Wolfgang Luttenberger ist erfolgreich - so einfach
INTERVIEW

Wolfgang Luttenberger ist erfolgreich - so einfach

Unternehmens Kick SP Energy Code, Salon-Renner Calligraphy Cut, AMS AKQA im Selbsttest und ein persönliches Messe-Ranking.

Fakten

1 Salon in Kirchberg/Steiermark | Familienbetrieb seit 1970
2003 Übernahme | 5 Mitarbeiter
Ausbildung im Familienbetrieb
Bezirksvertrauensperson in Feldbach, Innungsausschuss Steiermark
Juror LLW


Das Gespräch führte Katja Ottiger

imSalon: Herr Luttenberger, wir treffen Sie immer wieder auf bei Messen, Innungen, Seminaren ... Heuer war ja schon viel los, eine Messe nach der anderen. Ihr Feedback?
Wolfgang Luttenberger: Die TOP HAIR in Düsseldorf ist Championsleague! Die AUSTRIA HAIR folgt mit Bundesliga Niveau. Sehr gute Location, auch die Shows und überhaupt ein tolles Konzept! Das HAIR FESTIVAL in Graz. 1. Liga - das ist ja die Liga, die derzeit aufgestockt wird. (lacht.) Die Shows waren toll, die Messe reine Verkaufsmesse, leider ohne die großen Industriepartner.
Ich verstehe nicht, warum nicht in einem Jahr die Messe in Wien stattfinden könnte, im nächsten Jahr darauf eine in Graz und im dritten Jahr wieder eine HAARMANIA? Da hätten alle mehr davon.


Wolfgang und Heidemarie Luttenberger mit imSalon´s Raphaela Kirschnick (links) bei TOP HAIR 2017

"Calligraphy Cut ist für mich Haareschneiden im 21. Jahrhundert..."



Wann haben Sie zuletzt auf einer Messe etwas Innovatives entdeckt?
Hmm … überlegt kurz. Da gab es in diesem Jahr den Tondeo-Blazor und die Heiße Schere (The Care Cut, Anm.) und nach wie vor jede Mange Barber Sonderausstellungen. Aber so richtig innovativ war für mich in den letzten Jahren der Calligraphy Cut von Frank Brormann. Den habe ich vor 3 Jahren entdeckt und bin bis heute begeistert. Der ist ein Renner bei uns im Salon. Früher habe ich drei Scheren in der Hand gehabt, jetzt brauch ich nur noch diese eine. Das ist für mich Haareschneiden im 21. Jahrhundert. Wir haben durch den Calligraphy Cut sicherlich wöchentlich zwei Neukunden. Hier werden alle Mitarbeiter regelmäßig von chaos hairconcept geschult.

"Mitarbeiterausflüge sind unsere Art Danke zu sagen..."



Sie organisieren regelmäßig Weiterbildungsausflüge für das komplette Team, so wie die Messebesuche. Das kostet Geld.
Ja, aber alle profitieren davon. Der Mitarbeiter durch Motivation, der Kunde von motivierter Beratung und guter Dienstleistung. Mitarbeiterausflüge sind unsere Art DANKE zu sagen und Anerkennung zu zollen, wer freut sich nicht über Lob? Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und das soziale Gewissen. Eine Win-Win Situation.
Wir haben gerade erst die HAARMANIA für 2017 gebucht, die finde ich toll. Wir reisen samstags nach der Arbeit an, gehen gemeinsam Abendessen und sind am nächsten Tag ausgeschlafen und gut gelaunt. Am Vorabend können wir Akteure der Partnerfirmen treffen, von jemandem wie Bertram K Konzepte und Inspirationen ableiten. Berufliches Networking – extrem wichtig!
Die Reaktion der Mitarbeiter? Hurra, wir sind dabei! Wir leben Weiterbildung vor, so kann ich Fortbilden auch vom Mitarbeiter verlangen. Stillstand ist Rückschritt. Und Erfolg ist Arbeit. In unserer Branche ändert sich viel, da muss ich dranbleiben. Wenn ich einen Herren vor mir sitzen habe, möchte ich ihm sagen können, wohin der Trend geht.

