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31.05.2016

Bella Gehwolf denkt über das Aufhören nach

Von außen schaut immer alles so einfach aus!
Wir sprachen mit der umtriebigen Rauriserin, die sich seit vielen Jahren scheinbar mühelos auf dem Branchenparkett bewegt über Innungsarbeit und Fortschritte, über den zukünftigen Friseur mit höherem Schulabschluss und vererbte Leidenschaften, die an anderer Stelle zum Vorschein kommen. Überrascht aber hat sie uns gleich zu Beginn unseres Gespräches.
 

Fakten:

geboren und aufgewachsen in Rauris

seit 1990 Unternehmerin

seit 2006 LIM Stellvertreterin in Salzburg

1 Salon in Rauris | 8 Mitarbeiter: 4 Meister, 1 Juristin, 2 Gesellen, 1 Lehrling

Prüfungsabnehmerin, diverse Jurytätigkeiten

Arbeitskreis für Aus- und Weiterbildung in der Bundesinnung

Koopiertes Bundesinnungsausschuss-Mitglied

Trainerin, Seminare, Schulungen | Lernvideos für video2hair

wichtige Stationen: Hella Kotmair-Reischl, Sturmayr Coiffeure , Brian Mc Lean

Auszeichnung: 2015 Bester Lehrbetrieb Land Salzburg




imSalon: Du bevorzugst Bella, statt Isabella, was dein eigentlicher Name ist. Warum?
Bella Gehwolf: "Bella" ist mir ganz wichtig. Isabella wurde ich als Kind nur dann genannt, wenn es ernst wurde. Ich unterschreibe sogar immer mit Bella, es sei denn, es sind wichtige offizielle Dokumente, dann aber immer: IsaBella!

imSalon: Bella, derzeit bist du Stv. LIM von Salzburg. Hast du Ambitionen die nächste Landesinnungsmeisterin zu werden?
Nein, überhaupt keine! Das würde außerdem noch 4 Jahre dauern und ich denke, das wäre dann der Zeitpunkt, an dem ich mich zurückziehen werde. In die Pension (lacht).
Das ist jetzt nicht das, was du gern gehört hättest, oder?

imSalon: Hm, das stimmt… Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das dann schon so weit sein soll.
Dann mal rein hypothetisch: Gibt es etwas, dass du als Landesinnungsmeisterin anders machen würdest?

Nein. Da fällt mir nichts ein, denn ich finde, in den letzten Jahren hat sich einiges bewegt. Allein wenn ich an die Modeschule Hallein denke! Ein tolles Projekt, bei dem uns eine erfolgreiche Umsetzung gelungen ist.
 

„Ich habe mitbekommen, wie wichtig den Eltern ist, dass Kinder die Schule „gescheit“ beenden … und dass sie ihnen deshalb raten NICHT Friseur zu werden.“



imSalon: Weil du es ansprichst, du warst von Anfang an in die Entwicklung des neuen Ausbildungskonzeptes involviert. Wie kam das?
Ich bin seit Jahren für die Berufsinformationsmesse verantwortlich. Dort habe ich immer mitbekommen, wie wichtig es den Eltern ist, dass ihre Kinder die Schule „gescheit“ beenden, sprich mit der Matura, und dass sie ihnen deshalb raten, NICHT Friseur zu werden. Es ist toll zu sehen, wie sich das Hairstylisten Konzept in Hallein entwickelt hat, wie zufrieden Schüler und Eltern sind. Die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr ist gestiegen.

Eröffnung Modeschule Hallein u.a. mit Michaela Joeris & BIM Wolfgang Eder

imSalon: Kann das die Lösung für das Problem in der Nachwuchsgewinnung sein?
Das wird nicht die Lösung sein, aber eine Möglichkeit, junge Leute für den Beruf zu gewinnen. Ich denke, die Zukunft wird zeigen, dass es nicht mehr der 15-jährige Lehrling sein wird, der den Beruf ergreift, sondern immer mehr Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen oder Spätberufene mit 20, 25, 30 Jahren oder älter.

imSalon: Deine beiden Söhne sind auch keine Friseure.
Stimmt, da bestand kein Interesse. Wobei, der eine ist Chirurg. Da hat sich offenbar die Leidenschaft zum Schneiden durchgesetzt (lacht).

