Körperkünstlerin Birgit Mörtl
Interview

Körperkünstlerin Birgit Mörtl

In Ihrem Auftragsbuch stehen immer häufiger auch namhafte Friseure wie Christine Wegscheider oder Alexander Lepschi. Die gebürtige Kärntnerin ist Bodypainterin, ausgebildete Schneidermeisterin mit Schwerpunkt Bühnenkostüm und Dekorateurin.

Ihre Kunstwerke und Kreationen schmücken Theaterproduktionen (z.B. Theater an der Wien oder Mörbisch) oder auch mal ein Musikvideo für den Broadway in New York. Sie wird gebucht für Messen, Veranstaltungen wie den Lifeball oder die Hairdressing Awards; für Werbeplakate, Fotoshoots und Geschäftsdekorationen, aktuell für Swarovski.
Seit einigen Jahren gibt die 2-fache Weltmeisterin auch Airbrush Seminare beim Wifi Wien.

Preise

Weltmeisterin Bodypainting 2004, 2011
Vize Weltmeisterin Bodypainting Special Effects 2006, 2009, 2012
WBF Insatallation Art Award 2013
Thailändische Bodypaintingmeisterin 2011



Man kann sagen, du bist Stylistin für Körperkunst und mittlerweile eng mit der Friseurszene verbunden. Wer war hier dein erster Kontakt?
Christine Wegscheider. Ich finde sie faszinierend. Die Sachen, die sie macht, sind sensationell und ich bin begeistert, wie sie alles managt: die Familie, die Kinder, das selbstständig sein, damals noch headQuarters – sie gibt immer Vollgas.

Mittlerweile hast du schon einige Projekte mit Friseuren gemacht: Bodypaintings für Erwin Fehringers Alternative Hair Show, für Alexander Lepschis AHDA und auch für Roland Strassers Show bei den Hairdressing Awards 2012. Wie findest du die Friseur-Welt?
Ich habe jetzt seit 2 Jahren verstärkt Kontakt zu Friseuren und muss sagen, dass das eine ganz besondere, kreative Welt ist! Damals hab ich Alexander Lepschi kennengelernt und mit ihm das erste Mal für die Hairdressing Awards zusammengearbeitet, was ein tolles Projekt war.
Ebenso die Alternative Hair Show in London: Da konnte ich im letzten Jahr die Make up´s für Erwin Fehringer machen und hatte die Gelegenheit, mir dort alles anzuschauen - allein die Show von Dimitri Vinokurov – da ich bin dort gestanden und hab nur gedacht: Wow! Er ist einfach genial! Und ich dachte, hier will ich mich auch mal präsentierten, aber nicht nur mit Make-up, sondern auch unbedingt mal mit meinen Kostümen!

Mit den Bildern, die du mit Alexander Lepschi für die Hairdressing Awards gemacht hast, hat er damals gewonnen. Was hast du dabei im Detail gemacht?
Die Bodypaintings und die Ausstattung kamen von mir, die Haare und die Kopfaufbauten von Alex.

Wie wichtig ist sind bei solchen Arbeiten Fotograf & Ausstattung?
Natürlich wichtig. Wenn ich ein gutes Modell habe, das meine Kunst und meine Arbeit gut transportieren soll, brauche ich den idealen Rahmen dafür und einen guten Fotografen, der alles festhält, alles perfekt macht.

Dein „Rendezvous“ mit den Friseuren, wenn man es so nennen möchte, geht ja weiter: Aktuell warst du für den INSIDER auf der Vienna Fashion Week 2013 gebucht.
Ja, irgendwie rutsche ich jetzt immer mehr in die Friseurszene hinein. Heuer habe ich sogar einem Friseur für die Hairdressing Awards absagen müssen, weil ich wieder etwas für Alex gemacht habe und diesmal auch für Christine (Wegscheider).

Und beide sind in der Königsdisziplin Avantgarde nominiert …
Zurück zum INSIDER: Du wurdest von L’Oréal gebucht, um für den „Leibcoiffeur“ von Lady Gaga Charlie le Mindu zu arbeiten. Wie hast du die Arbeit backstage erlebt?

Das war sehr interessant. Ich wusste anfangs überhaupt nicht, was mich erwartet, außer dass ich goldene Bodypaintings machen soll. Ich hab vorbereitend noch kurz über Charlie le Mindu recherchiert und bin dann mit meinem Arbeitskoffer hingefahren. Der Insider war ein wirklich feiner Job und Charlie ist ein cooler, lustiger Typ.



