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12.05.2011

Georg Wilhelmer hat klare Erwartungen

Seit 1978 lenkt er in dritter Generation die Geschicke des seit 100 Jahren bestehenden Klagenfurter Traditionsunternehmen Wilhelmer. Seit 30 Jahren ist er Trainer im Wifi und beschäftigt sich in dieser Position intensivst mit der Aus-und Weiterbildung des Branchennachwuchses. Im Einzelnen mit der Planung und Durchführung verschiedener Weiter- und Vorbereitungskurse im Wifi und der Vorbereitung und Schulung der Prüfer/innen für Lap und Meisterprüfung. - Fakten: Filialen: 1| Mitarbeiter: 8 | Lehrlinge: 1 |

Das Friseurunternehmen Wilhelmer besteht seit 100 Jahren! Sie sind Salonbetreiber in dritter Generation, Ihr Sohn bereits Salonunternehmer in vierter. Eine große Tradition! Was ist Ihre Unternehmensphilosophie?
Wir sind Friseure aus Leidenschaft! Uns ist es wichtig typgenau zu arbeiten. Viel wichtiger als modisch um jeden Preis! Fachliche Kompetenz gemischt mit Wohlfühlen in unseren Salons hat höchste Priorität.

Wie vermitteln Sie potentiellen Mitarbeitern Ihre Werte?
Durch menschliches Miteinander gepaart mit gegenseitigem Respekt und Achtung.

Auf welche Stärken setzen Sie bei Mitarbeitern?
Ehrlichkeit, Freundlichkeit, fachliche Kompetenz, den Willen nach vorne zu blicken und sich weiterzuentwickeln, Spaß und Freude in unserem Team zu sein.

Wie werten Sie Bewerbungsbögen aus und wer entscheidet mit über die Einstellung neuer Mitarbeiter?
In erster Linie mein Sohn Mario als engster Vertrauter und nach Bedarf eine Mitarbeiterin unseres Vertrauens.

Welche Konzepte zur Weiterbildung bieten Sie Ihren Mitarbeitern?
Trendorientierung auf Modeschauen, Ausbildungskonzepte unserer Industiepartner, auf jeden Mitarbeiter spezifisch notwendig abgestimmte Planung.

Was bedeutet Ihnen Ihre Position als Landesinnungsmeister?
Es ist eine Ehre diese Funktion ausüben zu dürfen. Ich merke natürlich erst jetzt wie Zeitaufwendig es ist diese Tätigkeit im Sinne unserer Mitgliedsbetriebe auszuüben, was ich natürlich mit großen Engagement und Einsatz gerne mache. Ich sehe mich als Ansprechperson und Vermittler für die Kollegen.

Beim Bundeslehrlingswettbewerb hat Kärnten den begehrten Wanderpokal gewonnen und hat u.a. als Bundesland durch einheitliche Outfits einen aktiven und geschlossenen Gesamteindruck hinterlassen. Was können Sie für den Nachwuchs tun?
Ich glaube, dass wir in der Vergangenheit schon gezeigt haben dass wir mit unseren Aktivitäten auf dem richtigen Weg sind. Das Ablegen der Zwischenprüfung, zur Hälfte der Lehrzeit, gibt den Lehrlingen nicht nur die Möglichkeit einen Teil der Lehrabschlussprüfung abzulegen, sondern durch dafür vermehrtes Training schon in der ersten Hälfte der Lehrzeit sich aktiv am Betriebsgeschehen zu beteiligen. Durch die in Kärnten geborene Kampagne „Karriere mit Schere“ haben alle interessierten Jugendlichen die Möglichkeit sich an den Infotagen in ganz Kärnten einen Überblick über die Anforderungen unseres Berufes zu bilden. Dadurch ist gewährleistet dass die „besten und geeignetsten“ Jugendlichen für diesen Lehrberuf gefunden werden können. Die Durchführung von Wettbewerben trägt natürlich auch zur Leistungssteigerung bei. In Kärnten haben heuer über 200 Teilnehmer (Österreichrekord) am Landeslehrlingswettbewerb, und beim einzigen in Österreich regelmäßig durchgeführten, internationalen Wettbewerb ca. 100 Teilnehmer teilgenommen. Den Teilnehmern am Bundeswettbewerb stellen wir die besten Trainer kostenlos zur Verfügung. Natürlich muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass viele dieser Aktivitäten nur in Zusammenarbeit mit den drei Fachberufsschulen, Klagenfurt, Villach und Spittal/Drau durchführbar sind.

Als Landesinnungsmeister haben Sie die Möglichkeiten Dinge zu verändern, bzw. voran zu treiben und die Branche positiv zu beeinflussen. Was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?
Natürlich das Image und die Wertigkeit unseres Berufsstandes weiter zu heben. Die Ausbildung unseres Nachwuchses noch mehr zu unterstützen. Durch gezielte Gemeinschaftswerbung noch mehr auf die qualitativ hochwertigen Leistungen unseres Berufsstandes und besonders unserer Meisterbetriebe aufmerksam zu machen. Die Politik zu überzeugen mehr auf die Wünsche und Anforderungen der Unternehmen einzugehen.

In den letzten Jahren ist die Zahl der ausbildenden Lehrbetriebe in Österreich stark rückläufig. Woran könnte das liegen? Was ist zu tun?
Auch hier glaube ich dass wir das in Kärnten schon früh erkannt haben und durch oben angeführte Schwerpunkte ein wenig gegensteuern konnten. Denn nur deswegen ist es zu erklären dass im vergangenen Schuljahr in den ersten Berufsschulklassen ca. 10% mehr Lehrlinge als in den vorangegangenen Jahren eingeschrieben waren. Ein Grund ist sicherlich auch bei unsern Politikern zu suchen. Wenn Frauenministerin und Arbeitsminister unisono erklären, bei der Berufswahl keine Fehler zu machen und der Trendberuf Friseur/in „schlechter bezahlt“ ist als z.B. Mechaniker dann kann ich das nicht nachvollziehen und behaupte das Gegenteil. Ich glaube dass nicht die Lehrlingsentschädigung zum Erlernen eines Traumberufes ausschlaggebend sein sollte, sondern die Freude am Beruf und die vielen Möglichkeiten kreativ zu sein, mit und am Menschen zu arbeiten.

Welche übergreifenden Wünsche für die Branche haben Sie an Unternehmer und Industrie?
Die Unternehmer sollten den Jugendlichen Vertrauen schenken, die Chance und Möglichkeit bieten unsern wunderschönen Beruf zu erlernen. Sie sollten in den Kollegen Mitbewerber, aber keine Feinde sehen. Alle möchten im Beruf erfolgreich sein. Gemeinsam können wir viel mehr für die Branche erreichen. Sie sollten die Preise für ihre Leistungen nach ihren Möglichkeiten kalkulieren und sich nicht unter ihrem Wert (Preis) verkaufen.
Von der Industrie wünsche ich mir zwischenbetriebliche Ausbildungsmaßnamen, zu interessanten Konditionen, im Sinne unserer Azubis und deren Ausbildung, zu unterstützen oder durchzuführen.
Das Image der Friseurbranche nach außen zu fördern und durch Werbemaßnamen beim Konsumenten (Endverbraucher) stärker zu bewerben.
Im Klartext: Für den Endverbraucher im Handel werden sehr viel Werbemittel aufgewendet. Die Friseure schauen durch die Finger und fühlen sich benützt.


Weblink:
www.friseur-wilhelmer.at


August 2010


Interview: Katja Ottiger