imSalon: Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, gibt es grob zwei Haltungen: Die Jüngeren meinen, als Friseur verdien ich nix, muss viel arbeiten und freundlich sein (!). Die Älteren wiederum könnten sich vorstellen, dass der Alltag in einem eigenen Salon etwas Tolles sein kann und durchaus finanziell einträglich. Gewinnen wir Nachwuchs doch über „glückliche“ Eltern?
Die Friseurbranche wird generell falsch eingeschätzt. Der 15 bis 16-jährige Jugendliche möchte nicht viel arbeiten. Freundlich und höflich sein interessiert die in dem Alter meistens noch nicht, das kommt später. Mit 17 oder 19 Jahren sind sie viel reifer für den Job, sie empfinden freundlich sein nicht als Strapaze, sondern wissen es zu leben.
Wenn jemandem etwas runter fällt, dann bück ich mich um behilflich zu sein, das habe ich in mir. Als Mensch und Dienstleisterin. Ich muss sonnig sein, gut gelaunt sein, motiviert sein und interessiert und fleißig, um das handwerkliche Können zu verbessern. Dafür muss ich üben, üben, üben.

imSalon: Da fällt mir Preisfrisieren ein! Du bist in der Jury bei Lehrlingswettbewerben aber auch, als ehemalige Sturmayr Mitarbeiterin, beim Sturmayr Award. Warum haben die, wie auch andere Granden der Branche, ihre eigenen Mitarbeiterwettbewerbe und meiden die LLW`s?
Ich denke, dass diese Betriebe diese Awards als Werbung für sich selbst besser nutzen können. Der Sturmayr Award ist eine tolle, hochwertig konzipierte Veranstaltung und als Jugend- und Firmenfest perfekt organisiert. Und die Sieger kann man gezielter in der Werbung einsetzen. Aus Unternehmenssicht ist das natürlich verständlich. Aber schade für die Lehrlingswettbewerbe, hier kämpfen wir seit Jahren um bessere Teilnehmerzahlen. Wobei ich betonen möchte, dass gerade Intercoiffeur Mayer und dm immer dabei sind!

ImSalon: Wie bist du eigentlich in die Innung gekommen?
Ich hab vor vielen Jahren mal ein Gondelfrisieren organisiert.

imSalon: Wie bitte, Gondelfrisieren?
Ja, damals wurde bei uns in Rauris die neue Gondelbahn eröffnet und wir dachten, das wär eine tolle Werbung für unseren Beruf. Unterstützt hatten uns damals Goldwell, ich war einige Jahre für Goldwell als Fachtrainerin tätig, und viele Kollegen, die mitgearbeitet haben. Eingeladen hatten wir auch die Innung, damals noch unter Landesinnungsmeisterin Hella Kotmair-Reischl und Stellvertreter Erich Werfer. So entstand der erste Kontakt zur Innung und die Frage, ob ich mir Innungsarbeit vorstellen könnte.
 

"Die, die am Lautesten schreien, sind leider oft auch diejenigen, die sich selbst nicht einbringen würden."



imSalon: Hattest du andere Erwartungen? Hättest du rückblickend mehr bewegen wollen, als du konntest?
Von außen schaut immer alles so einfach aus. Es ist so, dass in der Innungsarbeit ganz, ganz viel entsteht. Und es sind immer die, die am Lautesten schreien, leider oft auch diejenigen, die sich selbst nicht einbringen würden. Die sind gern eingeladen, zuzuschauen und sich persönlich ein Bild von der Arbeit zu machen und ihre Interessen zu vertreten. Wir sind an strenge Gesetzmäßigkeiten gebunden, gerade beim Arbeitsrecht und beim Jugendschutzgesetz, die Berufsschulen wiederum unterliegen dem Unterrichtsministerium, die gesellschaftlichen Ansprüche ändern sich ständig. Es kann 3-5 Jahre dauern, bevor eine einzelne Idee durchgebracht werden kann. Und das kommt den Leuten halt sehr langsam vor.

imSalon: Gibt es Blockierer?
Es geht nicht ums Blockieren. Es wird immer diskutiert und demokratisch abgestimmt und sich für die beste Idee entschieden. Die Meinungen und die Argumente der anderen müssen angehört werden und abgewogen, es müssen Kompromisse gefunden werden. Auch wenn oft der Satz fällt: Das ist leider nicht zu ändern.
 

