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14.02.2014

Michele Gargano: 16 years travelling

Seit über 16 Jahren ist der umtriebige Hairdresser mit der großen Passion unterwegs und stylt sich mit italienischem Charme und Leidenschaft in die Herzen seiner Kundinnen in Europa und New York.

Auf seinen One Way Flugtickets standen u.a. London, New York, Florenz & Wien. Er stylte und schulte für Toni&Guy, Tigi und Rossano Feretti. Die "Italian Connection" war es auch, die ihn schlussendlich nach Wien brachte, denn Letzterer holt ihn vor 5 Jahren nach Österreichs. Jetzt und hier, seine nächste Station: Trainer und Head of SalonBusiness im Davines Showroom.
 

Fakten

Geboren in Neapel | aufgewachsen in Sürtirol (Neumarkt b. Bozen)

Ausbildung in Florenz

Toni&Guy London, New York, Florenz u.a.

Trainer Tigi Academy, Salerno

Rossano Ferretti: Salonmanager in Spanien und Wien

Stuhlmieter bei Bertram K, Wien

Mitarbeit bei Kollektionen für Tony&Guy und Tigi




Du bist in deinem Job als Hairstylist viel herum gekommen. Wann hast du deine Leidenschaft für Haar entdeckt?
Meine Mutter eine der ersten Frauen bei uns, die in den 80er Jahren kurze Haare trugen. Ich habe sie regelmäßig zum Friseur begleitet, eigentlich lieber, als mit den Jungs draußen Fußball zu spielen. Später dann, so mit 9 Jahren, bin ich jede Woche in den Barbershop um die Ecke gegangen. Ein Barber Shop in Italien ist nicht nur ein Ort, wo du dir die Haare schneiden lässt, sondern vielmehr ein Platz, an dem du aufwächst, intensiv Zeit verbringst und Männer aus allen Generationen triffst. Ich mochte diese Atmosphäre. Irgendwann hab ich dort begonnen, zu arbeiten: aufkehren, zusammen räumen … dafür gab es dann einen gratis Haarschnitt. Haare haben mich einfach schon früh fasziniert. Und mir war klar, dass ich nach der Mittelschule die Ausbildung zum „Barber und Female Hairdresser“ mache.

Barber und Female Hairdresser…?
Ja, in Italien ist das etwas anders als hier. Im ersten Jahr lernst du Unisex Hairdressing und musst du dich danach für eine Richtung entscheiden. Ich liebe Frauen - was lag also näher?

1 Koffer, 1.000.000 Lire & beinahe Null Englisch-Kenntnisse. Das war dein Gepäck für deine erste Station im Ausland - London. Wie kamst du an die Themse?
Nach dem Militär hab ich ein Jahr bei meinem Vater in seiner Kleidungs-Manufaktur in Florenz mitgearbeitet und eines Morgens gedacht: Nein, das bin ich nicht. Ich brauche Salonatmosphäre. Also hab ich wieder in einem Salon angefangen. Nur, wenn du in Italien in einem Salon als Assistent beginnst, kommst du nur sehr schwer weiter. Sie geben dir dort nicht die Chance, dich weiter zu entwickeln. Ich war 20, wollte mehr, als nur Haare waschen und aufkehren. Also hab ich mich hingesetzt und bin beim Googeln auf Toni&Guy in London gestoßen und dachte: der Manager ist Italiener, das ist gut, da ruf ich an. Er war auch interessiert und wollte mich 2 Tage später telefonisch, bezüglich meiner „Englischkenntnisse“ interviewen und in Anbetracht dieser Sache musste ich schnell handeln. Ich habe einen Flug gebucht und bin, in der Hoffnung, wenn ich dann schon mal da bin, wird in London alles gut, hingeflogen. Ich hab dort meine Chance bekommen und genutzt, einen Monat Probe gearbeitet und durfte die erste Zeit glücklicherweise im Salon schlafen, um mit meinem „Nichts“ an Vermögen von umgerechnet 300 Euro in London überhaupt irgendwie durchzukommen.
 

„Als Friseur gibt es kein Limit. Du kannst mit deiner Schere überall in der Welt und in verschiedenen Richtungen arbeiten.“



Vidal Sassoon, die Mascolo Brüder, Toni Rizzo - viele gute und innovative HairStylisten waren, bzw. sind Italiener. Was glaubst du, woran könnte das liegen?
Wir Italiener wachsen mit Beauty auf, Schönheit ist Teil unserer Kultur, bei den Frauen, als auch bei den Männern. In Italien ist z.B. das Haarkonzept ein anderes, da gehen die Frauen wöchentlich zum Friseur, einfach nur zum Haare föhnen. Italienischen Frauen ist ihre Schönheit etwas wert, sie gehen ohne Make-up und ungestylt nicht einmal in den Supermarkt.

