Die Zwei: Peter Strassl  &  Peter Schaider
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Die Zwei: Peter Strassl & Peter Schaider

Seit über 30 Jahren sind sie in der Branche liiert, als Geschäftspartner, als Freunde, als Sparringpartner … Eine solch intensive Beziehung über einen so langen Zeitraum ist eher ungewöhnlich! Wir wollen wissen, wie es dazu kam, was die Stärke und das Durchhaltevermögen der Partnerschaft ausmacht und wie das Erfolgsrezept lautet.

Das Interview führt Raphaela Kirschnick (RK)!

Wenn man zwischen diesen beiden Erfolgsmenschen sitzt, merkt man, dass ein ganz eigener Umgangston vorherrscht: locker dennoch bestimmt, humorvoll und ernst. Und immer ist ein von gegenseitigem Respekt getragener Humor dabei.

Als Interviewerin ist es bisweilen schwierig Ernst von Spaß zu unterscheiden und im Vergleich fallen mir da Tony Curtis und Roger Moore in Ihrer 70er Jahre Paraderolle ‚Die Zwei‘ ein, genau das sind für mich Peter Schaider und Peter Strassl : DIE ZWEI.

PS: Das Interview wird weitgehend im Original wiedergegeben!


RK: Wie haben Sie sich kennengelernt und wann sind Sie das erste gemeinsame Projekt angegangen?
Strassl: Ok! Dass will ich erzählen! 1979 war ich bereits seit einigen Jahren selbstständig!
(Einwurf Schaider: Schon mindestens 30 Jahre)
Die Firma WELLA organisierte damals eine Veranstaltung, um zu zeigen, wie weit es Friseure bringen können. Und so zeigten sie einen Fred Sturmayr im Porsche, einen Gerhard Mayer bei der Jagd und mich mit meinem Motorboot. Der junge Schaider hat das gesehen und wurde daraufhin bei mir vorstellig. Stimmt doch so Schaider? Oder?
Schaider: Ich hatte damals gerade meine Friseurlehre bei ‚Hüllerbrand‘ abgeschlossen und bin dann zu Strassl als Jungfriseur und habe parallel meine Meisterprüfung gemacht. Dann habe ich noch bei anderen Salons reingeschnuppert, die für mich auch karrieretechnisch wichtig waren, denn ich wollte unbedingt beim Preisfrisieren teilnehmen. So war ich ein paar Jahre bei ‚Topcoiffeur Rame‘ und erlang einige Titel, z.B. Vizeweltmeister bei der WM in Paris, sowie die Silber und Bronze Medaille. `83 wurde ich Staatsmeister und auch sonst kamen einige nationale und internationale Erfolge dazu.
(Einwurf Strassl: Geh, das interessiert doch niemanden)
1984 bin ich dann zu Herrn Strasssl gegangen und habe gesagt, dass ich ins Geschäft einsteigen möchte. Und so folgte 1984 die Gründung der Schaider/Strassl GmbH (75-25% Aufteilung) für Niederösterreich mit wenigen Ausnahmen in Wien und der Strassl/Schaider GmbH (75-25% Aufteilung) für die Wiener Standorte. Daraufhin wurde der erste gemeinsame Salon im Donauzentrum eröffnet.
(Einwurf Strassl: Der Schaider hatte schon immer so einen Einkaufszentrumsfimmel).
Es folgte Simmering und so ging es weiter, mittlerweile gibt es 36 Strassl/Schaider Salons.



RK: 30 Jahre einen gemeinsamen Weg zu gehen ist eine Leistung, die nur wenige vollbringen. Was ist ihr Erfolgsrezept?
Strassl: Naja, immerhin haben wir beide in dieser Zeit je 3 Beziehungen oder Ehen erlebt.
Also ich denke der Schlüssel zum Erfolg lautet KOMPROMISSE, gepaart mit HUMOR, der hilfreich ist, wenn Härte und Versteifung auftauchen. Ein großer Vorteil, den wir hatten, ist, dass es nie finanzielle Schwierigkeiten oder Engpässe gab, über die wir hätten stolpern können.
Schaider: Wir waren beide immer starke Business-Menschen und haben den Fokus auf Buchhaltung und Kostenrechnung gelegt und viel reinvestiert. Wirtschaftlichkeit war immer an erster Stelle!
Absolute FAIRNESS ist ein weiterer wichtiger Wert in der Partnerschaft, dadurch entsteht VERTRAUEN.
(Strassl‘s Hund taucht auf und will ins Zimmer, Anmerkung Strassl: Schaider zwick mir den Hund nicht ein, er passt aber auch nie auf)
Strassl: Unser Unternehmen ist sehr auf NACHHALTIGKEIT aufgebaut und wir haben immer unserer Zeit vorausgedacht. Unsere Salons sind alle auf dem neuesten Stand. Ständig wird renoviert und an neueste Standards angepasst.

