Jean-Christophe Périchon: Brauchen wir eine Messe?
INTERVIEW

Jean-Christophe Périchon: Brauchen wir eine Messe?

Globalerer Austausch, Imagestärkung und vor allem nur eine Veranstaltung pro Jahr, ein Plädoyer ...

Jean-Christophe Périchon leitet seit Februar 2013 die Division für Professionelle Produkte von L’ORÉAL Österreich.

imSalon: Die Austria Hair liegt bereits einige Wochen zurück. Wie bewertest Du rückblickend die Messe für L’Oréal Professionel?
Jean-Christophe Périchon: Aus meiner Sicht hat sich der AHI sehr positiv entwickelt, der Standortwechsel in die kleinere und architektonisch interessante Marx-Halle war eine gute Entscheidung.
Für unsere Marken L’Oréal Professionnel und Matrix war das Event ein Erfolg, weil es gelungen ist, die vorab gesteckten Ziele zu erreichen: Das einzigartige Image der beiden Marken darzustellen, und die wichtigsten Neuheiten im Produkt- und Dienstleistungsbereich, eingebettet in einem digitalen Rahmen, vorzustellen. Außerdem war ich beeindruckt vom regen Austausch, der mit bzw. zwischen Friseuren und Brancheninsidern während der beiden Tage stattfand.

Und für die Branche? Brauchen wir eine Messe?
JCP: Eine Messe vielleicht nicht unbedingt, aber ein Event bzw. eine Veranstaltung, wo sich die Branche trifft und austauscht: Unternehmer, Partner, Lehrlinge, Mitarbeiter – die berufsnahen Personen sollen einen globalen Austausch haben, der extrem wichtig ist. Das Format eines solchen Austausches kann natürlich unterschiedlichste Gestalten annehmen.

Die Show von Bertram K., ein neuer Ansatz wurde ausprobiert, wurde heuer sehr kontrovers diskutiert. Wie siehst Du das?
JCP: Die Show war aus meiner Sicht sehr inspirierend, um die Botschaft zu transportieren: Was man auf der Bühne zeigt, soll auch viral werden und an die Öffentlichkeit gelangen. Denn das Umfeld, in dem sich unsere Branche bewegt hat sich enorm verändert und wird sich in Zukunft noch viel schneller verändern. Wesentlicher Treiber dieser Veränderungen ist zweifelsohne das Thema Digital. Insofern ist es für uns alle keine Wahl, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sondern ein Muss.

Was würdest Du beim nächsten Mal anders machen?
JCP: Die Ziele noch klarer in den Fokus rücken: Austauschen der Branche, Imagestärkung der Branche in der Öffentlichkeit, Jugendliche dafür begeistern. Nur eine Veranstaltung pro Jahr zu organisieren ist in diesem Fall sicher ein wichtiger Schritt, um die Synergien bestmöglich zu nützen und zu bündeln.

Welchen neuen Weg geht L’Oréal bezüglich Shows?
JCP: Shows dienen bei uns dazu, Trends zu zeigen und diese dann auch in der Realität bestmöglich umzusetzen. Deshalb sollen sie stark in Richtung Workshop gehen – damit der einzelne Friseur direkt Inputs für sich sieht und unmittelbar umsetzen kann.

Noch immer versucht jeder sein eigenes Süppchen zu kochen, was zu einer Fülle an Veranstaltungen führt, die alle Kleckern ohne zu Klotzen. Was kann die Industrie hier tun?
JCP: Aus meiner Sicht ist es wie gesagt höchst relevant, die Synergien sinnvoll zu bündeln und das ist nur dann möglich, wenn alle relevanten Akteure an einem Strang ziehen. Meiner Meinung nach muss diese Frage daher in erster Linie an die Bundesinnung gestellt werden, denn sie nimmt mit ihren Landesorganisationen eine wichtige Koordinationsrolle ein, die Industrie alleine kann hier wenig bewegen.

Was wünschst Du Dir zukünftig für die österreichische Messe-Landschaft?
JCP: Ich wünsche mir eine gemeinsame Veranstaltung, bei der alle relevanten Industriepartner und Branchenakteure gleichermaßen teilnehmen. Denn nur so ist es möglich, die Vielfalt und Kraft unserer Branche in Österreich darzustellen.

Sprichst Du mit Deinen Industriekollegen über diese Thematik?
JCP: Aus kartellrechtlichen Gründen ist es nicht möglich, sich hier mit Industriekollegen thematisch auszutauschen.

Welche Rolle spielt die Innung beim Geschehen? Welche Wünsche habt Ihr an die Innung?
JCP: Wie oben schon gesagt, ich sehe die Innung in einer zentralen Koordinationsrolle, die eine aktive Rolle spielen muss, um die jeweiligen Stärken der Branchenpartner zu bündeln.

Wenn Du Verantwortung hättest, was würdest Du sofort ändern?
JCP: Ich würde hier Inspiration aus anderen Ländern nutzen. Die Schweiz ist ein gutes Vorbild – hier arbeiten Industrie, Innung und Schulen erfolgreich zusammen.

Es gibt in diesem Jahr einige Events! Wie wurde entschieden, wo Ihr in welchem Ausmaß teilnehmt?
JCP: No comment.


Wieviel investiert L’Oréal in den Messeauftritt am Beispiel Austria Hair insgesamt?
JCP: Diese Frage darf ich natürlich nicht genau beantworten. Dazu kann ich nur sagen , dass ein Messeauftritt von L’Oréal seinem Image entsprechen muss und deshalb qualitativ umgesetzt wird.

Wie fandst Du die TOP HAIR 2017? L’Oréal war wieder dabei, 2016 ward ihr ja nicht dabei. Hatte das eigentlich geschadet?
JCP: Den kommunikativen Austausch vor Ort und auch die gleichzeitig stattfindende Beauty Messe habe ich als sehr sinnvoll und positiv empfunden. Die Besucher profitieren hier vom Blick über den eigenen Tellerrand. Ich selbst fand es vor Ort etwas klassisch und nicht allzu innovativ – die Challenge Richtung digitale Welt und Umweltschutz ist mir persönlich etwas zu kurz gekommen.

Zum zweiten Teil deiner Frage haben wir keinen kurzfristigen Schaden gespürt.

Danke Jean-Christophe für Deine offenen Worte!

Mai 2017

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