Image so schlecht wie nie und eine fatale Nachwuchsentwicklung…
Entwicklung Friseurbranche Statistik 2016

Image so schlecht wie nie und eine fatale Nachwuchsentwicklung…

Kommentar von Raphaela Kirschnick

Am Wochenende klingelt bei mir häufig WhatsApp mit Links zu neuen Beiträgen rund um die Friseurwelt. Ob Standard, Presse oder Krone, die Friseurbranche ist in der Berichterstattung berühmtestes Paradebeispiel finanziellen Gehaltsübels. Das ist nun schon seit Jahren so und obwohl sich jeder aufregt, scheint sich niemand mit den klaren Auswirkungen auseinanderzusetzen.

Es darf nicht sein, was nicht sein darf!



Das mit dem Image ist in Deutschland im Übrigen nicht anders, nur da scheint man aufgewacht zu sein und siehe da: Beim Jahresauftakt des deutschen Innungspendants (Zentralverband), wurde doch glatt eine österreichische „Arbeitsmarkt-Imagestudie der Wirtschaftskammer“ präsentiert, die hinkünftig Basis allen Handelns sein wird.
Da weiß man ja nicht, was erstaunlicher ist, dass die Deutschen eine österreichische Studie als Anlass für Imageschritte nehmen. Oder doch die Tatsache, dass in Österreich niemand von der Studie etwas wissen will. Denn in Österreich ist Innung der Überzeugung, es gibt kein schlechtes Image.

Es darf nicht sein, was nicht sein darf! Offiziell wurde uns die Studie noch nicht zur Verfügung gestellt, die Innung vertröstet uns. Macht nichts, die Kerninhalte liegen uns ja aus Deutschland vor. Befragt wurden junge Menschen, in der Hauptschule/ Gymnasium 4./5. Klassen, rund um deren Berufswünsche mit Fokus auf Arbeiten in handwerklichen Berufen.

Das Ergebnis ist erschreckend, denn das absolute Schlusslicht bei Ausbildungsberufen ist der Friseur-Beruf. Die aufschlussreiche Studie der Österreichischen Wirtschaftskammer offenbart unter anderem:
Friseurberuf an letzter Stelle bei Wunsch-Ausbildungsberufen
70% junger Menschen lehnen den Friseurberuf schlichtweg ab.
Hauptgründe dafür sind
1.) zu wenig Geld, keine guten Gehaltsaussichten
2.) schlechtes Image – O-Ton Studie: "Wer will seinen Freunden schon sagen, dass er Friseur wird"




Da wundert die Entwicklung der vergangenen Jahre nicht:
Die Anzahl der Lehrlinge ist in 5 Jahren um 20 % gesunken, Tendenz weiter sinkend.



Ein Sündenbock ist längst gefunden, die bösen Ein-Personen-Betriebe, die nicht ausbilden, die nehmen nämlich zu. Gesamtzahl Salons ist in 5 Jahren um 10,5% gestiegen.



Wo bleibt da die Logik? Wenn es so viele neue Betriebe gibt, die nicht ausbilden, dann müssten doch Scharen von Lehrlingen für die anderen bestehenden Betriebe übrigbleiben, nur die bekommen doch auch keine? Blöd!
Atomisierung der Betriebe und fehlende Professionalität werden leider häufig gleichgestellt! Dennoch gibt es gerade bei den kleinen Betrieben viele großartige Konzeptsalons, die genau das tun, was wir brauchen: Image kreieren.

Und so erklärt sich ein Rückgang der Beschäftigten von selbst, Mitarbeiter, die sich in die Selbstständigkeit entwickeln fallen als Arbeitnehmer raus. Dramatisch wird der Blick in die Zukunft, denn irgendwann schlägt sich hier wirklich der Nachwuchsmangel nieder und zwar zweistellig.



Es besteht akuter Handlungsbedarf, totschweigen ist keine Option. Die Zusammenarbeit aller Bundesländer, Medien, Industrie, Salons, ja jedes einzelnen Friseurs wird gefragt sein.

Vielleicht liegt hier eine großartige Chance versteckt: Langfristig werden wir die Dienstleistungspreise anheben müssen, damit wird für die Branche größere Wertigkeit geschaffen. Damit kommt dann automatisch das Image in Schwung und höhere Gehälter lassen sich dann ebenfalls zahlen. Viele gute Betriebe machen das längst.

PS: Sobald uns die gesamte Studie vorliegt werden wir weitere Details veröffentlichen.


Fotocredit: imSalon auf Basis von Datenmaterial aus Friseur Intern
Quelle: Friseur intern 12/2016
Quelle: Studie Wirtschaftskammer Österreich, vorliegend beim deutschen Zentralverband

Januar 2017
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