RK: Partnerschaft leben, bedeutet häufig auch Kompromisse eingehen. Welche Kompromisse sind Ihnen noch in guter Erinnerung?
Strassl: Ich hab halt immer nachgegeben! Als der Schaider in die Landstraße expandieren wollte, da war ich voll dagegen und er hat es einfach gemacht.
Aber es obsiegt die Einsicht, dass man eine gut funktionierende Partnerschaft nicht einfach so aufgibt, sondern Kompromisse eingehen muss. Und bei mir war die Schmerzgrenze längst nicht erreicht. Das ist so ein bisschen wie in einer Ehe.

RK: Gab es Momente, in welchen die Partnerschaft auf der Kippe stand?
Schaider/Strassl unisono: „NEIN, NIE!“

RK: Wie ist die interne Aufgabenverteilung?
Strassl: Das hat sich in den vergangenen Jahren verschoben! Insgesamt ist die Werbung und Kommunikation eher meine Stärke und diese führe ich für den gesamten Strassl Konzern.
Schaider: Es ist ja prinzipiell jeder für deine Gruppe zuständig.
Strassl: Kennzahlen sind für uns sehr wichtig. Daran orientieren wir uns seit über 20 Jahren, in welchen auch Klaus Schäfer ein großer Begleiter war und teilweise noch ist. Die Zahlen halten uns zu ständiger Optimierung an. Jeder Salon wird als eigenes Profitcenter geführt, dadurch ist die Wirtschaftlichkeit sehr gut.
Schaider: Ich habe durch den Auhofcenter eine recht gute Mittlere-Management Ebene, die mir viel abnimmt. Werbung machen wir aber komplett gemeinsam.



RK: Wie treffen Sie Entscheidungen, wie häufig treffen Sie sich?
Strassl: Entscheidungen treffen wir häufig am Telefon. Große Versammlungen wurden eigentlich noch nie einberufen. Da wir ziemlich gleich geschaltet sind, funktioniert es gut.
Schaider: Dinge wie Schulungen machen wir oft auch unterschiedlich, aber es findet ein starker Ideenaustausch statt und immer mal wieder hängt sich die eine Gruppe an die andere ran.

RK: Vor 4 Jahren wurde die Idee zu „hair fair“ geboren, wie kam es dazu?
Schaider: Hier kam der Initialkick vom Strassl.
Strassl: Ich habe gesehen, dass es ein Riesenpotential für Junge gibt, aber nicht nur laut und schräg. Preislich wollten wir über den damals aufstrebenden Ketten wie hairkiller, etc. sein. Und so haben wir es als Karrieresprungbrett für junge Mitarbeiter positioniert und es ist in der Tat eine Riesen-Motivation für unsere Lehrlinge. Die freuen sich fast alle darauf, dort nach der Lehre zu arbeiten. Die ‚hair fair‘ Fillialen sind in die einzelnen GmbHs eingegliedert.

RK: Gibt es regelmäßige Meetings?
Strassl: Ja, jeden Mittwochvormittag!
(Einwurf Schaider: Außer der Strassl sitzt auf seinem Boot!
Einwurf Strassl: Na du kommst doch immer zu spät!)

Strassl: Telefoniert wird täglich! Große Betriebsversammlungen haben wir noch nie einberufen, ja selbst die Gewinnausschüttung regeln wir am Telefon.

RK: Wie gehen andere Menschen in Ihrem Umfeld mit der engen Partnerschaft um, die ja in einigen Fällen älter als Familienmitglieder oder gar Ehen ist? Kommt es da zu Herausforderungen?
Strassl: Naja, die müssen einfach damit umgehen lernen. Und eigentlich funktioniert es sehr gut.
Schaider: Und wir machen auch Dinge ohne Partner. Wir fahren jährlich im März Ski fahren. Und da geht’s oft nicht nur um Business, da wird einfach nur unter Freunden rumgeblödelt.
Strassl: Insgesamt gehen unsere Familien super damit um, es stellt uns ja auch keiner vor die Wahl. Das Leben ist ja kein Entweder /Oder. Es ist ein ewiger Kompromiss, auch in der Familie.

