Anzeige

30.01.2017

Peter Schaider redet Tacheles

Fakten

Friseur seit 1979

Seit 1984 Gesellschafter & Geschäftsführer Strassl-Schaider GmbH,
zusätzlich Schaider-Strassl GmbH und Peter Schaider GmbH
40 Salons ‚Strassl-Schaider‘ davon
- 17 Strassl-Schaider Salons
- 15 Salons ‚hair fair‘
- 8 Salons ‚the hairstyle‘
in Wien und Niederösterreich

400 Mitarbeiter, inklusive 160 Lehrlinge

Inhaber von 3 Einkaufszentren: Auhofcenter | Riverside | FMZ Heiligeneich

Organisator der Austria Hair

Ausschussmitglied der Wiener Landesinnung Friseure und Bundesinnung

und vieles mehr...



Das Gespräch führte Raphaela Kirschnick

imSalon: Du bist ja extrem geschäftstüchtig, wie kommt man da noch dazu eine Messe (AUSTRIA HAIR) zu organisieren?
Peter Schaider: Das ist Ausdruck meiner großen Verbundenheit mit der Branche. Der Friseurberuf ist ein sehr kraftvoller und braucht etwas Neues und vor allem eine Messe, wo man sich trifft. Jeder Beruf hat eine Messe, nimm Ärztekongresse, etc. Die Friseurbranche scheint nicht imstande zu sein, eine Messe zu organisieren. Das Umsatzvolumen der österreichischen Friseurfirmen ist nicht sehr groß, die drücken sich eher davor etwas zu machen. Wella und L’Oréal werden sehr groß vertreten sein, auch die Großhändler. Wenn alle an einem Strang ziehen würden, könnten wir viel mehr bewegen. Ich mache das Ganze unentgeltlich für die Branche, denn die Branche hat mir viel gegeben und ich mag ihr damit etwas zurückgeben.

imSalon: Wieviele Menschen erwartet ihr auf der Messe?
Ca. 4.000!

imSalon: Unterstützen die Innungen die Messe?
Die Wiener Landesinnung ja, mit Kommunikation, aber nicht finanziell. Die Bundesinnung macht eine Konkurrenzveranstaltung, für die müssen alle Friseure zahlen, aber da haben nur ca. 700 Menschen Platz, ist also nicht wirklich für die Branche.

imSalon: Wie finanziert sich die Messe?
Mit Eintrittsgeldern, 29 € pro Ticket und den Ausstellern. Meine Arbeit fällt nicht in die Kosten hinein.
 

„Ich versuche geistig zu motivieren…“



imSalon: Was ist Deine Aufgabe in der Bundes- und Landesinnung
Ich möchte den Beruf attraktiver machen und ganz einfach anregen, mehr zu machen, zum Beispiel Werbung. Da tue ich mir sehr schwer, denn es gibt viele ältere Innungsmeister, die das nicht verstehen. Da sind viele in Gedanken noch im vorigen Jahrtausend. Diese Leute versuche ich auch geistig zu motivieren.

imSalon: Aber was ist konkret Deine Aufgabe bei der Innung?
In der Innung Wien sind ca. 20 Personen, da bin ich freiwilliges Ausschussmitglied, erhalte dafür kein Geld, nur Aufwandsentschädigung. Da gibt es regelmäßige Sitzungen, da werden sinnlose Dinge, wie ein Friseurkalender für €40.000 besprochen, den letztendlich niemand will.
Auf allen Länderebenen findet viel Selbstbeweihräucherung statt mit Kleinstprojekten. Ich wäre dafür das ganze Geld vernünftig zu bündeln und eine große Sache kraftvoll zu machen.

imSalon: Woran scheitert das momentan?
Jeder Innungsmeister will sein Geld selber verwalten für Kleinveranstaltungen, Heurigenabende und lokale Aktivitäten.

imSalon: Wenn du auf Bundesebene dabei bist, hast Du dann eine beratende Funktion?
Von Wien sind vier Mitglieder im Bundesinnungsausschuss und einer davon bin ich, neben Herrn Eisinger, Herrn Albrechtshofer und der Vierte ist noch offen.

imSalon: Wie kann ich mir das vorstellen, wenn auf Bundesebene diskutiert wird?
Da habe ich riesige Probleme, weil die Bundesinnung ist an und für sich orientiert am "Wirtschaftsbund" und ich bin vom "Freien Wirtschaftsverband", das ist alles sehr politisch. Und dann gibt es das Team der Bundesinnungsvorsitzenden Eder, Happ, Wilhelmer und ein Gremium, da bewegt sich nichts. Denen ist wichtig, dass man die Haarmania macht, da geht unglaublich viel Geld hinein. Insgesamt finde ich die Arbeit sehr schwach.
 