Wie bist du zum Bodypainting gekommen?
Ich habe eigentlich immer schon gern gemalt, sogar auch mal zwei Ausstellungen gehabt, wo ich jedes Bild verkaufen konnte. Zum Bodypainting kam ich durch Zufall. Als Jugendliche hab ich mit Freunden hin und wieder Life Partys zu Gunsten der Aids Hilfe Kärnten organisiert, bei denen wir auch Mode gezeigt haben. Dort hab ich einem Bodypainter zugeschaut und war fasziniert von seiner Arbeit. Er hat mich später auf die Staatsmeisterschaften aufmerksam gemacht und gemeint, ich solle doch mitmachen, denn wenn ich auf Leinwand malen kann, kann ich das auch auf Körpern. Also bin ich mit meinen drei Farben zu den Meisterschaften gefahren, obwohl ich noch nie auf einen Körper gemalt hatte. Durch die Vorentscheidung bin ich grad so durchgerutscht, hab das Finale aber gewonnen und seitdem mache ich Bodypainting.

Kannst du kurz etwas zur Weltmeisterschaft der Bodypainter erzählen?
Die Weltmeisterschaft gibt es seit 1998 und hat ihren Ursprung in Pörtschach. Dort wird sie alljährlich Open Air ausgetragen. Anfangs waren es 10 Bodypainter, denen 100 Leute beim Arbeiten zugeschaut haben; heute sind es mehr als 300 Künstler aus 36 Nationen und zwischen 20.000 und 30.000 Zuschauern.

Wie muss man sich die Weltmeisterschaft vorstellen: Du kommst mit einem Modell und einem Entwurf und dann geht´s los?
Da gibt es verschiedene Kategorien wie Special Effects, Facepainting, Airbrush in denen du dich anmeldest. Vor Ort hat man 7 Stunden Zeit und muss live arbeiten. Ich mach wieder in der Kategorie Special Effects mit. Da kannst du Dinge vorbereiten, wie Dekorationsbauten oder Maskenteile. Die müssen dann innerhalb der 7 Stunden geklebt, aufgesetzt und gemalt werden.

Was brauchst du zum Arbeiten?
Airbrushpistole, Farben, Pinsel, Schwämme. Und das kreative Auge.

Welche Farben benutzt du?
Ganz normale Make up Farben auf Wasserbasis.

Verschwitzen die nicht schnell?
Ja schon. Deswegen sind Frauen besser zu bemalen als Männer, weil sie in der Regel weniger schwitzen und allgemein eine bessere Hautoberfläche haben. Männer sollten idealerweise rasiert sein.

Wie lang brauchst du für ein Bodypainting?
Das ist natürlich ganz unterschiedlich. Normalerweise kann ein Bodypainting so an die 7 Stunden dauern, es kommt darauf an, welche Bilder transportiert werden sollen. Bei Charlie le Mindu ging das beispielsweise relativ schnell, weil es ja auch nur eine Farbe war.

Machst du auch Frisuren, wenn du keinen Friseur vor Ort hast?
Es kommt immer darauf an, was gefragt ist. Aber bei normalen Bodypaintings mach ich schon auch mal die Frisur, allerdings rein aus dem Gefühl heraus und ich brauch zehnmal länger und unendlich viele Nadeln. Ich schau wahnsinnig gern dabei zu, wenn Christine Haare aufsteckt, da kann ich viel dabei lernen.

Welche Voraussetzungen braucht es in deinem Job?
Malerische Begabung, kreatives Auge, Farbenlehre und –komposition.

Wer sind Bodypainter und Airbrusher?
In erster Linie sind es Künstler & Maler, hin und wieder Visagisten.

Jedes Model geht irgendwann mal unter die Dusche. Trägst du eigentlich immer eine Kamera bei dir, um deine Kunstwerke zu erhalten?
Ich hab zumindest immer mein Handy dabei. Und bei interessanteren Jobs, bei auffälligen Sachen, schau ich immer, dass mein Fotograf dazu kommt.

In ein paar Wochen findet wieder die Hairdressing Award Gala statt, im letzten Jahr warst du dabei. Wie fandest du den Abend?
Ich war begeistert. Ich habe nicht gewusst, wie viele kreative Friseure es in Österreich gibt und was sie leisten können. Natürlich ist vieles Geschmackssache und ich kann nicht einschätzen, wie gut die Frisuren handwerklich gearbeitet sind, aber ich war sehr beeindruckt von den Arbeiten und der ganzen Veranstaltung. Der Abend war elegant und chick.

Welche Messetermine sind für dich Pflicht?
Die IMATS in London und bei den Trend & Fashion Days in Düsseldorf die Make-up Messe.

Dein aufregendstes Projekt?
Das Lifeball Plakat mit Pierre et Gilles in Paris letztes Jahr.

Dein nächstes Projekt?
Künstlerfestival in Shanghai und die Vorbereitungen für den nächsten Lifeball - mein Team und ich sind unheimlich stolz darauf, unsere Werke auf der Lifeball Bühne zu sehen, da weiß man dann, warum man ein Jahr damit beschäftigt war.


www.designfactor.at

Fotocredit: Stefan Dokoupil

Das nächste Bodypainting Festival in Pörtschach gibt es vom 29.06. - 06.07.2014 | www.bodypainting-festival.com


Oktober 2013

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