Aber DEN Trend gibt es doch gar nicht mehr, jeder möchte Individualität leben.
Es gibt natürlich Trend-Richtlinien, gerade bei den Farbtechniken. Aber ich muss mir meinen Kunden genau anschauen und passende (Trend-) Anregungen geben. Der modernste Schnitt nützt nichts, wenn der Rest nicht passt. Ich muss wissen, wie viel Zeit investiert mein Kunde in seine Frisur? Mancher geht geschniegelt aus dem Haus, der andere macht morgens erst einmal eine Stunde Sport.

"Lieber eine Kundschaft weniger, dafür eine, die mehr ausgibt."



Sie sind erfolgreich mit SP Energy Code, arbeiten seit Anfang des Jahres damit. Manche betrachten die höhere Preislage mit Skepsis. Was sind Ihre Erfahrungen?
Wir haben uns mit der Entscheidung bewusst Zeit gelassen, um abzuwiegen, ob wir uns das leisten können. Ausschlaggebend waren Internet und Exklusivität. Amazon ist ein Riesenthema. Kunden bestellen dort Produkte zu Schleuderpreisen. Energy Code ist preisgebunden, unabhängig von der Abnahmemenge, die Produkte können nicht günstiger irgendwo im Internet auftauchen. Und es gibt nur an die 150 Salon, die das in Österreich anbieten. Obwohl die Oststeiermark eine wirtschaftlich schwache Region ist, zahlen unsere Kunden das. Energy Code ist Championsleague, nicht nur teuer, sondern auch gut.

Ich sehe schon, ein Fußballfan! Wem halten Sie die Daumen?
Sturm Graz natürlich! (lacht.)

Was macht Energy Code für Sie besonders?
Das Service setzt auf Beratung mit Tablet und App für den persönlichen Fingerabdruck des Haares. Wir haben hierfür extra umgebaut und eine gemütliche Ecke mit Sofa geschaffen. Wir nehmen uns Zeit, auch beim Auftragen: schön mit Spachtel! Unser Credo: Lieber eine Kundschaft weniger, dafür eine, die mehr ausgibt. Wir verkaufen pro Kundin drei, vier Produkte. Die Haarqualität verändert sich, nach zwei Monaten setzen wir mit neuer Beratung nach. Der Energy Code kommt im hübschen Kuvert und die Produkte in einem schönen Sackerl mit nach Hause.

"Gleich zu Terminisieren ist Erziehungssache."



Längere Beratungs- und Dienstleistungszeiten, wie beeinflusst das die Salonplanung?
Wir haben gelernt NEIN zu sagen. Und unsere Kunden umerzogen, gleich Termine zu vereinbaren. Auch die, bei denen wir dachten, dass wir sie verlieren, rufen jetzt drei Wochen vorher an. Gleich zu Terminisieren ist Erziehungssache. Wenn zehn Damen da sind, gehen acht mit neuem Termin nach Hause. 90 Prozent unserer Kunden sind Stammkundschaft, manche fahren gar 70 Kilometer weit. Terminplanung regeln wir am besten gleich mit dem Handy. Das hat meine Frau prima forciert. Wir sind hier in einem dicht besiedelten Friseur-Gebiet, haben 7 Friseure auf 4.400 Einwohner, normalerweise sagt man 1000 Einwohner, ein Friseur. Da braucht es eine gute Philosophie.

Was ist Ihre Philosophie?
Ganz simpel: So wie wir behandelt werden wollen als Kunden, so behandeln wir unsere Kunden.

Wie gehen die Mitarbeiter mit dem Energy Beratungstool um?
Das Energy Code Tablet ist Beratung pur. Den Umgang damit muss man vorleben und einfordern. Der eine Mitarbeiter liebt das, beim anderem muss man mehr einwirken.

"Handel ist ein gutes Nebengeschäft, wenn man das gut durchzieht."