Dein wichtigster Mentor?
Ein Italiener und inspirierender Typ: Fabio Colucci.

Dein Brennen für deinen Job ist spürbar. Wie können wir letztlich junge Leute für diese Welt in „Feuer und Flamme“ setzen?
In dem wir ihnen aufzeigen, wie riesig die Welt der Hairdresser ist! Man muss den Kids in den Schulen klar machen, dass es als Friseur kein Limit gibt: Du kannst sehr viel erreichen, interessante Menschen treffen, mit deiner Schere überall in der Welt arbeiten. Friseur sein ist so viel mehr, als in einem Salon zu arbeiten!

Aber dafür braucht es auch Engagement, Leidenschaft, Möglichkeiten.
Ja! Ich z.B. liebe es, junge Leute auszubilden, etwas weiter zu geben! Das sehe ich als mein persönliches Gold für die Zukunft: jungen Leuten zeigen, wie sie Limits erreichen können, ihnen Handwerk und Leidenschaft für den Job vermitteln. Wenn du heute mit jungen Leuten sprichst, dann wollen die alle arbeiten in Werbung, Business, Media. Sie wollen nicht NUR ein Friseur sein. Sie denken, wenn du ein Friseur bist, dann bist du ein bisschen dümmer, hast weniger Kultur. Aber das ist nicht richtig:
Ich bin ein Hairdresser!
Ich spreche 4 Sprachen!
Ich bin um die Welt gereist!
Ich habe in vielen verschiedenen Richtungen gearbeitet, mit Fotografen oder Fashiondesignern.
Als Friseur kannst für den Film arbeiten oder für Musiker. Es ist nicht so, dass jemand, der auf einer Uni war, deswegen besser ist. Fakt ist: Ich bin Friseur. Das mach ich gut und dafür hab ich hart gearbeitet.

Welche Sprachen sprichst du?
Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Englisch und ein bisschen Deutsch.

Seit 5 Jahren bist du in Wien, jetzt im Davines Showroom. Davines ist ein italienisches Familienunternehmen, das seit mehr als 25 Jahren nachhaltige Produkte und Philosophie auf den Markt bringt. Wie nachhaltig lebst du?
Ich spare bewusst bei den Ressourcen. Verbrauche nicht zu viel Wasser, kaufe nicht ständig neue Sachen. Wir alle brauchen und benutzen so viel in dieser Welt. Als ich ein Kind war, was hatten wir schon? Wir Menschen müssen wieder lernen, zu respektieren, was wir alles schon geschaffen und erreicht haben, und nicht immer nur nach Neuem streben!
 

„Zum Friseur zu gehen, ist mehr, als nur Haare schneiden und färben, sondern es ist vielmehr eine Erfahrung. Friseure von heute müssen eine Inspiration sein“



Sprichst du mit deinen Kunden über Nachhaltigkeit?
Eigentlich nicht. Ich möchte nicht missionieren, eher informieren. Ich kann die Leute nicht zu einem guten Lebensstil überreden. Aber ich kann ihnen meine Antworten auf ihre Fragen zu meinem Business geben: wie sie ein besseres, gesünderes Resultat auf ihr Problem erhalten, ihnen Inhaltstoffe und Zusammensetzungen erklären.
Zum Friseur gehen, sollte vielmehr auch eine Erfahrung sein. Friseure von heute müssen eine Inspiration sein, den Kunden ein gutes Gefühl vermitteln, ihnen Qualität schenken. Das ist wie der gute Wein zu einem gutem Essen. Das sind die Feinheiten des guten Lebens.

Nach 5 Jahren in Österreich. Was fehlt dem Italiener in dir?
Das Lächeln der Menschen! Ich habe zwei Monate in Brasilien verbracht und dort Kinder gesehen, die wirklich nichts – und damit meine ich wirklich NICHTS – haben, aber sie lächeln, sind trotzdem „happy people“. Und dafür müssen wir gar nicht allzu weit gehen: Schauen wir nach Italien! Hier in Österreich haben die Menschen alles: ein gutes System, Hospitals, Autos. Hier gibt es wirklich alles, also: warum sind sie dann so?

Fotocredit:
Porträts: Freddy Alexander | Alexander Tolmo Photography
Salonbilder: Martin Steiger | www.martinsteiger.at

Interview: Katja Ottiger


März 2014