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23.05.2011

Birgit Mosser: stark, kreativ, innovativ

Die Salon-Chefin ist nicht nur für Ihr Unternehmen BM Haarstudio tätig. Sie ist auch Trainerin in der Wirtschaftskammer und hält LAP Kurse, Meisterkurs und sonstiges. 10 Jahre war Birgit Mosser freie Mitarbeiterin bei WELLA und ist jetzt auch an der Fachberufsschule in Spittal /Drau als Diplom Pädagogin tätig.

Ihr Mitarbeiter Motto?
Die Stärken eines jeden erkennen, dort ansetzen und diese weiterentwickeln: die Stärken stärken. Jeder soll sich für den anderen einsetzen, vor allem auch für den Nachwuchs und von Generation zu Generation das Wissen weitergeben.

Auf welche Stärken setzen Sie bei Mitarbeitern?
Teamfähigkeit, offen für Weiterbildung, Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Spaß an der Arbeit,

Was imponiert Ihnen an Bewerbern?
Lehrlinge: Wenn sie sich alleine beim ersten Mal vorstellen (traut sich allein, zeigt Selbstbewusstsein), gepflegtes Auftreten
Stylisten/innen: gepflegtes Auftreten, nicht gleich nach Lohn und Urlaub fragen, wenn ich das Gefühl erhalte, der/die will unbedingt bei mir arbeiten (Leidenschaft für die offene Stelle), ordentliche und saubere Bewerbungsunterlagen, viel Erfahrung (Seminare, etc.)

Ihre wichtigsten Fragen im Bewerbungsgespräch?
Warum wollen Sie bei mir arbeiten?
Wir machen sehr viel Weiterbildung, sind Sie dafür bereit?

Welchen Rat können Sie zukünftigen Lehrlingen / Mitarbeitern beim bewerben geben?
Lehrlinge: Pflegt euch und schaut auf euer Aussehen, selbstbewusstes Auftreten. Schreibt eure Bewerbung selbst, denn spätestens beim Bewerbungsgespräch fällt es auf. Habt Mut, auch wenn die Noten schlecht sind.
Friseur/in: Der erste Eindruck zählt bei einer Friseurin: Auftreten, Aussehen, Frisur und bitte nie über einen anderen Salon schimpfen.

Sie sind seit vielen Jahren selbst Lehrausbilderin, bzw. unterrichten zusätzlich auch an der Berufsschule in Spittal/Drau. Haben sich Ihre Erfahrungen mit Lehrlingen über die Jahre geändert? (Interesse am Job, Lernbereitschaft, Auftreten eines Lehrlings)?
Nein! Es gibt eher einen Unterschied zwischen Stadt und Land. Die Jugend in der Stadt hat andere Werte, der Umgangston ist ein anderer. Vom Land kommend ist die Jugend noch respektvoller und familienorientierter.
Das Elternhaus ist sehr wichtig, Eltern sollten ihren Kindern Unterstützung und Halt für die Lehre geben, leider beobachte ich oft das Gegenteil.

Wie integrieren Sie neue Mitarbeiter am schnellsten?
Gemütliches Zusammensitzen im Team – Kennenlernrunde. Wir haben eine Salonphilosophie-Mappe und die wird Pflichtlektüre der ersten Wochen. Eine Person wird als Mentor für die/ den Neue/n abgestellt.

Können Sie als Saloninhaberin und Berufsschullehrerin Schwachstellen bei der berufsschulischen Ausbildung, bzw. bei der Ausbildung im Salon feststellen?
Ich finde es sollte noch mehr praktischen Unterricht geben. Forder und Förderunterricht um noch mehr die Stärken der einzelnen zu entwickeln. Man könnte sicher noch mehr Seminare anbieten um die interessierten zu unterstützen. Durch die Zwischenprüfung wird der Stand des Lehrlings überprüft und sein fachliches Können. Das ist gut so.
Die meisten Lehrlinge bleiben lange auf dem Level des ersten Lehrjahres stehen, erst im 3 gibt es wieder einen großen Fortschritt (Schneiden an Damen,. ..) dies führt häufig zu großem Frustrationspotential im 2ten Lehrjahr. Hier müsste man sich noch Gedanken über einen möglichen Motivationsschub machen.

Welche Eigenschaften versuchen Sie zu fördern, um Lehrlinge auf ihre spätere Profession vorzubereiten?
Selbstbewusstsein und Sprache, Sprachkultur und schönes Sprechen, Teamfähigkeit

Welches sind für Sie die größten Fehler, die Lehrlinge / Schüler während der Ausbildung machen können?
Lügen! Betriebsgeheimnisse ausplaudern! Null-Bock-Haltung!

In den letzten Jahren ist die Zahl der ausbildenden Lehrbetriebe in Österreich stark rückläufig. Woran könnte das liegen?
Man kann den Rückgang erkennen. Die Lehre mit Matura, die es kurzem nun in Kärnten gibt, wird wieder zum Aufschwung führen. Eltern legen Wert auf den Grad der Bildung und die zusätzliche Wertigkeit. Der Jugendliche hat den Matura Anschluss und einen Beruf, damit also bereits 2 Standbeine. Das wird langfristig zu einer Aufwertung und einer stärkeren Ausübung der Lehre führen.

Gab es schon mal eine Situation, in der Sie einem Lehrling einen Berufswechsel nahe legen mussten, und wenn ja, warum?
Eltern sind häufig sehr bemüht eine Lehrstelle zu finden und drängen ihren Spross, dann auch mal in eine Richtung, die nicht der Begabung entspricht, einfach aus Angst keine Arbeit zu haben. Dies ist verständlich, dennoch suchen wir hier den offenen Dialog mit den Eltern.

Ihr wichtigster Tipp für die Mitarbeitermotivation?
VORLEBEN!

 

April 2009


Interview: Katja Ottiger