„Aus Friseur soll Hairstylist & Visagist werden…“



imSalon: Das klingt jetzt sehr hart und politisch! Was erwartest Du Dir denn von Deiner Mitarbeit?
Schau, man kann sagen, es ist mir alles egal. Aber mir ist das Berufsimage sehr wichtig und ich hoffe, dass ich irgendwann die Leute umstimmen kann, um doch noch gemeinsam etwas auf Bundesebene zu bewegen. Und ich kämpfe für eine Neupositionierung des Namens. Ich bin dafür den Namen "Friseur" zu eliminieren, es sollte zukünftig nur mehr ein "Hairstylist & Visagist" ausgebildet werden.
Die Modeschule Hallein setzt für mich ein richtiges Zeichen, denn das trägt zur Hebung des Images bei.

imSalon: In Deutschland setzt man nun auf eine österreichische Imagestudie, die ein katastrophales Image beim Nachwuchs bescheinigt. Beispiel: „Ich will kein Friseur werden, da dann meine Freunde darüber lachen.“ (-> zu den Studieninhalten) In Österreich ist man sehr bedeckt und will die Studie nicht herausgeben.
Genau das ist es doch, ich kenne diese Studie nicht einmal, aber genau das spüre ich. Das Image des Berufes hat massiv nachgelassen. Das niedrige Gehalt, das stimmt für mich nicht ganz, denn mit Trinkgeld und Provision steigen Friseure sehr gut aus.

imSalon: Nur von Trinkgeld hat man weder etwas im Urlaub, noch im Krankenstand und schon erst recht nicht in der Pension.
Also bei uns verdient eine gute Friseurin 2.500€ und Spitzenkräfte zwischen 3.000-4.000€. Eine Jungakademikerin ist glücklich, wenn Sie mit 1.800€ anfangen kann.

imSalon: Naja, aber mit einem Lehrlingslohn von 460€ ist die Diskrepanz zu anderen Lehrberufen fatal.
Wir würden ja gerne mehr zahlen, aber dann müssten auch die Kunden mehr zahlen.

imSalon: Aber wenn alle Salons die Preise erhöhen würden, dann wäre es irgendwann ganz normal.
Es wird immer zwei Bereiche geben, den Luxussektor und den Diskontbereich.
 

„Ein Hairstylist in London ist ein Superstar…“



imSalon: Aber was können wir dann tun, wenn der Friseurberuf als ein Beruf wahrgenommen wird, in dem man nichts verdient?
Siehst du und das ist die Unfähigkeit der Innungsarbeit der letzten Jahrzehnte, nix anderes. Wir müssen die Medien, auch online, richtig bedienen. Aber nicht mit „Ein Friseur macht dich rundherum schön“. Ein Hairstylist ist in London ein Superstar, bei uns ist er halt Friseur und Perückenmacher, wen interessiert das denn bitte?

imSalon: Und die Innung, wie sie heute steht, sollte solche bundesweiten Werbeprojekte durchziehen?
Ich habe bewiesen, dass wir Werbung machen können. Ich habe meine Shoppingzentren und Salons gut positioniert. Ich weiß wie Werbung gemacht wird. Ich würde das gerne machen. Aber wir müssten einmal 400.000€ in die Hand nehmen, nicht kleckern, sondern klotzen.

imSalon: Ist die Duale Ausbildung noch zeitgemäß?
Ja, sie ist zeitgemäß und das seit 50 Jahren. Jeder, der etwas lernen will, wird erfolgreich. Ich denke jedoch, dass jeder, der eine gute Basis erhalten will, diese nur im Salon an einer Kundin erhält.

imSalon: In England ist das anders, Stylisten zahlen Geld, gehen auf Akademien und arbeiten auf richtig hohem Niveau.
Bei uns wird leider kein Geld für Ausbildung ausgegeben. Schau, meinem Sohn habe ich auch eine gute Ausbildung in Grossbritannien gezahlt und das ist eine gute Basis, auch für unsere Firma. Peter war einige Wochen bei Vidal Sassoon und bei Meininghaus in Deutschland und hat ein halbes Jahr mit dem deutschen Nationaltrainer Joachim Wolf trainiert und zusätzlich war er einige Wochen beim russischen Nationalteam.
 

„Auf das Talent kommt es an…“



imSalon: Das beweist ein größeres Selbstbewusstsein. Ist denn etwas automatisch wertiger, wenn ich dafür zahle, um mich dann als großartiger Stylist zu fühlen?
Es ist auf alle Fälle wertiger! Wenn jemand ein Grundtalent hat, ist das auch völlig ausreichend. Aber ich kenne auch viele, die die allerbeste Ausbildung genießen und dennoch nichts können. Das ist wie im Sport, wenn man Talent hat, dann schafft man es. Ich kenne nur wenige Friseure, die nach 18 Monaten top waren, auf das Talent kommt es an. Und wer es nicht hat, der ist auch nach 3 Jahren nichts.
Die Modeschule Hallein macht das im Übrigen richtig und da ist man dann Visagist und Hairstylist. Visagist ist extrem positiv besetzt, obwohl ich nur wenige kenne, die gut Geld verdienen.

