Camaur&Brauner von Genen und Köchen
INTERVIEW

Camaur&Brauner von Genen und Köchen

Ein Koch und Kellner, der kein Banker mehr wird und eine genetisch Vorbelastete, die fix alles anders machen wollte. Das Wiener Kleinod Camaur&Brauner Haarsalon im Siebten ...

Ein Gespräch mit Katja Ottiger


„Bänker wirst du keiner mehr.“



imSalon: Tattoos von Kopf bis Fuß … Arthur, sagen dir die Leute manchmal, dass du schräg ausschaust?
Arthur Brauner:
Ja, manche. (lacht) Ist ja auch viel. Mein Papa meinte nur: „Naja, Bänker wirst du halt keiner mehr.“ Aber ich habe ja zum Glück einen Beruf in dem das egal ist. Gestriegelt sein wollte ich nie.



Camaur&Brauner haben sich bei headQuarters kennengelernt.
A.B.:
Ja, die Caro war dort meine Ausbildnerin.
Carolin Camaur: Ja, aber dass ich mich irgendwann selbstständig mache, war immer klar. Gleich nach meiner Ausbildung bei headQuarters hab ich die Meisterprüfung mit Blick auf Selbstständigkeit und Berufsschule gemacht. Denn Unterrichten hat mich immer gereizt. Arthur und ich sind über die Jahre in freundschaftlichem Kontakt geblieben. Und irgendwann haben wir dann bei einem klassischen Bier beschlossen, uns beruflich zusammenzutun.
A.B.: Ich hatte keinen Bock mehr auf Arbeitsbedingungen von Anderen, die mir vorgeben, wie viel Zeit ich für was habe. 17 Kunden am Tag, halbe Stunde Mittagspause und wenn ein Kunde zu spät kommt, ist die Mittagspause weg. Das fängt einfach an, an dir zu nagen.

Der Name war leicht gefunden?
A.B.:
Ja, innerhalb von fünf Minuten, weil´s auf dem Papier super gut aussieht.

„Worst-Case, Best-Case, Mid-Case-Szenarien“



Selbständig sein ist immer auch Risiko. Wie seid ihr das angegangen?
C.C.:
Wir haben uns sehr viel Zeit für einen Businessplan genommen, haben mit einem Businessanalysten Worst-Case, Best-Case, Mid-Case-Szenarien erstellt. Und gefragt: „Was ist, wenn Lehrling bzw. Mitarbeiter?“, „Und Wo?“ und „Was kostet mich der?“ Wir haben echt so gut wie alles zerredet. (lacht) Gibt´s offene Fragen? Einfach Businessplan aufgeschlagen, da steht die Lösung, meist!



Ihr fahrt das klassische Konzept Damen- und Herrenfriseur.
C.C.:
Ich wollte mich bei Farben und Damenhaarschnitten spezialisieren. Der Arthur fühlte sich sofort in der Herrenwelt zuhause. Wir haben uns gesagt, das ist das perfekte Konzept für uns und unser Berufsbild.

„Ich mache gern Barbershop-Hopping.“



Arthur, du siehst dich als Herrenfriseur. Was wird denn bleiben, wenn der Barber-Trend weg ist?
A.B.:
Klassische Herrenhaarschnitte. Ich merke jetzt schon, dass es einen Rückgang bei den Bärten gibt. Der Bartträger kommt in der Kombination mit einem Haarschnitt vorbei. Die, die „nur“ zum Bartschneiden kommen, sind in den letzten eineinhalb Jahren weniger geworden. Ich mache ja gerne Barbershop-Hopping. London, Schweden… Als Kunde, das inspiriert.

"Ein Mädel abweisen, nur, weil ich sonst Jungs schneide? Nein!"



Also strikte Geschlechter-Trennung?
A.B.:
Nein. Ich habe drei oder vier Mädels, die für einen Kurzhaarschnitt zu mir kommen – und ich meine, einen wirklichen Kurzhaarschnitt! Ich bin weg von diesem Old-School-Barbershop. Wenn ein Mädel reinkommt und sagt: „Pass mal auf, ich will einen Seitenscheitel und Schleckmatte haben“, dann kriegt sie die. Umgekehrt habe ich auch schon Langhaar-Herren zur Caro geschickt, weil ich gesagt habe: „Das, was du haben willst, kann die Caro besser.“ Wir leben im Jahr 2018, Emanzipation wird großgeschrieben, warum sollte ich ein Mädel abweisen, nur weil ich sonst Jungs schneide?

In eurem Grätzel gibt es eine Menge Friseurläden. Das funktioniert?
A.B.:
Ja, allein 4 Läden gegenüber von uns.
C.C.: Das funktioniert, weil wir unterschiedliche Preisspannen haben und ein klares Konzept. Und mit unserem Garten heben wir uns im 7. Bezirk ohnehin ab.
A.B.: Es gibt halt die, die auf Qualität schauen und die, denen es völlig egal ist, wie der Haarschnitt am Ende aussieht, Hauptsache billig. Das war immer schon so, wird immer so sein. In allen Lebensbereichen. In allen Branchen.


