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01.02.2017

Gibt es in Österreich keine guten Friseurinnen?

Oder was fehlt in der, von Innung und Wirtschaftskammer bezahlten, PR Kampagne im Kurier …

Ein Kommentar von Raphaela Kirschnick

Eine ganze Seite im Kurier (-> Original zum Download), PR für Friseure, für den Lehrlingswettbewerb, für die Branche. Eigentlich großartig, wäre da nicht dieses klitzekleine, große Etwas, das da fehlt: die weiblichen Friseure. Gibt es denn gar keine nennenswerten Friseurinnen?

95% der Branche sind weiblich und wieder schafft es die Innung nicht, Frauen in die Kommunikation einzubauen, nicht Eine! Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Weshalb? Gibt es sie nicht oder wurden sie schlichtweg vergessen? Will die Branche wirklich nur diese eine Botschaft setzen: Frauen haben in unserer Branche keine Chance! Bilder und Worte sind bewusstseinsbildend. Der Populismus in der aktuellen Politik weltweit sollte uns das doch endlich kapiert haben lassen.

Es sind tolle Friseure, die genannt werden, keine Frage, aber bitte, es gibt klasse, ebenso erfolgreiche Friseurinnen. PS: Das linke Foto wurde sogar von Saniye Ilter gestylt, wieso wurde sie nicht vorgestellt?
Marcus Eisinger ist angehender Innungsvorsitzender in Wien und versprach uns auf Nachfrage, beim nächsten Mal frauenlastiger (klingt fast wie ein Schimpfwort) zu werden und erklärt, dass es ihm gar nicht aufgefallen sei. Die Aktion sei auch vor seiner Zeit initiiert worden.

Dann noch das neue Innungs-Logo „WIENER FRISÖRE“, passt ja, da hat man gleich einen Haufen haareschneidender Männer vor Augen. Das ist linguistische Psychologie, aber wer will sich da schon auskennen.
Klar ist es so ein Malheur mit dem Gendern und weiß Gott, auch wir haben immer wieder unsere redaktionellen Herausforderungen. Als Hauptbezeichnung der Friseurinnung und gleichsam im Logo nur von WIENER FRISÖRE zu sprechen, grenzt jedoch im wichtigen Titel Frauen aus. Dabei könnte man bei 95% Friseurinnen doch eigentlich „WIENER FRISEURINNEN“ sagen, ob das den Männern gefallen würde, ich glaube nicht.



Schade, denn diese, im Herzen großartige Aktion, hat für uns ihr Ziel weitestgehend verfehlt. Weiblicher Nachwuchs sollte, subtiler Kommunikation sei Dank, nun noch weniger motiviert sein, als er es zuvor eh schon war.

Und um die Frage zu beantworten: JA, JA, JA, es gibt sie, sensationelle Friseurinnen, erfolgreiche Unternehmerinnen, unterhaltsame Bühnenakteurinnen, inspirierende Trainerinnen, einsatzstarke Berufsschullehrerinnen, aktive Innungsmeisterinnen, tolle Mitarbeiterinnen. Ich könnte Namen nennen, die Liste wäre lang und niemals vollständig.

PS: Marcus Eisinger hat in diesem Zusammenhang gleich den Männerüberschuss im Innungsausschuss bemängelt und bat mich doch allen Frauen mitzuteilen, dass die Innung händeringend nach weiblichen Mitgliedern sucht. Also nehmt ihn beim Wort, liebe Friseurinnen!