imSalon: Gibt es bei euch viele Visagisten?
Wir haben einige Friseure, die viel Geld für eine Visagisten-Ausbildung ausgegeben haben, bis zu 5.000€, um dann auf die große Karriere beim Film zu hoffen. Nur mehr als die Freundin bei der Hochzeit haben sie dann auch nicht geschminkt.

imSalon: Wie stehst Du zu den österreichischen Berufsschulen?
Sie sind gut und engagiert. Es wäre noch sehr wichtig, auch die Lehrer auf ein modischeres Niveau zu heben. Ich habe mit den Berufsschulen in Wien und St. Pölten sehr gute Erfahrungen gemacht.
 

"Es gibt Berufsschullehrer, die seit 20 Jahren keine Weiterbildung gemacht haben…“



imSalon: Und die Verteilung der Unterrichtsstunden, das hatte doch für einige Diskussionen gesorgt, oder?
Das Problem muss noch gelöst werden. Da ist ein Malheur beim Kollektivvertrag passiert, wenn ein Lehrling am Samstag arbeitet, dann sollte er am Montag freihaben, also diesen Schwachsinn muss man sich mal geben. Das kann es ja nicht sein.
Es gibt in den Berufsschulen Lehrer, die da 20 Jahre drinnen sind und in dieser Zeit kein einziges Haarschneideseminar gemacht haben, unterrichten aber praktisches Arbeiten, das kann es nicht sein. Es muss jeder umdenken und auch in den Berufsschulen muss ein Umdenken stattfinden.
 

„Was ich mir denn einbilde…“



imSalon: Der Rückgang der Lehrlinge und damit Schüler um 20% in nur 5 Jahren ist da nicht förderlich!
Genau, das setzt auch die Berufsschulen unter Druck. Aber letztendlich ist es ein Problem, das die Bundesinnung seit Jahren ignoriert. Bei der Bundesinnung geht es jedem nur um seine Gagen und Spesen und das sind die Top-Punkte bei den Versammlungen. Das muss man sich mal vorstellen, das ist der erste Punkt der Agenda in der Bundesinnungssitzung. Wir müssen ein Gesamtimage aufbauen, aber da hört man nur „Das haben wir immer schon so gemacht.“
Bei der letzten Innungssitzung wurde mir eh von einem Kollegen nahegetragen, was ich mir denn einbilden würde. Die sind alle beleidigt, wenn ich was sage.

imSalon: Was macht Ihr bei Euren Mitarbeitern anders?
Viele unserer Teamleiter haben bei uns gelernt. Die Karriereaussichten, die wir bieten, werden geschätzt. Auch wenn Mitarbeiter in die Pension gehen, können Sie noch 1-2 Tage in der Woche weiterarbeiten, wir ermöglichen Chancen. Und ich bin stolz auf den großen Zusammenhalt der Teams. Die Leute sind gerne bei uns und es geniert sich niemand Hairstylist bei Strassl-Schaider zu sein.
Wir machen regelmäßig Topstylisten-Seminare und letzten Sonntag kam eine Mitarbeiterin, die seit 10 Jahren bei uns ist, bei uns gelernt hat, auf mich zu und meinte: „In den 10 Jahren ist es mir hier immer gut gegangen und ich verdiene mehr als mein Freund der Ingenieur ist.“ Die meisten unserer Mitarbeiter verdienen mehr als ihre Partner.

imSalon: Aber wie hilft das nun dem Gesamt-Image?
Schau Raphaela, viele Unternehmer können sich das nicht leisten, weil sie die Kundschaft dafür nicht haben. Wir haben Innungsmeister, die in ihrem Salon mit ihrer Frau und einem Lehrling stehen, wie sollen die da mitreden? Das sind dann Führungspersonen in unserer Branche? Na das hinterfrage ich!

imSalon: Wie sieht denn eigentlich eure Schaider-Strassl Zukunft jetzt aus?
Meine Zukunft mit Peter Strassl ist klar definiert. Wir haben das ganz freundschaftlich geklärt. Weitere Details und ein ausführliches Interview mit Peter Strassl und Peter Schaider gibt es demnächst exklusiv auf imSalon.at.

imSalon: Gibt es abschließend noch etwas, was Du zur Branche sagen möchtest?
Die Branche ist zurzeit orientierungslos. Es gibt zu wenige Betriebe, die Trends setzen, die Visionen haben. Irgendwie fehlt die Bewegung. Es kommen keine positiven Highlights, keine Innovationen, aber das brauchen wir: Endlich wieder großartige Positiv-Presse!

imSalon: Lieber Peter, danke für dieses harte aber herzliche Gespräch


-> Arbeiten bei Strassl-Schaider – Friseurjobs auf Friseurjobagent.at

-> Weitere Beiträge zu Strassl

 

Februar 2017