Haben Sie einen persönlichen Tipp für Unternehmer, die eine Partnerschaft anstreben?
Strassl: Kompromissbereitschaft und gnadenlose Ehrlichkeit … eben wie in einer Ehe.
(Peter Schaider‘s Handy klingelt!
Einwurf Strassl: Geh Schaider, kannst des bitte abdrehen, is eh unwichtig!
Schaider geht unbeeindruckt ans Telefon)


RK: Herr Schaider: Beschreiben Sie, wie Herr Strassl Sie ergänzt und wofür Sie ihn bewundern?
Strassl: Ist doch klar: Ich bin einfach ein toller Mensch!
RK: Ok, ich möchte das aber vom Herrn Schaider hören.
Strassl: Schaider sag‘s ihr!

Schaider: Am meisten schätze ich die angenehme Gesprächsbasis zwischen uns und seine Weitsicht. Der Strassl ist meist gut aufgelegt, (nachdenklich) manchmal auch schlecht.
Ich habe durch ihn sehr viel kennengelernt!
(Einwand Strassl: Süd Frankreich zum Beispiel)
Zum Beispiel wie man Partnerschaft lebt. Auch sportlich hat der Strassl mich stark herausgefordert, beim Ski fahren. Jetzt muss ich mich immer zurückhalten, weil ich so viel besser bin als er.
Hair Fair war eine Super Idee von ihm, damit hat er mich für den Zeitgeist gewonnen. Er gibt mir immer wieder Innovationsschübe. Er denkt anders, innovativer eben.

RK: Herr Strassl: Beschreiben Sie, wie Herr Schaider Sie ergänzt und wofür Sie Ihn bewundern?
(Herr Strassl wird ernst und nachdenklich)
Strassl: Der Schaider ist ein extrem fleißiger und strebsamer Mensch und möchte Erfolg haben im Leben. Er ist konsequent und ein angenehmer Gesprächspartner. Außerdem ist er ein gesunder Kritiker. Und was ganz wichtig ist, er ist kein Ja-Sager. Er ist wesentlich zielstrebiger mit allen Mitteln, da bin ich viel sensibler. Er sieht das Schöne im Leben und versucht es zu leben.
Er ist auch mit 51 noch ein Workaholic. Und ich bin erstaunt, dass er sich noch immer großer Projekte annimmt, wie z.B. die Organisation der Austria Hair-Messe. Was er macht, macht er gerne und seine Arbeit macht ihm Spaß.
Was ich in jedem Fall von ihm über die Jahre gelernt habe, sind Diplomatie und eine unemotionalere Rangehensweise. Er ist bei Weitem nicht so emotional und nachtragend wie ich. Wenn z.B. ein Mitarbeiter geht, nehme ich das sehr persönlich. Er geht damit viel gelassener um und häufig kommen die Mitarbeiter dann eh wieder. Also ich habe viel von ihm gelernt.

RK: Wie wird die Zukunft aussehen, welche weiteren gemeinsamen Pläne gibt es?
Strassl/Schaider unisono
: Es soll so weiter gehen wie bisher!

RK: Welche Herausforderungen sehen Sie in der Branche im Vergleich zu der Zeit als Sie begonnen haben?
Strassl: Die Zahlen sind wesentlich brutaler geworden. Lohnkosten sind von 30 auf 50 % gestiegen. Auch die Menschen haben sich geändert, die ganzen Preisdiskussionen gab es früher nicht. Marketing ist viel wichtiger geworden und Kundenbindung hat stark nachgelassen.
Auch die Mitarbeiterfluktuation ist eine große Herausforderung geworden.

RK: Ich berichte von meinem Vergleich mit „Die Zwei“ alias Tony Curtis und Roger Moore. Es bricht eine Diskussion darüber aus, wer denn wer sei.
Als ich gefragt werde, wer meiner Meinung nach Roger Moore sei, beende ich das Gespräch und behalte meine Meinung für mich.


Vielen Dank für ein außerordentlich angenehmes Gespräch
Raphaela Kirschnick


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