Caro mit Mutter Erika Camaur und Bruder René Camaur, Tigi Sales Manager

Caro, deine Mama, Erika Camaur, war die erste Tigi-Kundin in Österreich überhaupt, mit Kundennummer 1. Dein Vater hat Tigi in Österreich aufgebaut, dein Bruder René Camaur ist Sales Manager. Hast du ein Tigi-Gen mitgekriegt?
C.C.:
(nachdenklich) Hmm… Schon als kleines Kind habe ich an herumstehenden Übungsköpfe herumgeschnitten. Oder an Barbies Haaren. Nach der Schule bin ich zu Mama in den Salon und zu Hause wurde auch immer über Haare geredet. Und an die ersten Produkte in unserem Badezimmer kann mich noch gut erinnern, da war ich so sieben Jahre alt. Damals war das noch Tigi-Linea. Ich glaube, das Branding hat hier schon früh begonnen. (lacht) Später, als Teenager, war ich immer der verrückte Typ mit bunten Farben und ausgefallenen Schnitten. Deshalb ist es für mich DIE Marke geblieben, was das Styling und mittlerweile die Kreativität in Coloration betrifft.

Du hast dann aber erstmal die Matura gemacht und danach die Ausbildung bei headQuarters.
C.C.:
Ich war der typische Teenager: „Das, was die Eltern machen, mache ICH sicher nicht!“.

„Das Hackler-Gen fehlt.“



Später warst du Trainerin und bist Tigi Ambassador. Im eigenen Salon selbst ausbilden – eine Zukunftsvision?
C.C.:
Ausbildung muss sinnvoll sein. Der, der bei uns lernt, sollte raus gehen und die Leute sollten wissen, der hat bei Camaur&Brauner gelernt, der kann was! Momentan, ohne Mitarbeiter, ist das schwierig zu handeln. Wir sind beide stark ausgebucht. Aber wer weiß, wenn der richtige Lehrling kommt …
A.B.: Das mit den Lehrlingen wird ja leider immer schwieriger. Die Arbeitsmentalität, dieses Hackler-Gen, fehlt inzwischen. Die wollen alle so schnell wie möglich fertig sein, aber keinen Effort reinstecken. Kein Blut, Schweiß und Tränen. Ich will, dass die Elan und Ambition zeigen und zum Arbeiten motiviert sind.
C.C.: Aber ich verstehe, dass es mit 15 wirklich schwierig ist, zu sagen: „Das ist jetzt mein Traumberuf.“

Seid ihr aktiv auf Instagram? Täglich?
A.B.:
Ja, ca. drei Mal die Woche. Immer wieder was Persönliches und Vorher-Nachher Sachen.
Wir haben auch einige Kunden durch die Instagram-Stories von Freunden gewonnen, z.B. nach unserer Ladeneröffnung, bei der Freunde dabei waren und das gepostet haben.
C.C.: Du muss den Leuten halt immer wieder sagen: Da sind wir! Dennoch, die Mundpropaganda ist das, was es letztlich ausmacht.



Euer Laden ist gerade eröffnet, es gab schon ein erstes Tigi Seminar inklusive imSalon Shooting.
C.C.:
Ja, ein Jahr hat die Salonentstehung gedauert. Und weil unser Geschäft günstig liegt und wir ideale Räumlichkeiten für Schulungen bieten, haben wir hier eine enge Zusammenarbeit mit Tigi Education. Eine willkommene Bereicherung! Für beide Seiten.

Ihr habt hier stattliche 155 m2 plus 40 m2 Garten, im 7. Bezirk! Nicht ein bisschen groß für zwei?
A.B.:
Nein, das ist zukunftsorientiert. Was soll ich mit einem 30 Quadratmeter-Laden, wenn ich irgendwann Mitarbeiter und Lehrlinge haben will. Es sind ja im Endeffekt bei der Caro jetzt vier Plätze, die man auf Sieben ausbauen kann. Bei mir sind es jetzt Drei und man kann auf Fünf ausbauen.
C.C.: Uns war immer wichtig, Luft und Raum zu haben. Deshalb auch die getrennten Bereiche. Mit den Mädels philosophiere und tratsche ich über andere Sachen. Und da will ich nicht flüstern müssen, wenn ich über irgendeinen Esoteriktrend rede, und ein Mann daneben die Augen verdreht. (lacht)

„Unser Garten ist ein Gadget.“



Wir euer Garten für Kunden geöffnet?
C.C.:
Der ist schon für Kunden geöffnet und wird gerne angenommen. Für einen Kaffee während der Wartezeit, Rauchpause, Foliensträhnen bzw. Farbe am Kopf. Die sitzen auch gern mal länger bei uns, da ist er ein Gadget.
A.B.: Und ich schneide hier auch schon gern mal Haare.

Arthur, du bist ausgebildeter Koch und Kellner. Gibt’s bei euch spezielle Getränke?
A.B.:
Nein, dafür fehlt die Zeit. Aber wir haben einen guten Kaffee, hier kooperieren wir mit dem Café „Alt Wien“. Keine Vollautomaten-Maschine sondern Siebträger. Dauert länger, wird aber zu 90 Prozent positiv angenommen.

Was mir noch aufgefallen ist, du bist Linkshänder? Die deutsche friseurakademie in Neu-Ulm (Süddeutschland) bietet immer wieder mal ein Linkshänderseminar an, eine Option?
AB:
Wirklich? Das klingt toll. Ist nämlich wirklich nicht leicht, wenn du von lauter Rechtshändern geschult wirst. Weil du umdenken musst und die Handposition ganz anders ist. Im Jahrgang vor mir bei Headquarters war auch ein „Linkshänder“. Der hat mir Tipps gegeben, weil eben alles seitenverkehrt ist. Aber ja, so bin ich halt. Vorne bis hinten seitenverkehrt. (lacht)

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Fotocredits:
ganz oben: Robert Saringer | Kreativschmiede | www.rembrand.at
contents: Martin Steiger | www.martinsteiger.at

Juli 2018
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04.06.2018 | Tigi Creative Cut&Color | Wien

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