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Recap: 40 Jahre Salon International 2012
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Recap: 40 Jahre Salon International 2012

"Lassen Sie sich inspirieren", dieser Satz ist neuerdings häufig zu lesen. Es ist eine Aufforderung, Neues zu probieren und zu machen, doch woher kommt die Inspiration der Inspiratoren?
Hochglanzpolierte Bilder, die uns vorgesetzt werden, zeigen einen Traum, wie wir und unsere Kunden aussehen sollten. Live zu zeigen, wie das glückt, kann jeder hier bei den Shows sehen, solange das Geld stimmt! Oder sich an den Ständen von Verkäufern berieseln lassen, DVDs kaufen oder Werbematerial mitnehmen.

Die Salon war und ist beides, zu einem Teil Inspiration und zum anderen jede Menge hochglanzpolierte Bilder. Ob das als Inspiration reicht, muss schlussendlich jeder selbst entscheiden.

Knapp 300 Aussteller buhlten dieses Jahr um die Aufmerksamkeit des schier endlosen Stroms von Friseuren aus aller Welt.
In diesem nunmehr vierzigsten Jahr der Salon gibt es, neben den üblichen Verdächtigen, wieder einen neuen alten "Big Player" der Branche. Goldwell ist zurück und mietete einen der größten Stände der Messe. Hier präsentierte sich Goldwell mit einem frischen, aufgeputzten und unprätentiösen Look dem kritischen Fachpublikum. Neben KMS California und Elumen wurden außerdem die diesjährigen "Color Zoom"- Nominierten auf einer ausladenden Bühne präsentiert. „Ja, Goldwell ist wieder total cool“, erzählte mir Sonntag eine junge Salonbesitzerin aus East-London, die eigentlich auf Aveda steht.

Doch damit war es das schon mit den großen Namen!
Wella, Schwarzkopf, Aveda, Tigi, Redken - Fehlanzeige. Bei kolportierten 50.000 € pro Stand in der Größe einer durchschnittlichen Eigentumswohnung wundert es, in wirtschaftlich schwieriger gewordenen Zeiten, wohl kaum, dass die Industrie ihr Engagement bei derartigen Messen neu bewertet. Prestige ist eben doch nicht mehr alles. Es zählen nun mal nackte Zahlen, und anscheinend wurden wir Friseure nicht genug inspiriert, um notwendigerweise neben schön gestylten Frisuren und wirren Marketing - Ideen ("Ohne Licht keine Farbe" - welch Erkenntnis!) auch wahnsinnig innovative Produkte zu kaufen. Shows und perfekt ausgeleuchtete Produktständer reichen im Jahr 2012 nicht mehr alleinig aus, um Verkäufe anzukurbeln. Das ist die vielleicht wichtigste Lehre für die Industrie von all diesen Messen, die alljährlich locken. Konzentration auf das Kerngeschäft, ohne den Weg über den Friseur, so wird zumindest gemunkelt, wird in den nächsten Jahren der Weg von P&G, Henkel und L'Oreal sein. Das lässt jede Menge Platz für junge Unternehmen, die ihre Produkte, in den meisten Fällen Frisuren, Schnitte und Farben, mit Seminarangeboten, DVDs und Bildern transportieren.

Was war noch?
Abseits des Trubels rund um Goldwell, Toni&Guy und ghd, tummelten sich in den hinteren Reihen die "Newcomer". Indische Scherenschleifer, belgische Softwareprogrammierer und rumänische Handtuchhersteller teilten sich die Plätze mit bengalischen Echthaarverlängerungen und chemischen Haarglättungsmethoden, garantiert ohne Formaldehyd. Ein insgesamt zweifelhafter Trend. Vor etwa zwei Jahren schwappte nach Nordamerika die "Brazilian straightening" Methode, um lockiges Haar glatt zu bekommen. Auf Basis des Konservierungsmittels Formaldehyd wurde das Haar in die glatte Form gezwängt, mit teilweise verheerenden Haarschäden, Verätzungen und Haarausfall. Inzwischen geloben die Hersteller von Kerastrait & Co. Besserung bei der Vermeidung von Haarschäden. Aber ob diese Produkte jemals in Österreich erscheinen dürfen, erachte ich als fraglich.
Der Trend zu Bio ist, zumindest auf der Salon, nicht mehr präsent. Überhaupt ist fraglich, wie viel Bio in den Produkten überhaupt drinnen steckt oder steckte, zumindest grün angehauchte Produkte wurden nur von Macadamia-Oil und Morrocanoil zur Schau gestellt.

