Axel Meininghaus weiß, dass viele sich ausbilden lassen, um eigene Friseurgeschäfte zu eröffnen | Credit: Matthias Merz

15.10.2020

Axel Meininghaus: Ausbildung ja, aber viele machen sich selbstständig

Der Ausbildungsmarkt wächst und immer mehr starten in den Friseurberuf als Quereinsteiger mit der Meininghaus Friseurakademie. Und bei ihm: Axel Meininghaus! Er ist ein Macher, eine Institution - als Ausbilder, als Branchenkenner, als Mensch. Jedoch, es fehlt ein Nachfolger.

Im Telefongespräch mit Katja Ottiger

Herr Meininghaus, wie hat die Meininghaus Akademie den Lockdown und die damit einhergehenden Einschränkungen überstanden?
Axel Meininghaus:
Gut. Wir waren sechs Wochen im Shutdown, fingen also eine Wochefrüher wieder an als die Salons, denn wir durften die Meisterprüfungen, die zu dem Zeitpunkt liefen, noch abschließen. Wir haben normalerweise ein leichtes Sommerloch, aber keinen Rückgang im August Unserer Mitarbeiter waren anfangs einen Monat in Kurzarbeit und verzichteten auf eine Woche ihres Urlaubs. Durch die Coronahilfe und durch unsere Rücklagen hatten wir keine finanziellen Probleme.

Und wie läuft es im Moment?
AM:
Wir haben großen Zulauf, die Nachfrage nach Basis-Friseurausbildungen für Anfänger gegenüber dem Vorjahr ist deutlich gestiegen. Allerdings mussten wir einige Seminarformate absagen, denn die Nachfrage nach Aufbau-Seminaren hatte stark nachgelassen. Das war kein Wunder, es hatten ja alle mit dem Kundentsunami in den Salons zu kämpfen.

Wer sind denn die neuen Friseur-Azubis?
AM:
Zum großen Teil Umschüler! Da gibt es zum einen diejenigen, die Angst um ihre Arbeitsplätze in der Industrie haben und sich neue Berufsfelder suchen, oder die, die sagen: „Eigentlich wollte ich immer schon Friseurin werden.“ Aber auch manche, die gerade das Abitur gemacht haben, oder auch Kinder von Salonbesitzern, die jetzt in den Beruf einsteigen möchten.

„Viele hat Corona auf den Boden der Tatsachen geholt.

Worauf führen Sie das zurück?
AM:
Viele hat Corona auf den Boden der Tatsachen und auch aus Verdienst-Träumen geholt. Es ist nicht mehr allen wichtig, unbedingt zu studieren. Mancher will nun endlich das machen, was er immer schon machen wollte. Wir haben an manchen Unis 1000 BWL-Studenten, das kann ja nicht gut gehen, die können doch unmöglich alle am Arbeitsmarkt Fuß fassen! Immer mehr Menschen erkennen: Handwerk ist etwas Solides!

Wie sehen Sie die nahe Zukunft?
AM:
Ich bin nicht in Sorge, bin entspannt. Ich erwarte auch keine 2. Welle der Schwerkranken, höchstens eine weitere Welle der Infizierten, das ist nicht dasselbe. Aber das liegt daran, dass mehr getestet wird. Ehrlich gesagt, wollte ich, bevor die Zahlen wieder zu steigen begannen, beim Gesundheitsamt nachfragen, warum wir, trotz des Mund-Nasenschutzes, in den Friseursalons die Abstände zwischen den Bedienplätzen einzuhalten haben. Aber damit halte ich mich im Moment lieber zurück (lacht.)

„Hätten wir keine Abstandsregeln hätten wir den Megaumsatz.

Gibt ee Herausforderungen im Ausbildungsbereich?
AM:
Die Abstände in der Schule sind ein Problem. Ich kann nicht so viele Leute annehmen, wie ich könnte, obwohl ich extern einen größeren Theorieraum dazu gemietet habe. Leider muss ich immer wieder Interessierten absagen und sie auf später vertrösten. Das ist schade. Ich schätze, durch den großen Zulauf, den wir derzeit haben, werden wir den gleichen Umsatz wie im letzten Jahr generieren. Hätten wir keine Abstandsregeln, hätten wir den Megaumsatz!

Nicht alle Anbieter von Seminaren würden das derzeit unterschreiben. Was ist der Unterschied?
AM:
Wir machen die Grundausbildung. Wenn Leute glauben, sie wollen Friseur werden, dann kommen sie zu uns. Was uns abhebt: Wir bilden an Modellen aus und nicht am Trainingskopf.

Axel Meininghaus von der Meininghaus Friseurakademie im Interview
Axel Meininghaus und die Meininghaus-Akademie bilden in Forchheim Friseure aus | Credit: Markus Schmidt

Also weniger Weiterbildung, stattdessen versorgen Sie den Markt mit neuen Mitarbeitern?
AM:
Es herrscht Bewegung im Mitarbeitermarkt. Aber viele, die sich bei uns ausbilden lassen, wollen sich selbstständig machen. Die haben Eltern oder andere Verwandte im Rücken und möchten in einem geschützten Bereich möglichst schnell gut werden, die Gesellenprüfung, dann möglichst bald die Meisterprüfung machen, und danach einfach den Laden übernehmen. Und wenn sie schon einen abgeschlossenen Beruf haben, reicht in den meisten Fällen ein Kompetenzjahr. Danach können sie in unserer Kammer zur Prüfung antreten.

Aus welchen Berufsgruppen kommen denn die Leute?
AM:
Momentan habe ich z.B. eine kaufmännische Angestellte, eine Lagerarbeiterin, eine Konditorin, einen Schlosser… Und man glaubt gar nicht, welche Talente und Leidenschaft für das Handwerk da verborgen liegen!

Was beschäftigt Sie persönlich?
AM:
Die Digitalisierung der Schule! Im Speziellen das Buchungssystem für Schulungen, dafür gibt es kein Programm, das müsste etwas selbst Gestricktes, Personalisiertes sein.
Und der Generationenübergang! Ich sag mal so: Das Geschäft muss der Jugend überführt werden. (lacht)

Wann soll das passieren?
AM: In den nächsten 3- 4 Jahren. Im Prinzip könnte ich könnte schon in Rente gehen, aber zuvor muss ich schauen, wer den Boss in Zukunft geben möchte. (lacht)

Über Axel Meininghaus:
Seit 1988 Geschäftsführer der „Meininghaus Akademie der Friseure“, die er gemeinsam mit Frau Johanna und Schwester Antje betreibt, sowie zusammen mit seinen beiden Neffen Andi und Tobi 3 Salons.

MEININGHAUS Akademie:
Friseurfachschule, Akademie der Friseure mit Sitz in Forchheim

MEININGHAUS Friseure:

  • 1 Salon in Bamberg mit 2 Ladenlokalen
  • 1 Salon und 1 „Pop up“-Salon in München
  • 1 Trainingssalon der Akademie in Forchheim – auch zur Aus- und Weiterbildung eigener Mitarbeiter