Es gibt ein Menge Produkte für Energy Code, die Sie alle auf Lager haben sollten, wie machen Sie das?
Meine Mutter, ehemalige Friseurin, steht oft draußen im Lager und sagt, das hätte sie sich nicht getraut. Ja, wir haben schon viel auf Lager, aber das muss man heutzutage auch haben. Wir haben hier ROMA und Strempfl ums Eck, wenn Kunden nicht bei mir kaufen, dann eben dort.
Wir sind zwar klein, aber CEO bei Wella. Wir sind also gute Einkäufer, weil wir eben auch gut verkaufen. (lacht.) Handel ist ein gutes Nebengeschäft, wenn man das gut durchzieht.
Wir sagen nicht, das brauchst du, sondern stellen dem Kunden beim Arbeiten das Produkt direkt vor die Nase und geben Tipps und Tricks zur Handhabung. Wenn von zehn Kunden sieben sagen, das nehm ich mit, hab ich ein volles Warenlager.

Haben Sie schon mal ein Webinar ausprobiert?
Selbstverständlich und ich bin begeistert. Z.B. dass ich dort Fragen stellen, die im Chat gleich beantwortet werden, finde ich toll. Zusätzlich zu Salonschulungen im kleinen Rahmen perfekt!
Aber generell setzen wir auf Seminare im Team. Da kann man am besten nachhaken. Sind wir ehrlich, jeder Angestellte hat doch ein Produkt, das er nicht so mag, aber oft sind das Anwendungsfehler. Bei uns gilt: Es gibt keine blöde Frage. Deshalb schreiben wir die uns auf und gehen vorbereitet in Schulungen. Im kleinen Rahmen traut man sich zu fragen.

"Wenn ich etwas ändern will, muss ich mitarbeiten."



Sie sind seit Jahren in der Innung aktiv. Warum?
Jeder hadert doch irgendwie mit der Wirtschaftskammer, ich habe auch dazu gehört. Wenn ich etwas ändern will, muss ich mitarbeiten. Wir in der Steiermark sind derzeit sehr aktiv mit unserer Innungsmeisterin Doris Schneider. Wir haben in dieser Periode erstmals auch tolle, kreative Friseure dabei. Wenn man schaut, wie durchgemischt die Salons bei den Lehrlingswettbewerben sind, das macht stolz. Es wird immer schwieriger, Lehrlinge zu begeistern, für viele waren sie jahrelang billige Arbeitskräfte, heute stehen die Leute besser zur Ausbildung und möchten, dass ihre Lehrlinge tolle Arbeit abliefern.



Sie sind aktiv auf Facebook, hier teilen Sie sogar den ein oder anderen Ihrer vielen Branchenausflüge mit der Social Media Community, haben aber keine Website. Warum nicht?
Wissen Sie, es gibt uns seit 47 Jahren. Wir haben zu 90 Prozent Stammkunden und einen guten Namen. Wir nützen Facebook sehr stark und sind auf Instagram. Bei einer Website wird der Kunde gezwungen, drauf zu schauen, Social Media ist schneller.

"Wenn jeder studiert, wer baut denn dann die Uni?"



Sie haben im Familienbetrieb gelernt und diesen übernommen, denken Sie schon über Familiennachfolge nach?
Ein wenig. Unsere Tochter hat einen Kosmetiksalon und ihr Lebensgefährte beginnt jetzt bei uns seine 18-monatige Lehre im zweiten Bildungsweg. Ihm hatte der Beruf immer gut gefallen und so hat er uns irgendwann gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, ihn auszubilden? JA, können wir! Ich kenne einige Kollegen, die schon mit zweiten Bildungswegen zu tun hatten, die sind durchwegs begeistert und meinten nur: Wolfgang, nimm AMS AKQA (AMS Arbeitsplatznahe Qualifizierung: http://www.ams.at/aqua, Anm.)! Diese Leute sind reifer, von Anfang an belastbarer und sie kennen ihre Pflichten. Ein gutes Beispiel ist hier für mich Sebastian Pfister(Sohn von Peter Pfister, Anm.). Er hat ja auch später angefangen.
Und außerdem: Wenn jeder studiert, wer baut denn dann die Uni?

Ein tolles Schlusswort, vielen Dank!


Das Interview führte Katja Ottiger

Mai 2017

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