"Mit den neuen Lehrlingsentschädigungen setzen wir ein wichtiges Zeichen."



imSalon: Aktuell haben viele Unternehmer die kurzfristige Kommunikation der neuen Lehrlingsentschädigungen kritisiert.
Inwiefern das zu spät kommuniziert wurde, kann ich nicht sagen.
Mit den neuen Lehrlingsentschädigungen setzen wir ein wichtiges Zeichen, die waren in unserer Branche sehr weit unten angesetzt. Ein junger Mensch, der viel arbeitet, sollte auch entsprechend entlohnt werden. Er hat das Recht gut ausgebildet und nicht nur als Umsatzbringer gesehen zu werden.


imSalon: Du bist in der Bundesinnung für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich und als Prüfungsabnehmerin hast du einen guten Überblick über die Nachwuchslandschaft. Sinkt das Niveau der Branche?
Es treten zwar zu den Lehrabschlussprüfungen weniger an als noch vor fünf Jahren, aber das Niveau an sich ist nicht schlecht. Wir haben Lehrlinge, die sehr, sehr gut sind. Unter 100 sind 20 schlechter, 80 besser. Das ist so wie in jedem anderen Beruf. Es kommt immer auf jeden einzelnen an. Pauschal zu sagen, das Niveau ist nicht gut, ist allen Besseren gegenüber sehr ungerecht.
Bei den Prüfungen bin ich als sehr streng, aber gerecht bekannt. Das gefällt mir. Die Jugendlichen möchten sehen, ob ich sattelfest bin und wissen, wohin ihr Weg geht.
 

"Newsletter? ... die würden mich auf der Straße fragen, warum ich das denen nicht einfach auch so sagen kann."



imSalon: Dein Unternehmen hat keine Website. Warum nicht? Wie hältst du es mit Internet & Co.?
Nun, seit über 6 Jahren haben wir an jedem Platz ein iPad montiert. Mit Facebook sind wir fix dabei. Und von Anfang an, seit 26 Jahren, arbeiten wir mit Computer und Registrierkassa! Eine Homepage habe ich nicht, die brauche ich in Rauris, einer 3.500 Leute Gemeinde, auch nicht. Außerdem muss ich die warten, das nimmt mir Zeit weg, die ich in der Arbeit besser einsetzen kann. Und wenn ich einen Newsletter verschicken würde, würden mich die Leute auf der Straße komisch anschauen und fragen, warum ich das denen nicht einfach auch so sagen kann.

imSalon: Wer hat dich beruflich inspiriert?
Brian Mc Lean, der Entwickler der Curl Sys Haarschneidetechnik. Für ihn habe ich 10 Jahre lang als freie Trainerin gearbeitet. Er ist ein herausragender Lehrherr, der es schafft, einen Haarschnitt technisch in Perfektion zu vermitteln und zu erklären, dass man ihn bis ins Detail wirklich versteht.

imSalon: Welche Berufsbezeichnung findest du besser: Friseurin oder Hairstylistin?
Das ist mir persönlich egal. Ich mag Friseurin nicht mit „ö“ geschrieben. Und ich mag nicht als Friseuse bezeichnet werden!
 

"Der Kampf um den Kunden hat mit der Persönlichkeit zu tun."



imSalon: Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Branche entwickeln?
Momentan gibt es viele Mobilfriseure. Ich denke, die werden in den nächsten Jahren rückläufig werden. Qualität wird wieder mehr gefragt sein, die Tendenz geht zu Salons, auch in der Größenordnung von 6-8 Mitarbeitern, möglicherweise auch zu EPU-Salons mit Stuhlmietern. Ich denke, Ketten werden nicht weniger werden, da dort häufig die Qualität stimmt. Das wird immer eine Frage der Philosophie sein und ich denke, die Wahl des Friseurs hängt immer von der Bezugsperson ab. Der Kampf um den Kunden hat mit der Persönlichkeit zu tun.

imSalon: Was wünschst du dir für die Branche?
Dass wir immer in Bewegung bleiben. Stillstand ist ein No-go in unserer Branche. Wir arbeiten in einem Mode- und Kreativberuf, da ändert und erneuert sich ständig etwas. Und ja, es gibt auf der einen Seite die, die sich gern mal über Neues aufregen und auf der anderen Seite, die, die alles Neue sofort gut finden. Zwei Jahre später ist dann alles wieder anders und man fragt sich, warum man überhaupt so viel Energie hinein gesteckt hat. Ich bewege mich gern!


Das Interview führte Katja Ottiger