Zu Ehren des diesjährig verstorbenen Vidal Sassoon wurde eine eigene "Wall" aufgestellt, die seinem Wirken huldigte. Dezent würdigten die Aussteller seine wegweisenden Haarschnitte und beinahe ehrfürchtig traten nur wenige unmittelbar an die ikonisch präsentierten, modernen Klassiker heran. Wenn es Bilder gibt, die haften bleiben, dann waren es diese paar Frisuren, die durch ihre minimalistische Eleganz Generationen an Frisuren geprägt haben. Auch an anderer Stelle wurde Vidal Sassoon gedacht. Zur Alternative Hair Show brandete tosender Applaus auf, als ihm gewürdigt wurde. Ein ergreifender Moment, wenn knappe 5000 Friseure die Royal Albert Hall zum Beben bringen.

Abseits der schillernden Stände und großen Versprechen stagniert die Salon dennoch, wenn auch auf sehr hohem Niveau.
Innovationen waren Mangelware. Nichts Neues an der Haarfront? Mitnichten! Es ist immer wieder ein Vergnügen, Profis auf die Finger zu schauen: Wenn ausladende Steckfrisuren präsentiert werden (ghd) oder Live perfekt geschnittene Männerhaarschnitte gelingen (HJ Gemeinschaftsbühne).

Dennoch, etwas hat mir entschieden gefehlt: die Inspiration.
Andererseits; was sollen sie auch anders machen? Trends werden nicht mehr gemacht, sie finden statt, meist abseits der Friseurwelt durch unsere Kunden, durch Mode oder Zeitgeist. Und eben dieser Zeitgeist (dieses Wort habe ich übrigens sehr häufig gehört) wird nur noch neu interpretiert.

Fazit:
Stilistisch bewegen sich alle Shows (s. Beitrag: „Die Shows der Salon International 2012“) auf bekanntem Terrain. Sie möchten uns Friseuren die Mode des Laufstegs auf Haare übertragen lassen. Ein löbliches Ziel, und dementsprechend boomt auch die Nachfrage nach Seminaren oder Trainings. Zwar wurden meist zeitgleich zu "Salon Live" Shows "Salon Seminar" look-and-learn workshops abgehalten, der Praxisbezug fehlte trotzdem. Catwalk und Models sind ja schön anzusehen, Inspiration sieht, meiner Meinung nach, anders aus. Oft hatte ich das Gefühl, in all diesen Shows verloren zu sein, manchmal sogar traurig, das hier gesehene ohnehin nie umsetzen zu können.
Zu schnell sind die Eindrücke überschwemmt worden, Zeit, die Motivation der Show mitzunehmen blieb kaum. Zu vage sind mir die Antworten nach der Umsetzbarkeit der Bilder, die da vermittelt werden. Sollen wir nun allen unseren Kunden wieder Pagenköpfe schneiden, nur eben nicht so perfekt und mit farbig-bunten Strähnen? Oder sind es doch die Langhaarkunden, denen ich in nächster Zukunft die Spitzen wieder derart ausfranse, das sie nur noch mit ihren Fingern die kaputt blondierten Haare stylen braucht?
Für mich hinterlässt die Salon International 2012 mehr Fragen als Antworten. Wieder muss ich fragen, was wird/ist denn nun Trend?


Text: Aaron Leufen | www.friseurtraining.at
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