&FREUD hat mich von Anfang an begeistert. Das Wortspiel drückt genau aus, was es für mich ist: Haare schneiden und Freud(e). Der Name lässt verschiede Assoziationen zu. Manchmal frag ich meine Kunden: Was fällt dir dazu ein? Das ist immer interessant. Einmal meinte jemand, das ist ganz klar: PONY, das ist der Haarschnitt der Frau und FREUD, der Mann mit dem Bart, steht für Barbier.
Für mich hat der Name Tiefe, mit der man etwas einfangen kann, für andere Charakter. Das ist Marketing.

imSalon.at: Was war die größte Herausforderung im Zuge der Selbstständigkeit?
Die Überwindung den Schritt zu machen.

imSalon.at: Die beste Erfahrung?
Dass man sehr viel Hilfe von außen bekommt, dass eine eigene Dynamik entsteht, die Leute Empfehlungen machen, die Tochter, den Nachbarn schicken. Man bleibt nicht allein und hat das Gefühl, dass es alles so werden kann, wie man es sich vorgestellt hat.

imSalon.at: Und was ist mit schlechten Erfahrungen?
Schlecht ist nicht das richtige Wort. Negativ ist, dass man selbst Ängste mitbringt, die eigentlich nicht adäquat sind. Man stellt sich das schlimmer vor, als es ist. Man hat Angst, dass man sich am Anfang schwertut, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Dass man, aus der Unerfahrenheit heraus, schlechte Entscheidungen trifft.

imSalon.at: Was wolltest du werden, als du ein kleiner Junge warst?
Tischler.

imSalon.at: Aha, Handwerker! Wie kam es anders?
Ich war 13, als ich eine Nachbarin zum Friseur begleitet habe. Die hatten dort im Geschäft allerdings gerade Mitarbeiterbesprechung und der Chef fragte mich, ob ich meiner Freundin nicht die Haare waschen könne. Das hab ich dann getan. Er fand das super, wie ich das gemacht hab und hat gemeint, ich habe Talent zum Friseur. Gelernt hab ich aber trotzdem bei der Konkurrenz.

imSalon.at: Wie holst du dir dein persönliches Trendupdate?
Ich bin gern auf Messen unterwegs, Austria Hair und Salon International, nehme an Sassoon-Schnittseminaren teil.

imSalon.at: Erzähl von deiner Schnittphilosophie!
Ich möchte meinen Kunden meine Arbeit näherbringen. Sie erkennen oft gar nicht, was dahinter steckt, wie aufwendig ein Schnitt ist und welche Gedanken ich mir bei den einzelnen Handgriffen mache. Ich erzähle ihnen davon. Welche Energie, Technik und Know-how dahinterstecken, ich erkläre die Haarwäsche, Produkte, den Schnitt. Ich mache sie mit meinem Arbeitsaufwand vertraut und rechtfertige damit auch letztlich meine Preise.

imSalon.at: Siehst du dich als hochpreisig?
Eher mittelpreisig.

imSalon.at: In der Praxis: Was machst du am Kunden am liebsten?
Hockstecken ist eine Spezialität von mir. Aber Hochstecken, Schneiden, Stylingvariationen, das spielt alles zusammen. Was zählt, ist die Entwicklung in allen Belangen. Das ständige Arbeiten an der Persönlichkeit, den Fähigkeiten. Das macht mich aus und das spüren meine Kunden. Dass ich daran feile, menschlich und fachlich die besten Leistungen zu bringen, mich im Gleichklang zu entwickeln, auch kreativ zu sein.

imSalon.at: Kreativität ist ein gutes Stichwort. Ob beim Salondesign oder deinen Werbemitteln. Alles ist aufeinander abgestimmt und qualitativ hochwertig. Du legst auch bei deinen Partnern Wert auf Professionalität und Know-how.
Und auf Nachhaltigkeit. Unsere Werbemittel sind auf Recyclingpapier gedruckt, der Farbschlüssel von hell und dunkel ist überall erkennbar. Die Sessel aus den 70ern hab ich extra so beziehen lassen, die Möbel aus steirischer Eiche vom Tischler gefertigt, die Regale aus dem Möbelhaus nach meinen Vorstellungen umbauen lassen, der Spiegel mit seinen 5m Breite ist extra angefertigt. Ich mische gern Neu mit Retro. Der Kleiderständer ist aus den 60ern, die Lampe aus den 70ern. Die Vorhang-Konstruktion am Waschplatz ist eiförmig und sehr kreativ gelöst. Der große Vorhang versteckt so einiges, das man nicht sehen sollte…

imSalon.at: Wenn ich jetzt hier in dieser eiförmigen, 4m hohen Waschplatz-Nische entspannt sitze und an die Decke schaue, dann sehe ich eine runde, orange leuchtende Lampe, ähnlich dem Dotter in einem Ei.
Ja, das ist so gedacht: Die Eiform soll Schutz und Geborgenheit vermitteln.

imSalon.at: Und entspannte Freud(e) darüber, hier gewesen zu sein.
Ja, für gewöhnlich freuen sich meine Kunden, wenn sie hier zum Haareschneiden waren.
 

Fotocredit:
Oben: Pla To Thomas Plattner
Weitere: Richard Schmögner

Das Interview führte Katja Ottiger

Oktober 2014